Start-up-Leitfaden

Start-up in Luxemburg gründen und finanzieren: Der Gründerleitfaden 2026

Von der 1-Euro-SARL-S über Fit-4-Start-Zuschüsse und Business Angels bis zu EU-Geldern – eine Schritt-für-Schritt-Karte des luxemburgischen Start-up-Ökosystems und wie Gründer wirklich an Kapital kommen.


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Ein heller, moderner Coworking- und Inkubator-Raum zur goldenen Stunde, lange Gemeinschaftstische und Laptops an hohen Fenstern mit Blick auf die Türme von Luxemburg-Kirchberg.
Ein heller, moderner Coworking- und Inkubator-Raum zur goldenen Stunde, lange Gemeinschaftstische und Laptops an hohen Fenstern mit Blick auf die Türme von Luxemburg-Kirchberg. — KI-generierte Illustration.KI-generierte Illustration · Étude

Luxemburg ist klein, doch sein Start-up-Ökosystem ist dicht und für seine Größe ungewöhnlich gut finanziert. Ende 2025 zählte das Land mehr als 810 Start-ups und Scale-ups, von denen rund 690 (etwa 84 %) ihren Sitz im Großherzogtum hatten — so die auf Dealroom gestützten Daten von Luxinnovation. Diese Unternehmen sammelten 2025 €407 Millionen ein, ein Sprung von 52 % gegenüber 2024 — und das, obwohl die Zahl der Finanzierungsrunden zurückging. Ein Zeichen für weniger, aber größere Deals: Das durchschnittliche Ticket hat sich auf €5,4 Millionen mehr als verdoppelt.

Für Gründer ist der Reiz struktureller Natur. Luxemburg liegt im Herzen der Europäischen Union, beherbergt sowohl die Europäische Investitionsbank als auch den Europäischen Investitionsfonds und betreibt eines der großzügigsten öffentlichen Fördersysteme Europas. Rund 86 % der Start-ups des Landes werden von Nicht-Luxemburgern gegründet, und der Staat investiert über Acceleratoren, Zuschüsse und Fonds aktiv mit. Dieser Leitfaden zeichnet das Ökosystem nach und zeigt Schritt für Schritt, wie ein Gründer tatsächlich an Geld kommt.

Warum ein Start-up in Luxemburg aufbauen

Die Stärken sind handfest: ein mehrsprachiger, internationaler Talentpool; die unmittelbare Nähe zu Europas Risikokapitalinstitutionen (der Europäische Investitionsfonds, der einen Großteil der Wagnisfinanzierung des Kontinents verankert, hat seinen Sitz in Kirchberg); ein stabiler rechtlicher und finanzieller Rahmen; sowie ein tiefes öffentliches Fördersystem. Cluster haben sich rund um den Finanzplatz gebildet — Fintech, betreut von der Luxembourg House of Financial Technology — und Raumfahrt, nachdem Luxemburg 2017 Europas erstes Gesetz zur Nutzung von Weltraumressourcen verabschiedete und 2018 die Luxembourg Space Agency gründete. Cybersicherheit, Healthtech, Cleantech und eine rasch wachsende KI-Kohorte runden das Bild ab.

Die Schwächen sind ebenso real und sollten von vornherein eingeplant werden: ein winziger Binnenmarkt, der eine frühe Internationalisierung erzwingt; hohe Lebenshaltungskosten und knappe lokale Fachkräfte; sowie eine gut dokumentierte Scale-up-Kapitallücke, in der Frühphasengeld reichlich vorhanden ist, Series-B- und spätere Runden lokal aber schwerer abzuschließen sind.

Schritt 1 — Das Unternehmen gründen

Die meisten Gründer starten mit der SARL-S (société à responsabilité limitée simplifiée), der "vereinfachten" Gesellschaft mit beschränkter Haftung für Unternehmer. Ihr Stammkapital kann bei lediglich €1 liegen und bis zu €12.000 betragen, sie kann per Privaturkunde ohne Notar gegründet werden und ist natürlichen Personen vorbehalten (Sie dürfen jeweils nur an einer SARL-S Anteile halten). Oberhalb dieser Grenze stehen die gewöhnliche SARL (Mindestkapital €12.000) und die SA, die Aktiengesellschaft (€30.000, mindestens 25 % eingezahlt) — beide erfordern einen Notar. Dieser eine Euro ist allerdings nur das Mindest-Stammkapital: In der Praxis verursacht die Gründung einer SARL-S durchaus zusätzliche Kosten — vor allem die Verwaltungsgebühr von 50 € für die Gewerbegenehmigung sowie Eintragungs- und Veröffentlichungsgebühren beim Luxembourg Business Registers (RCS) —, sodass die tatsächlichen Gründungskosten höher liegen als dieser eine Euro.

Welche Form auch immer: Vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit benötigen Sie eine Geschäftsgenehmigung (autorisation d'établissement) vom Wirtschaftsministerium. Sie ist mit einer Stempelgebühr von €50 verbunden, wird über MyGuichet.lu beantragt und muss innerhalb von drei Monaten erteilt werden — antwortet das Ministerium nicht, gilt die Genehmigung als stillschweigend erteilt. Die House of Entrepreneurship, betrieben von der Handelskammer, ist die offizielle Anlaufstelle und bietet kostenlose Beratung zu Genehmigungen, Gründung, Steuern und Finanzierung.

Gründer von außerhalb der EU: Luxemburg hat kein eigenes "Start-up-Visum". Drittstaatsangehörige nutzen stattdessen die Selbstständigen-Genehmigung — eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung mit 90 Tagen Gültigkeit, gefolgt von einem bis zu drei Jahre gültigen und verlängerbaren Aufenthaltstitel —, die einen Businessplan, die einschlägigen Qualifikationen und den Nachweis erfordert, dass das Vorhaben dem wirtschaftlichen Interesse des Landes dient. Gesonderte Wege zum Investoren-Aufenthalt beginnen bei einer Investition von €500.000.

Schritt 2 — An das Förderökosystem andocken

Luxinnovation, die nationale Innovationsagentur, ist die Eingangstür: Sie betreibt den Flaggschiff-Accelerator und das nationale Start-up-Verzeichnis. Anschließend schließen sich Gründer typischerweise einem Inkubator an:

  • Luxembourg-City Incubator (LCI) — der Inkubator der Handelskammer innerhalb der House of Startups, branchenübergreifend offen, mit eigener Unterstützung für von Frauen geführte und sozial wirkende Vorhaben.
  • LHoFT (Luxembourg House of Financial Technology) — der nationale Fintech-Hub, der nach eigenen Angaben 211 Fintechs unterstützt und 190 Start-ups beschleunigt hat und Gründer mit Banken, Investoren und Regulierern vernetzt.
  • Technoport — der nationale Technologie-Inkubator in Belval mit Prototyping-Einrichtungen und Frühphasenprogrammen; er ist zudem der luxemburgische Partner hinter dem Vodafone-Scale-up-Zentrum Tomorrow Street.

Schritt 3 — Die eigenkapitalfreien Zuschüsse stapeln

Hier sticht Luxemburg hervor: Gründer können erhebliche, nicht verwässernde Mittel einsammeln, bevor sie irgendwelche Anteile abgeben.

  • Fit 4 Start, betrieben von Luxinnovation und finanziert vom Wirtschaftsministerium, ist das Flaggschiff. Ausgewählte Start-ups erhalten bis zu €150.000 an eigenkapitalfreier Förderung — ausgezahlt in drei Tranchen von €50.000, €80.000 und €20.000 — sowie sechs Monate intensives Coaching und kostenloses Co-Working. Jede Edition nimmt rund 20 Start-ups in den Bereichen Digital, Health und Space auf; die jüngste Kohorte zog 495 Bewerbungen aus 61 Ländern an. Voraussetzung: ein Unternehmen, das nicht älter als fünf Jahre ist, mit einem Team von mindestens zwei Personen.
  • Beihilfe für junge innovative Unternehmen (Wirtschaftsministerium, zertifiziert von Luxinnovation) ko-finanziert bis zu 70 % des Finanzierungsbedarfs eines innovativen jungen Unternehmens, gedeckelt bei €1 Million, für Unternehmen unter fünf Jahren, die mindestens 15 % ihrer Kosten für F&E aufwenden.
  • Beihilfe für F&E und Innovation deckt einen Teil von Forschungsprojekten ab — die Beihilfe für industrielle Forschung erreicht 60 % der förderfähigen Kosten für kleine Unternehmen, die für experimentelle Entwicklung 40 %.
  • microlux stellt Mikrokredite von bis zu €50.000 sowie kostenloses Coaching bereit, für Gründer ohne Zugang zu gewöhnlichem Bankkredit.

Schritt 4 — Privates Kapital einsammeln

Mit Traktion wenden sich Gründer an Angels und Wagniskapitalgeber:

  • Business Angels. Das Luxembourg Business Angel Network (LBAN) versammelt mehr als 150 Investoren, die jährlich rund €6–8 Millionen einsetzen. Gründer reichen über dessen Deal-Flow-Plattform ein, und ausgewählte Teams pitchen bei einer monatlichen Veranstaltung (sieben Minuten plus Fragen); typische syndizierte Tickets liegen bei €150.000–€350.000.
  • Seed-Wagniskapital. Zu den in Luxemburg verankerten Fonds zählen Expon Capital, das den Digital Tech Fund verwaltet (dessen zweite Generation bei €19,4 Millionen geschlossen wurde und Unternehmen unter sieben Jahren fördert); MiddleGame Ventures, ein Fintech-Spezialist; und Mangrove Capital Partners, ein früher Unterstützer von Skype und Wix.
  • Banken und die Förderbank. Spuerkeess bietet InvestEU-besicherte Kredite von €25.000 bis €7,5 Millionen, die bis zu 80 % der Finanzierung abdecken; BGL BNP Paribas betreibt eine Innovation Division und den Inkubator Lux Future Lab; und die staatliche SNCI ko-finanziert Gründungs- und Innovationskredite gemeinsam mit Geschäftsbanken.

Schritt 5 — Skalieren

Für spätere Runden geht öffentliches Kapital Hand in Hand mit privatem Geld. Der Luxembourg Future Fund, ein gemeinsames Vehikel der SNCI und des Europäischen Investitionsfonds, setzte in seiner ersten Generation €150 Millionen ein und €200 Millionen in seiner zweiten (LFF 2, gestartet im März 2023); er investiert in Wagniskapitalfonds und ko-investiert in Unternehmen aus Climatetech, KI, Cybersicherheit, Life Sciences und Raumfahrt. Der Europäische Investitionsfonds selbst — mit Sitz in Luxemburg — ist das Rückgrat, das viele der VC-Fonds kapitalisiert, von denen Gründer Kapital aufnehmen. Tomorrow Street, das Joint Venture von Vodafone und Technoport, hilft etablierten Scale-ups, Großkunden zu gewinnen, statt Schecks auszustellen.

EU-Gelder von Luxemburg aus anzapfen

Luxemburger Start-ups qualifizieren sich direkt für europäische Instrumente:

  • Der EIC Accelerator (European Innovation Council) bietet einen Zuschuss von bis zu €2,5 Millionen plus eine Eigenkapitalbeteiligung von rund €1–10 Millionen über den EIC Fund und steht einzelnen Unternehmen offen, nicht nur Konsortien.
  • Horizon Europe fördert Forschungs- und Innovationsprojekte; Luxinnovation ist die nationale Kontaktstelle, die Gründern hilft, Ausschreibungen und Partner zu finden.
  • InvestEU erreicht Gründer indirekt, über besicherte Bankkredite wie jene von Spuerkeess.

Was neu ist: die "Seed to Scale"-Strategie 2025

Im März 2025 stellten die Wirtschafts- und Finanzminister eine "From Seed to Scale"-Roadmap und einen 10-Punkte-Plan vor, bei dem sich die SNCI verpflichtet, über fünf Jahre zusätzliche €300 Millionen in Cybersicherheit, Deeptech, Nachhaltigkeit, Healthtech, Raumfahrt und Fintech zu investieren. Der Plan fügt eine Steuergutschrift für Privatpersonen hinzu, die in junge innovative Unternehmen investieren, €200.000 an Spin-off-Zuschüssen, Steuervorteile bei Aktienoptionen für Start-up-Mitarbeiter und einen nationalen "Talent Desk" — alles gezielt gegen die Scale-up-Lücke gerichtet.

Steuern, kurz gefasst

Luxemburg senkte ab dem Steuerjahr 2025 seinen Spitzensatz der Körperschaftsteuer auf 16 %, was einem kombinierten effektiven Satz von etwa 23,9 % in Luxemburg-Stadt entspricht. Eine 80%-Befreiung auf qualifizierende Einkünfte aus geistigem Eigentum (ein effektiver Satz von nahe 4,8 %) sowie Investitionssteuergutschriften von 12 % — und 18 % für die digitale und ökologische Transformation — runden die Anreize ab.

Die Checkliste für Gründer

  1. Die Idee validieren und kostenlose Einzelberatung von der House of Entrepreneurship einholen.
  2. Die Geschäftsgenehmigung beantragen, dann gründen — meist als SARL-S.
  3. Einem Inkubator beitreten (LCI, LHoFT oder Technoport).
  4. Sich bei Fit 4 Start bewerben und die eigenkapitalfreien Zuschüsse stapeln.
  5. Eine Angel- oder Seed-Runde einsammeln (LBAN, der Digital Tech Fund, Seed-VCs).
  6. Mit Wagniskapital, dem Luxembourg Future Fund und EU-Geldern skalieren.

Der rote Faden ist einfach: In Luxemburg entschärft öffentliches Geld die früheste und schwierigste Phase, und privates Kapital baut darauf auf. Gründer, die Zuschüsse und Acceleratoren nutzen, bevor sie Eigenkapital aufnehmen, behalten mehr von ihrem Unternehmen — und kommen weitaus besser vorbereitet zu ihrem ersten Investorenpitch.

Wie kommt man in Luxemburg an Start-up-Finanzierung?
Gründer stapeln in der Regel zuerst nicht verwässernde öffentliche Förderung — Fit 4 Start (bis zu €150.000 eigenkapitalfrei), die Beihilfe für junge innovative Unternehmen (bis zu €1 Million), F&E-Zuschüsse und microlux-Mikrokredite — und sammeln dann Kapital von Business Angels über das Luxembourg Business Angel Network sowie von Seed-Wagniskapitalfonds, um schließlich mit dem Luxembourg Future Fund, dem Europäischen Investitionsfonds und EU-Instrumenten wie dem EIC Accelerator zu skalieren.
Was ist Fit 4 Start und wie viel Förderung gibt es?
Fit 4 Start ist der Flaggschiff-Accelerator von Luxinnovation, finanziert vom Wirtschaftsministerium. Ausgewählte Start-ups erhalten bis zu €150.000 an eigenkapitalfreier Förderung, ausgezahlt in drei Tranchen von €50.000, €80.000 und €20.000, plus sechs Monate Coaching und kostenloses Co-Working. Jede Edition nimmt rund 20 Start-ups in den Bereichen Digital, Health und Space auf.
Wie viel Geld braucht man, um in Luxemburg ein Unternehmen zu gründen?
Eine SARL-S (vereinfachte GmbH) lässt sich mit einem Stammkapital von nur €1 (bis zu €12.000) und ohne Notar gründen. Zudem benötigen Sie eine Geschäftsgenehmigung, die mit einer Stempelgebühr von €50 verbunden ist. Eine gewöhnliche SARL erfordert €12.000 Kapital und eine SA €30.000.
Kann ein Gründer von außerhalb der EU in Luxemburg ein Start-up gründen?
Ja. Es gibt kein eigenes Start-up-Visum, doch Drittstaatsangehörige können eine Selbstständigen-Genehmigung erhalten — eine vorläufige Genehmigung über 90 Tage, gefolgt von einem verlängerbaren Aufenthaltstitel von bis zu drei Jahren —, indem sie einen Businessplan einreichen und nachweisen, dass das Vorhaben Luxemburgs wirtschaftlichem Interesse dient. Gesonderte Wege zum Investoren-Aufenthalt beginnen bei einer Investition von €500.000.
Welche Wagniskapitalgesellschaften investieren in Luxemburger Start-ups?
Zu den in Luxemburg verankerten Fonds zählen Expon Capital, das den Digital Tech Fund verwaltet, MiddleGame Ventures, ein Fintech-Spezialist, und Mangrove Capital Partners, ein früher Unterstützer von Skype und Wix. Viele beziehen ihr Kapital vom Europäischen Investitionsfonds und vom Luxembourg Future Fund.
Welche Zuschüsse gibt es für Start-ups in Luxemburg?
Zu den wichtigsten eigenkapitalfreien Zuschüssen zählen Fit 4 Start (bis zu €150.000), die Beihilfe für junge innovative Unternehmen (bis zu 70 % Ko-Finanzierung, gedeckelt bei €1 Million), die Beihilfe für F&E und Innovation (bis zu 60 % der förderfähigen Kosten für kleine Unternehmen), eine Erstgründungsbeihilfe von €12.000 sowie microlux-Mikrokredite von bis zu €50.000.

Mehr dazu: Startup Funding, Sarl S, Luxembourg Economy, Luxinnovation, Business Angels, Venture Capital, Startups, Fit 4 Start

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