Staatstrauer in Teheran
Iran beginnt siebentägige Trauerfeiern für den getöteten Ajatollah Chamenei
Vier Monate nach dem amerikanisch-israelischen Luftangriff, der den Revolutionsführer tötete, inszeniert die Islamische Republik ein Begräbnis in fünf Städten — ohne den neuen Führer Mojtaba Chamenei, der sich aus Angst vor einem Anschlag verborgen hält.

Mit gut vier Monaten Verspätung hat der Iran am Freitag die auf sieben Tage angelegten Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Ali Chamenei eröffnet. Der Revolutionsführer war am 28. Februar, dem ersten Tag des Krieges, bei einem gemeinsamen amerikanisch-israelischen Luftangriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden — gemeinsam mit mehreren Angehörigen seiner Familie.
Chamenei, 86 Jahre alt, stand seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik. Die ursprünglich für März vorgesehene Beisetzung wurde verschoben, solange die Kämpfe andauerten; Anfang März sagte Teheran eine erste Abschiedszeremonie ab, nachdem Israel offen gedroht hatte, auch den Nachfolger zu töten. Erst jetzt, da eine Waffenruhe hält und in Doha verhandelt wird, wagt die Führung das Begräbnis.
Zum Auftakt erwiesen am Freitag ausländische Delegationen, hohe Beamte und Religionsgelehrte dem Toten in Teheran die Ehre; auf den Straßen versammelten sich schwarz gekleidete Menschen mit Porträts des Verstorbenen. Das Außenministerium rechnet nach den Worten seines Sprechers Esmaeil Baghaei mit „Gästen aus rund 100 Ländern, darunter Regierungschefs, Parlamentspräsidenten, Außenminister, Sondergesandte, weitere politische Persönlichkeiten und zahlreiche Delegationen“. Erwartet werden unter anderem Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, He Wei, ein Vizevorsitzender des Ständigen Ausschusses des chinesischen Volkskongresses, sowie der amtierende Außenminister der Taliban-Regierung.
Von Teheran über Ghom und Nadschaf nach Maschhad
Das Programm ist selbst für die Maßstäbe der Islamischen Republik aufwendig. Am 4. und 5. Juli wird der Sarg — zusammen mit denen der getöteten Familienangehörigen — in der Großen Mosalla von Teheran aufgebahrt, einer der größten Gebetsanlagen des Landes. Am 6. und 7. Juli ziehen die Prozessionen durch die Hauptstadt und weiter in das 120 Kilometer südlich gelegene Ghom, das Zentrum der schiitischen Gelehrsamkeit. Am 8. Juli folgen ein offizieller Empfang am Flughafen von Nadschaf im Irak sowie Prozessionen in Nadschaf und Kerbela, den heiligsten Städten der Schia. Am 9. Juli wird Chamenei am Schrein des Imam Reza in Maschhad beigesetzt.
Mit der letzten Station schließt sich ein Kreis: In Maschhad wurde Chamenei 1939 geboren, dort verbrachte er einen Großteil seiner Jugend. Ein Grab an der Seite des Imam Reza gilt als außerordentliche Ehre — Ausdruck der Doppelrolle des Toten als politischer Herrscher und oberste religiöse Autorität des Landes.
Inszenierte Einheit nach dem Krieg
Für die Führung ist die Woche weit mehr als ein religiöses Ritual. Nach einem Krieg, den das Regime als existenziell erlebt hat, sollen Millionen Menschen auf die Straßen der iranischen Städte strömen — die Größe der Menge wird im In- und Ausland unweigerlich als Abstimmung über das System gelesen werden.
Präsident Massud Peseschkian rief in einer über die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Botschaft alle Iraner auf, „ungeachtet von Ethnie, Religion, politischer Haltung oder Herkunft“ an den Zeremonien teilzunehmen.
„Dieses Martyrium ist nicht das Ende des Weges, sondern der Beginn eines neuen Kapitels nationaler Einheit, Widerstandskraft und Entwicklung“, schrieb Peseschkian. Chameneis Tod habe gezeigt, dass das System „auf den festen Fundamenten des Glaubens, der Ideale und des Willens einer großen Nation“ ruhe.
Das Militär wählte einen drohenderen Ton: Generalmajor Ali Abdollahi warnte „die Feinde eines starken Iran“, jede Fehleinschätzung zu vermeiden und mit harten Antworten zu rechnen, die sie bereuen würden.
Ein Nachfolger im Verborgenen
Die auffälligste Lücke in der Inszenierung hinterlässt der Mann, der Chameneis Amt übernommen hat. Mojtaba Chamenei, der Sohn des Getöteten, wurde Anfang März vom Expertenrat zum neuen Revolutionsführer bestimmt — und ist seit Kriegsbeginn nicht mehr öffentlich aufgetreten. Aus Sicherheitsgründen werde er den Trauerfeiern fernbleiben, erklärte sein Vertreter in Indien, Ajatollah Hakim Elahi; zuvor hatte Israels Verteidigungsminister Israel Katz den neuen Führer als „zum Tode markiert“ bezeichnet.
Es ist ein Bild, das die Lage der Islamischen Republik vier Monate nach dem Angriff präzise fasst: Der Staat kann eine Massentrauer über zwei Länder hinweg organisieren — aber nicht garantieren, dass sein eigenes Oberhaupt dabei in Erscheinung tritt.
Verhandlungen auf Eis
Auch die Diplomatie hält für die Trauerwoche inne. Katar und Pakistan hatten am 1. Juli in Doha getrennte Gespräche mit amerikanischen und iranischen Unterhändlern geführt; bei dem 14 Punkte umfassenden Memorandum of Understanding zwischen beiden Seiten wurden „positive Fortschritte“ gemeldet. Eine neue Runde soll erst nach dem Ende der Prozessionen angesetzt werden.
Am Abend des 9. Juli, wenn der Sarg neben dem Schrein des Imam Reza in die Erde gelassen wird, wird sich zeigen, ob die Woche als Beweis der Beständigkeit gelesen wird, den die neue Führung anstrebt — oder als Erinnerung daran, wie viel dieser Krieg das Land gekostet hat.
Häufig gefragt
- Warum wurde Chameneis Begräbnis vier Monate aufgeschoben?
- Chamenei wurde am ersten Kriegstag getötet; die für März geplante Beisetzung wurde verschoben, solange gekämpft wurde und Israel drohte, auch den Nachfolger zu töten. Erst mit der haltenden Waffenruhe wagt Teheran die Zeremonien.
- Wer führt den Iran heute?
- Sein Sohn Mojtaba Chamenei, den der Expertenrat Anfang März 2026 zum Revolutionsführer bestimmte. Er ist seit Kriegsbeginn nicht öffentlich aufgetreten und bleibt auch dem Begräbnis fern.
- Wo wird Ali Chamenei beigesetzt?
- Am 9. Juli am Schrein des Imam Reza in Maschhad, seiner Geburtsstadt. Ein Grab neben dem Schrein gilt in der Schia als außerordentliche Ehre.
Quellen
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