Energiekrieg am Golf

Saudi-Arabien fängt Drohnen aus dem Irak vor Öl-Anlagen ab

Riad macht vom Iran unterstützte Gruppen für den Angriff verantwortlich. Zugleich beanspruchen die Huthi einen Schlag gegen die strategische Verbindung zum Roten Meer für sich.


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Eine nicht gekennzeichnete Pumpstation einer Ölpipeline in der saudischen Wüste im Morgenlicht.
Illustrative Ansicht des Ost-West-Korridors zwischen den saudischen Ölfeldern und Yanbu am Roten Meer; das Bild zeigt keinen der gemeldeten Angriffe.Illustration: KI-generiert — Étude

Saudi-Arabiens wichtigste Ausweichroute für den Ölexport gerät von zwei Seiten unter Druck. Am Montag fing die saudische Luftverteidigung nach Angaben des Verteidigungsministeriums mehrere Einwegdrohnen ab, die Ölanlagen in der Ostprovinz und in der Region Riad anfliegen sollten. Die Flugkörper seien zerstört worden, bevor sie ihre Ziele erreichten.

Das Ministerium erklärte, die Drohnen seien auf irakischem Gebiet gestartet und von bewaffneten, durch Iran unterstützten Gruppen eingesetzt worden. Unabhängig bestätigt ist diese Zuschreibung nicht. Zunächst bekannte sich auch keine irakische Organisation zu dem Angriff. Saudi-Arabien nannte weder die betroffenen Anlagen noch eine genaue Zahl der abgefangenen Drohnen; in der amtlichen Darstellung war nicht von Opfern oder Schäden die Rede.

Das Königreich behalte sich eine Reaktion „zur angemessenen Zeit und am angemessenen Ort“ vor, sagte Verteidigungsministeriumssprecher Generalmajor Turki Al-Malki.

Das Außenministerium in Riad forderte die irakische Regierung auf, Angriffe von ihrem Territorium aus zu verhindern. Ministerpräsident Ali al-Zaidi ließ die Vorwürfe untersuchen. Sein Büro versicherte, der Irak werde nicht zulassen, dass sein Staatsgebiet als Ausgangspunkt für Attacken auf Nachbarländer diene. Bis zum Abschluss dieser Prüfung bleibt die saudische Darstellung eine schwerwiegende, aber nicht abschließend belegte Beschuldigung.

Der Ausweg nach Westen wird selbst zum Ziel

Nahezu zeitgleich erhoben die Huthi im Jemen einen eigenen Anspruch. Ihre Drohnen hätten sensible Punkte der Versorgung und des Transports von Rohöl aus dem Osten Saudi-Arabiens zum Rotmeerhafen Yanbu angegriffen, teilte die Bewegung mit. Belege, die eine unabhängige Überprüfung ermöglichen, legte sie nicht vor. Offen ist damit, ob beide Meldungen denselben Angriff beschreiben, ob es sich um getrennte Operationen handelte oder ob irakische Gruppen und die Huthi koordiniert vorgingen.

Im Mittelpunkt steht in jedem Fall ein zusammenhängendes Energiesystem. Die Ost-West-Pipeline führt saudisches Öl von den Feldern nahe dem Golf quer durch das Land nach Yanbu. Sie ermöglicht Exporte, ohne die Straße von Hormus zu passieren. Iran erklärte am Montag, die Meerenge bleibe trotz Gesprächen mit Oman über die Steuerung des Schiffsverkehrs geschlossen. Damit ist die Leitung nach Westen für Riad gegenwärtig von besonderer strategischer Bedeutung.

Doch auch der Ausgang zum Roten Meer ist umkämpft. Am 20. Juli verkündeten die Huthi ein maritimes Embargo gegen Schiffe mit Saudi-Bezug in Bab-el-Mandeb. In den darauffolgenden Tagen beanspruchten sie Raketen- und Drohnenangriffe auf Aramco-Anlagen in Yanbu und Jizan für sich, nachdem Saudi-Arabien Ziele in Hodeida angegriffen hatte. Nun richtet sich ihre Darstellung auch gegen die Infrastruktur, die Yanbu aus dem Landesinneren versorgt.

Vier Jahre Ruhe, aber kein Frieden

Der Konflikt lässt sich nicht auf den gegenwärtigen Krieg zwischen den USA und Iran reduzieren. Die Huthi nahmen 2014 Sanaa und weite Teile des Nordjemen ein. Saudi-Arabien griff 2015 an der Spitze einer Koalition zugunsten der international anerkannten jemenitischen Regierung ein und verhängte eine Luft- und Seeblockade. Ein von den Vereinten Nationen vermittelter Waffenstillstand verringerte 2022 die grenzüberschreitenden Kämpfe erheblich. Ein politischer Gesamtvertrag kam jedoch nicht zustande.

Die verbliebene Stabilität geriet nach einem Angriff auf den Flughafen von Sanaa am 13. Juli ins Rutschen, für den die Huthi Riad verantwortlich machten. Die international anerkannte Regierung erklärte, eine iranische Maschine habe ohne Genehmigung landen sollen. Die Huthi beschossen daraufhin den saudischen Flughafen Abha und verschärften anschließend ihre Drohungen gegen Schiffe und Energieanlagen. Beide Seiten stellen ihr Vorgehen als Vergeltung dar und erhöhen damit den politischen Preis eines einseitigen Einlenkens.

Für Riad ist das Dilemma erheblich. Eine militärische Antwort könnte den teuren Jemenkrieg wieder vollständig eröffnen. Keine Antwort würde hingegen das Risiko weiterer Versuche gegen kritische Infrastruktur erhöhen. Zugleich muss Bagdad zeigen, ob es bewaffnete Gruppen, die sich seiner Kontrolle entziehen, tatsächlich identifizieren und begrenzen kann.

Die Feuerpause bindet die Stellvertreter nicht

Bis Montag hatten die USA und Iran drei Tage lang keine direkten Angriffe gemeldet. Von Katar und Pakistan geführte Vermittler bemühten sich nach Angaben regionaler Regierungsvertreter um die Wiederaufnahme von Gesprächen; Teheran bestritt allerdings, dass direkte Verhandlungen stattfänden. Die Drohnen über Saudi-Arabien legen die Schwäche dieser Entspannung offen: Eine Pause zwischen Staaten beendet weder den ungelösten Krieg im Jemen noch verpflichtet sie verbündete Milizen automatisch zur Zurückhaltung.

Entscheidend sind nun überprüfbare Entwicklungen:

  • ob die irakische Untersuchung einen Startort oder eine verantwortliche Organisation benennt;
  • ob Saudi-Arabien Betriebsstörungen an Anlagen oder an der Ost-West-Pipeline meldet;
  • ob Riad seine angekündigte Reaktionsmöglichkeit nutzt;
  • ob die Huthi ihr Embargo mit anhaltenden Angriffen auf die Schifffahrt in Bab-el-Mandeb durchsetzen.

Die Drohnen seien abgefangen worden, erklärt Saudi-Arabien. Die strategische Gefahr bleibt dennoch bestehen: Die Route durch Hormus ist eingeschränkt, der westliche Ausweg wird bedroht, und zwei nicht beigelegte Konflikte treffen nun auf dasselbe Exportnetz.

Was ist über den Drohnenangriff bestätigt?
Saudi-Arabiens Verteidigungsministerium meldete mehrere zerstörte Drohnen auf dem Weg zu Ölanlagen in der Ostprovinz und der Region Riad. Eine unabhängige Bestätigung aller Einzelheiten liegt nicht vor.
Wen macht Saudi-Arabien verantwortlich?
Riad beschuldigt vom Iran unterstützte bewaffnete Gruppen im Irak. Keine irakische Gruppe bekannte sich zunächst dazu, und Ministerpräsident Ali al-Zaidi ordnete eine Untersuchung an.
Warum ist die Verbindung nach Yanbu strategisch wichtig?
Die Ost-West-Pipeline führt Rohöl zum Roten Meer und umgeht die Straße von Hormus. Huthi-Drohungen in Bab-el-Mandeb gefährden nun auch diesen alternativen Exportweg.

Mehr dazu: Drone Warfare, Houthis, Iran, Iraq, Middle East, Oil Security, Saudi Arabia

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