Eskalation an der Straße von Hormus

Iranischer Angriff tötet zwei US-Soldaten in Jordanien – Washington schlägt zurück

Erstmals seit der Anfangsphase des Krieges sterben amerikanische Soldaten durch direkten iranischen Beschuss. Die US-Luftwaffe nimmt nun gezielt die Revolutionsgarde ins Visier.


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Eine menschenleere Schifffahrtsroute in der Straße von Hormus hinter einer Küstenradaranlage.
Illustrative Ansicht der Straße von Hormus, deren Schiffsverkehr im Zentrum der erneuten Kämpfe zwischen den USA und Iran steht.Illustration: KI-generiert — Étude

Zwei tote Soldaten, ein Vermisster und eine noch in derselben Nacht vorbereitete Antwort: Mit neuen Luftangriffen auf die iranische Revolutionsgarde haben die Vereinigten Staaten die militärische Auseinandersetzung am Sonntag weiter verschärft.

Das US-Zentralkommando erklärte, die Angriffe hätten Küstenüberwachung, Luftverteidigung, maritime Fähigkeiten sowie Lager für Raketen und Drohnen getroffen. Erstmals in dieser Phase des Krieges benannte Washington dabei die Revolutionsgarde ausdrücklich als Ziel der Vergeltungsoperation.

Auslöser war ein iranischer Angriff am Freitag in Jordanien. Ballistische Raketen und Drohnen trafen nach amerikanischen Angaben während eines Abwehreinsatzes US- und Partnerkräfte. Zwei amerikanische Soldaten wurden getötet, ein weiterer gilt als vermisst.

Die Angriffe sollten die verantwortlichen Kräfte der Revolutionsgarde „rasch bestrafen“, erklärte das US-Zentralkommando.

Die Verwundbarkeit der amerikanischen Stützpunkte

Vier weitere US-Soldaten wurden in jordanische Krankenhäuser ausgeflogen. Sie konnten inzwischen entlassen werden. Andere Angehörige der Streitkräfte, die wegen leichter Verletzungen untersucht worden waren, kehrten in den Dienst zurück. Die Namen der Getöteten hielt das Militär zunächst zurück, bis ihre Familien verständigt sind.

Es waren die ersten amerikanischen Todesfälle durch direkten iranischen Beschuss seit den ersten Tagen des Krieges. Damit bekommt die Eskalation auch für Washington eine neue innenpolitische Dimension. Die US-Kampagne sollte Irans militärischen Handlungsspielraum einengen; nun zeigt sich, dass amerikanische Kräfte in verbündeten Staaten weiterhin erreichbar sind.

Jordanien ist ein enger Sicherheitspartner der Vereinigten Staaten und beherbergt amerikanische Truppen und Flugzeuge. Das Königreich führt selbst keinen Angriffskrieg gegen Iran, gerät aber durch seine Lage und die dortige US-Präsenz wiederholt in die Schusslinie. Die jordanische Luftverteidigung hat in den vergangenen Tagen mehrfach Geschosse aus iranischer Richtung abgefangen.

Für Amman entsteht daraus ein heikles Gleichgewicht. Die Regierung will ihre strategische Zusammenarbeit mit Washington erhalten, zugleich aber verhindern, dass jordanisches Territorium dauerhaft zum Schauplatz einer fremden Konfrontation wird.

Die Revolutionsgarde rückt in den Mittelpunkt

Die Auswahl der Ziele zeigt, dass es den USA nicht allein um eine symbolische Reaktion geht. Die Revolutionsgarde verfügt über Irans ballistische Raketen, prägt die regionale Militärstrategie und besitzt erheblichen politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss. Angriffe auf ihre Infrastruktur treffen damit einen zentralen Machtapparat der Islamischen Republik.

Aus der südiranischen Provinz Hormozgan wurden Angriffe bei Sirik, Hajiabad, der Insel Qeschm und Bandar Abbas gemeldet. Bandar Abbas liegt nahe der engsten Stelle der Straße von Hormus und beherbergt Irans wichtigsten Handelshafen. Bereits zuvor waren Brücken und Tunnel auf einer Hauptverbindung in Richtung der Hafenstadt beschädigt worden.

Der Zielkatalog wird breiter. Neben militärischen Lagern und Radaranlagen geraten Verkehrswege, Energieanlagen und maritime Infrastruktur in die Kampfzone. Damit steigt das Risiko für die Zivilbevölkerung und für die Versorgung der Städte an Irans Südküste.

Iranische Behörden erklärten, amerikanische Angriffe hätten innerhalb von drei Wochen mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben war nicht möglich. Teheran kündigte weitere Gegenmaßnahmen an und wirft Washington vor, die Kontrolle über die Meerenge erzwingen zu wollen.

Hormus wird zum militärischen Druckmittel

Vor dem Krieg passierte etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung die Straße von Hormus. Diese geographische Enge macht das Seegebiet zugleich zu einer wirtschaftlichen Lebensader und zu einem militärischen Hebel. Iran verlangt, dass Schiffe seine Regeln für die Durchfahrt beachten; die USA fördern eine Route näher an der omanischen Küste.

Washington hat außerdem die Blockade iranischer Häfen wieder aufgenommen. Die kommerzielle Schifffahrt ist stark zurückgegangen, weil Reedereien Angriffe, Festsetzungen und hohe Versicherungsprämien fürchten. Die US-Streitkräfte begründen ihre jüngsten Angriffe deshalb nicht nur mit Vergeltung, sondern auch mit dem Ziel, Irans Möglichkeiten zur Einschränkung des Tankerverkehrs zu schwächen.

Die benachbarten Golfstaaten tragen einen wachsenden Teil des Risikos. Kuwait meldete Angriffe auf Infrastruktur; in anderen Staaten wurden Warnsysteme ausgelöst. Pipelines und Ausfuhrhäfen am Roten Meer können einen Teil des Verkehrs auffangen, aber nicht die gesamten Mengen ersetzen, die in Friedenszeiten durch Hormus liefen.

Ein längerer Ausfall würde deshalb nicht auf die Region begrenzt bleiben. Höhere Frachtraten, Versicherungsprämien und Energiepreise könnten weltweit erneut den Inflationsdruck erhöhen.

Abschreckung ohne erkennbare Ausfahrt

Die neue Angriffswelle folgt auf das Scheitern einer vor rund einem Monat unterzeichneten Übergangsvereinbarung. Sie sollte die Kämpfe eindämmen und Zeit für eine dauerhaftere Regelung schaffen. Der Streit über Durchfahrtsrechte in der Straße von Hormus trug jedoch zum Zerfall der Verständigung bei.

Die amerikanische Strategie setzt darauf, Teherans militärische Kosten so weit zu erhöhen, dass die Führung ihre Angriffe einstellt. Der Tod der beiden Soldaten legt jedoch das Dilemma offen: Jede neue Strafaktion kann Iran einen weiteren Anlass geben, US-Truppen oder deren Gastgeberstaaten anzugreifen.

Über das Schicksal des vermissten Soldaten gab es am Sonntag keine neuen Angaben. Ebenso fehlte ein erkennbarer diplomatischer Kanal, der beide Seiten zurück zur Übergangsvereinbarung führen könnte.

Die Angriffe entscheiden den Kampf um Hormus nicht. Sie erhöhen aber den politischen Einsatz: Amerikanische Soldaten sind gefallen, die Revolutionsgarde wird direkt attackiert und verbündete Staaten werden tiefer in die Gefahrenzone gezogen. Der Konflikt bleibt begrenzt nur insofern, als beide Seiten bislang noch vor einer vollständigen regionalen Mobilisierung zurückschrecken.

Was löste die neuen US-Angriffe aus?
Ein iranischer Raketen- und Drohnenangriff in Jordanien tötete zwei amerikanische Soldaten; ein weiterer gilt als vermisst.
Welche iranischen Einrichtungen wurden angegriffen?
Nach US-Angaben traf die Operation Küstenüberwachung, Luftverteidigung, maritime Fähigkeiten sowie Lager für Raketen und Drohnen der Revolutionsgarde.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Vor dem Krieg lief dort etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung entlang. Eine Blockade oder anhaltende Unsicherheit kann deshalb Energiepreise und Inflation weltweit beeinflussen.

Mehr dazu: Iran War, Jordan, Middle East, Revolutionary Guard, Strait Of Hormuz, United States

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