Energie unter Kriegsdruck
Trump droht Iran mit größerem Angriff, Brent steigt über 100 Dollar
Die militärische Eskalation trifft nun zugleich die Straße von Hormus und den Zugang zum Roten Meer. Für Europa wächst damit das Risiko eines neuen Inflationsschubs.

Die neue Eskalationsstufe lässt sich inzwischen an Luxemburgs Zapfsäulen ablesen. Diesel kostet seit Freitag höchstens 1,889 Euro je Liter, Heizöl 1,380 Euro. Hinter diesen nationalen Preisen steht ein internationaler Markt, der das Risiko eines noch größeren Krieges neu bewertet: Brent schloss am Donnerstag 7% höher bei 100,69 Dollar je Barrel und erreichte zeitweise 102 Dollar.
Der unmittelbare Auslöser war eine Verdichtung militärischer und logistischer Gefahren. Die USA beendeten in den frühen Morgenstunden ihre dreizehnte Angriffsnacht in Folge gegen Iran. Gleichzeitig erklärten die von Teheran unterstützten Huthi im Jemen, zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Damit geraten neben der Straße von Hormus auch die Zufahrten zum Suezkanal und zum Roten Meer unter Druck.
Washington hält den nächsten Eskalationsschritt bereit
US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Großangriff nicht angeordnet, ihn aber öffentlich als konkrete Option beschrieben. Gegenüber Axios sagte er, die mögliche Operation solle umfangreicher werden als die vorangegangene amerikanische Kampagne. Zwei US-Regierungsvertreter bestätigten der Publikation zugleich, dass noch keine Entscheidung gefallen sei und das Militär keine neuen Befehle erhalten habe.
„Ich erwäge einen massiven Angriff. Größer als je zuvor. Ich stehe kurz vor einer Entscheidung. Wir sind vollständig darauf vorbereitet“, sagte Trump.
Das US-Zentralkommando begründete die jüngsten Angriffe mit dem Ziel, Irans Fähigkeit zur Bedrohung ziviler Seeleute und kommerzieller Schiffe in den regionalen Gewässern weiter zu schwächen. Explosionen wurden unter anderem in Bandar Abbas und auf der Insel Qeshm gemeldet. Beide Orte sind für Irans Marineaktivitäten und den Verkehr durch die Straße von Hormus von Bedeutung. Nach US-Angaben endete die Angriffswelle am Freitag kurz vor 5 Uhr Ortszeit.
Iran setzt unterdessen seine Gegenangriffe auf amerikanische oder mit den USA verbundene Ziele in der Golfregion fort. Jordanien erklärte, seine Streitkräfte hätten binnen 24 Stunden vier iranische Raketen und sechs Drohnen bekämpft. Nur eine Rakete sei nicht abgefangen worden; sie sei in unbewohntem Gebiet eingeschlagen. Teheran meldete außerdem einen Angriff auf einen amerikanischen Stützpunkt in Kuwait. Die USA und Kuwait bestätigten keine Opfer am genannten Standort Al-Adiri.
Bagdads Vermittlungsweg endet im Widerspruch
Parallel zu den Angriffen versuchte der irakische Ministerpräsident Ali al-Zaidi, einen diplomatischen Kanal offenzuhalten. Die New York Times berichtete unter Berufung auf iranische und irakische Amtsträger, Teheran habe einen von al-Zaidi überbrachten amerikanischen Vorschlag für eine befristete Waffenruhe abgelehnt. Nach ihrer Darstellung blieb darin insbesondere die künftige Kontrolle über die Straße von Hormus ungeklärt.
Al-Zaidi war nach einem Treffen mit Trump im Weißen Haus nach Teheran gereist. Dort sprach er mit Präsident Masoud Pezeshkian und weiteren hochrangigen Vertretern. Er warb für Dialog und sagte zu, irakisches Territorium werde nicht für Angriffe auf Iran genutzt. Außenminister Abbas Araghchi bestritt öffentlich, dass der Iraker eine Botschaft aus Washington überbracht habe. Das Problem liege nicht an fehlenden Vermittlern, sondern an der Haltung der USA. Die widersprüchlichen Darstellungen lassen Einzelheiten des Angebots offen; eine vereinbarte Feuerpause gibt es jedenfalls nicht.
Zwei Meerengen werden zum gemeinsamen Preisrisiko
In Friedenszeiten passierte etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasaufkommens die Straße von Hormus. Eine dauerhafte Behinderung dieses Weges trifft den wichtigsten Energieausgang des Persischen Golfs. Angriffe oder Blockadedrohungen am Bab al-Mandab verschärfen das Problem, weil dort der Verkehr zwischen Indischem Ozean und Rotem Meer gebündelt wird.
Reedereien können das Risiko umgehen, doch nur zu einem Preis. Längere Routen um Afrika erhöhen Treibstoffverbrauch, Versicherungsprämien und Frachtraten. Reuters berichtete, dass sich die Versicherungskosten für Transporte durch das südliche Rote Meer bei einigen Unternehmen am Donnerstag verdoppelt hätten. Mehrere Tanker änderten bereits ihren Kurs.
Noch vor wenigen Wochen war Brent auf weniger als 72 Dollar gefallen, weil Händler auf eine Entspannung und eine vollständigere Öffnung der Verkehrswege setzten. Der Schlusskurs von 100,69 Dollar markiert die gegenteilige Erwartung. Teurere Energie belastet Verkehrsunternehmen und Industrie, verringert die Kaufkraft der Haushalte und kann den Rückgang der Inflation abbremsen. Für die Europäische Zentralbank entsteht damit erneut ein schwieriger Zielkonflikt zwischen Preisstabilität und schwächerem Wachstum.
Luxemburg dämpft den Schock, beseitigt ihn aber nicht
Die staatlich regulierten Höchstpreise reagieren nicht mechanisch auf jeden Ausschlag des Rohöls. Wechselkurs, Raffineriemargen, Steuern und zeitversetzte Einkaufspreise führen dazu, dass sich die Produkte unterschiedlich entwickeln. So verteuerte sich Diesel am Freitag um 3,6 Cent auf 1,889 Euro je Liter und Heizöl um 3,8 Cent auf 1,380 Euro, während Super 98 um 3,5 Cent auf 1,903 Euro sank.
Seit dem 1. Juli übernimmt der Luxemburger Staat im Rahmen des Resilienzpakets fünf Cent je Liter Benzin und Diesel. Ab dem 1. August soll Heizöl ebenso wie Agrardiesel um 15 Cent je Liter verbilligt werden. Die Maßnahmen halten einen Teil der Belastung von Haushalten und Betrieben fern, verlagern ihn jedoch teilweise auf den Staatshaushalt.
Entscheidend ist nun, ob die militärische Drohung Verhandlungsdruck erzeugt oder eine weitere Angriffsspirale auslöst. Eine glaubwürdige Waffenruhe könnte den Risikoaufschlag rasch verringern. Ein amerikanischer Großangriff mit iranischer Vergeltung und anhaltenden Störungen an beiden Seewegen würde ihn festigen. Oberhalb von 100 Dollar zeigt der Markt, dass er dieses Szenario nicht länger als Randrisiko betrachtet.
Häufig gefragt
- Warum ist der Brent-Preis über 100 Dollar gestiegen?
- Der Markt bewertet das Risiko anhaltender Kämpfe sowie gleichzeitiger Störungen an der Straße von Hormus und im Roten Meer neu.
- Hat Trump den größeren Angriff bereits angeordnet?
- Nein. Trump erklärte, eine Entscheidung stehe bevor; nach Angaben zweier US-Vertreter gab es noch keinen neuen Befehl.
- Welche Kraftstoffpreise gelten nun in Luxemburg?
- Diesel kostet höchstens 1,889 Euro je Liter, Super 98 höchstens 1,903 Euro. Heizöl liegt bei 1,380 Euro.
- Wie greift der Luxemburger Staat ein?
- Seit dem 1. Juli werden Benzin und Diesel um fünf Cent je Liter entlastet. Für Heizöl und Agrardiesel folgt am 1. August eine Reduktion um 15 Cent.
Quellen
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