Eskalation am Golf

Iran erklärt die Straße von Hormus für gesperrt – USA fliegen dritte Angriffswelle binnen einer Woche

Der Beschuss des Frachters GFS Galaxy, eine förmliche Sperrerklärung der Revolutionsgarden und neue amerikanische Luftschläge begraben die Waffenruhe vom Juni. Für die Ölmärkte beginnt die Woche mit einem Stresstest.


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KI-generiertes Bild: Ein Containerschiff liegt gestoppt in der Straße von Hormus, dunkler Rauch über dem Heck, dunstige Berge am Horizont.
Ein Containerschiff in der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls läuft — illustratives, KI-generiertes Bild; es zeigt weder die GFS Galaxy noch ein reales Ereignis.Illustration: KI-generiert — Étude

Erst der Beschuss eines Containerschiffs, dann eine förmliche Sperrerklärung, schließlich neue amerikanische Luftschläge: Binnen weniger Stunden ist die Lage an der Straße von Hormus in der Nacht zum Sonntag eskaliert. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten die wichtigste Öl-Wasserstraße der Welt „bis auf Weiteres“ für geschlossen, nachdem ihre Marine die GFS Galaxy, ein Containerschiff unter zyprischer Flagge, beschossen hatte. Um 19.15 Uhr Ostküstenzeit begann nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom die dritte Angriffswelle gegen Iran innerhalb einer Woche. Von der Mitte Juni vereinbarten Waffenruhe bleibt damit kaum mehr als das Papier.

Nach Darstellung Centcoms geriet die GFS Galaxy in Brand, erlitt schwere Schäden im Maschinenraum und kann ihre Fahrt nicht fortsetzen; ein ziviles Besatzungsmitglied wird vermisst. Ziel der amerikanischen Angriffe sei es, Irans Fähigkeit zu brechen, „zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen, die die Meerenge frei passieren“. US-Medien beziffern die Zahl der in dieser Woche insgesamt getroffenen Ziele auf mehr als 300.

Teheran liest denselben Vorfall anders. Staatsmedien zitierten die Marine der Revolutionsgarden mit der Darstellung, man habe einen Warnschuss auf ein Schiff abgegeben, das seinen Transponder abgeschaltet und den genehmigten Korridor verlassen habe — eine „nicht autorisierte Route“. Die Sperrung gelte bis zum „Ende der US-Einmischung in dieser Region“.

Vom Memorandum zurück in den Krieg

Das am 17. Juni von Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian unterzeichnete Memorandum sollte den Krieg beenden, der am 28. Februar mit amerikanisch-israelischen Luftangriffen auf Militär- und Nuklearanlagen begonnen hatte und in dem Revolutionsführer Ali Chamenei getötet wurde. Teheran sagte für 60 Tage sichere, gebührenfreie Passagen durch Hormus zu; parallel sollte über das Nuklearprogramm und Sanktionserleichterungen verhandelt werden.

Die Vereinbarung hielt keine vier Wochen. Zu Wochenbeginn griffen iranische Kräfte drei Handelsschiffe an, darunter den katarischen Flüssiggastanker Al Rekayat, der nach einem Brand evakuiert wurde, und den saudischen Tanker Wedyan. In der Nacht zum Mittwoch flog das US-Militär eine erste Welle gegen rund 80 Ziele. Am Mittwoch erklärte Trump am Rande des NATO-Gipfels in Ankara die Waffenruhe für beendet: „Ich denke, es ist vorbei. Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben; sie sind Abschaum.“ Eine zweite Welle traf etwa 90 Ziele, die nach amerikanischer Darstellung mit Irans Fähigkeit zur Bedrohung der Schifffahrt zusammenhängen.

Am Donnerstag folgte die iranische Vergeltung: Raketen und Drohnen gegen US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain sowie zehn ballistische Raketen — acht davon abgefangen — auf den jordanischen Luftwaffenstützpunkt Al Azraq. Kuwait meldete den Abschuss von drei ballistischen Raketen, einem Marschflugkörper und zehn Drohnen; ein Mensch wurde durch Trümmerteile verletzt. Die Revolutionsgarden sprachen von der „ersten Phase“ einer „Strafantwort“.

„Wer zuschlägt, wird getroffen.“

Die Drohung stammt von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf — verbunden mit einem Satz, der inzwischen wie ein Programm klingt: Offen sei die Meerenge künftig „nur nach iranischen Arrangements“.

Verhandeln unter Beschuss

Bemerkenswert an der Eskalation vom Samstag ist ihr Zeitpunkt. Nur Stunden vor dem Beschuss der GFS Galaxy hatte Außenminister Abbas Araghchi seinen omanischen Kollegen Badr al-Busaidi getroffen, um über „geeignete Mechanismen für die sichere Durchfahrt von Schiffen“ zu sprechen; Gespräche auf Fach- und politischer Ebene sollten folgen. Araghchis Formel — „Es kann nur ein beiderseitiges Einhalten geben“ — bündelt die Position Teherans, wonach Washington die Juni-Vereinbarung durch fortgesetzte Angriffe gebrochen habe.

Formal gekündigt hat das Memorandum keine der beiden Seiten; sein 60-Tage-Fenster läuft bis Mitte August. Trump hält sich Verhandlungen offen — Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner sollen weitersprechen —, Oman und Katar vermitteln weiter. Doch jede neue Angriffsrunde verengt den Spielraum.

Ölpreis: Der Montag wird zum Stresstest

Durch die Straße von Hormus läuft rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls; eine Ausweichroute auf See gibt es nicht. Die erste Sperrung ab Ende Februar trieb den Brent-Preis im März in der Spitze auf rund 126 Dollar je Fass — die schwerste Störung der globalen Energieversorgung seit den 1970er-Jahren. Mit der Waffenruhe fiel die Notierung in die Mitte der 70er zurück; am Freitag schloss Brent bei etwa 75,50 Dollar, auf Wochensicht bereits ein Plus von knapp fünf Prozent. Hält die erklärte Sperrung, dürfte der Handelsstart am Montag eine deutliche Neubewertung bringen.

Für Europa heißt das: importierte Inflation über Kraftstoff-, Gas- und Heizölpreise. Luxemburg hat seine Antwort erst am Donnerstag beschlossen — das Entlastungspaket mit fünf Cent Rabatt je Liter Kraftstoff seit dem 1. Juli und Zuschüssen für Gas und Heizöl ab dem 1. August, insgesamt 432,5 Millionen Euro, war exakt gegen den Preisschub einer blockierten Hormus-Passage konzipiert. Ob dieser Puffer reicht, entscheidet sich nun in Teheran und Washington.

Der nächste feste Termin ist Mitte August, wenn das 60-Tage-Fenster des Memorandums ausläuft. Ob bis dahin wieder verhandelt oder weiter geschossen wird, entscheidet über mehr als den Ölpreis.

Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und große Mengen Flüssiggas passieren die Meerenge; eine Ausweichroute auf See existiert nicht. Jede Sperrung schlägt daher unmittelbar auf die globalen Energiepreise durch.
Ist die Waffenruhe zwischen den USA und Iran offiziell beendet?
Trump hat sie für „vorbei“ erklärt, doch formal gekündigt hat das Memorandum vom 17. Juni keine der beiden Seiten. Sein 60-Tage-Fenster läuft bis Mitte August; Oman und Katar vermitteln weiter.
Was ist mit der GFS Galaxy geschehen?
Nach Angaben des US-Zentralkommandos geriet das zyprisch geflaggte Containerschiff nach Beschuss durch die Revolutionsgarden in Brand und erlitt schwere Maschinenraumschäden; ein Besatzungsmitglied wird vermisst. Iran spricht von einem Warnschuss auf ein Schiff mit abgeschaltetem Transponder.
Was bedeutet die Eskalation für die Energiepreise in Luxemburg?
Eine anhaltende Sperrung treibt Sprit-, Gas- und Heizölpreise. Das am 9. Juli beschlossene Entlastungspaket — Tankrabatt seit dem 1. Juli, Gas- und Heizölzuschüsse ab dem 1. August — sollte genau diesen Schock abfedern.

Mehr dazu: Energy Prices, Iran, Oil Prices, Shipping, Strait Of Hormuz, United States, Us Iran Conflict

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