Moskau verliert seine Sonderstellung

Syrien übernimmt russische Stützpunkte und macht sie zu gemeinsamen Ausbildungszentren

Die zivile Verwaltung in Hmeimim und am Hafen von Tartus geht an Damaskus zurück. Russlands verbleibende Militärpräsenz wird enger gefasst.


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Ein unmarkierter Marinekai an der syrischen Mittelmeerküste im Morgengrauen.
Illustrative Ansicht militärischer Infrastruktur an Syriens Mittelmeerküste, wo Damaskus und Moskau die Standorte Hmeimim und Tartus neu ordnen.Illustration: KI-generiert — Étude

Die russische Militärpräsenz an Syriens Mittelmeerküste erhält einen neuen, deutlich engeren Rahmen. Damaskus und Moskau haben sich darauf verständigt, die zivile Verwaltung des Flughafens Hmeimim bei Latakia und des von Russland genutzten Handelspiers im Hafen von Tartus an den syrischen Staat zu übertragen. Das teilte das syrische Außenministerium am Sonntag mit.

Die militärisch genutzten Teile beider Anlagen sollen künftig als gemeinsame syrisch-russische Ausbildungs- und Qualifizierungszentren firmieren. Damit bleibt Russland in Syrien präsent. Seine bisherigen, weitreichenden Verfügungsrechte über zwei strategische Außenposten werden jedoch durch ein Modell ersetzt, das Damaskus formell und praktisch stärker einbindet.

Von einem vollständigen Abzug kann noch keine Rede sein. Die Mitteilung nennt weder die künftige Zahl russischer Soldaten noch die Kommandostruktur, zulässige Waffensysteme oder die Laufzeit der Vereinbarung. Auch ist offen, unter welchen Bedingungen russische Flugzeuge und Kriegsschiffe die Standorte künftig nutzen dürfen. Eine öffentliche Stellungnahme Moskaus lag am Sonntag zunächst nicht vor.

Das militärische Erbe der Assad-Ära

Hmeimim war seit der russischen Intervention von 2015 das operative Zentrum der Luftangriffe, mit denen Moskau die Truppen von Bashar al-Assad unterstützte. Der Marinestützpunkt Tartus sicherte Russland zugleich einen Reparatur- und Versorgungspunkt im Mittelmeer. Beide Anlagen waren nicht nur für den Krieg in Syrien wichtig, sondern auch für Russlands militärische Reichweite in andere Regionen.

Mit dem Sturz Assads im Dezember 2024 geriet diese Position ins Wanken. Russland gewährte dem früheren Präsidenten und seiner Familie Asyl, griff jedoch nicht entscheidend ein, um den Zusammenbruch seines Verbündeten zu verhindern. Anschließend zog Moskau Kräfte von anderen syrischen Standorten ab und konzentrierte die verbliebene Präsenz weitgehend an der Küste.

Die neue syrische Führung entschied sich gleichwohl gegen einen demonstrativen Bruch. Präsident Ahmad al-Sharaa, der in der siegreichen Aufstandsbewegung eine führende Rolle gespielt hatte, reiste seit seiner Machtübernahme zweimal zu Präsident Wladimir Putin nach Moskau. Die Zukunft von Hmeimim und Tartus gehörte dabei zu den zentralen Verhandlungspunkten.

„Dieser Schritt ist die bedeutendste Entwicklung seit Beginn der Verhandlungen vor etwa anderthalb Jahren und ebnet den Weg für eine neue Phase der syrisch-russischen Beziehungen“, erklärte das syrische Außenministerium.

Rückgewonnene Hoheit, begrenzter Kompromiss

Für Damaskus ist die Einigung vor allem ein Akt staatlicher Konsolidierung. Zivile Infrastruktur fällt unter syrische Verwaltung zurück, während Russlands militärische Handlungsfreiheit eingegrenzt wird. Moskau wiederum vermeidet einen vollständigen Verlust seiner letzten bedeutenden Position an der syrischen Küste.

Ob die neuen Zentren tatsächlich nur der Ausbildung dienen oder weiterhin operative Fähigkeiten beherbergen, wird sich erst an den Ausführungsbestimmungen zeigen. Entscheidend sind die Kontrolle über Start- und Landerechte, den Zugang zu den Hafenanlagen, die Stationierung schwerer Waffen und die Befehlskette. Ohne diese Einzelheiten bleibt offen, wie weit der russische Rückzug in der Praxis reicht.

Damaskus verteilt seine Abhängigkeiten neu

Die Vereinbarung fügt sich in eine breitere außenpolitische Neuorientierung ein. Seit dem Ende der Assad-Herrschaft hat Syrien seine Kontakte zu arabischen Staaten ausgebaut und zugleich Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und Europa vertieft. Washington hob den größten Teil seiner Sanktionen auf. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte Syrien im Juli und kündigte erstmals seit 14 Jahren wieder einen Austausch von Botschaftern an.

Damaskus versucht damit, sich nicht erneut von einem einzigen Schutzstaat abhängig zu machen. Russische Technik und langjährige militärische Verbindungen sprechen gegen eine sofortige Trennung. Zugleich verschaffen die Öffnung zum Westen und die Annäherung an arabische Regierungen der syrischen Führung mehr Verhandlungsspielraum gegenüber Moskau.

Russland behält nach derzeitigem Stand einen Fuß an der östlichen Mittelmeerküste, verliert aber die privilegierte Stellung aus der Assad-Zeit. Für Syrien beginnt nun die schwierigere Phase: Die vertraglich zurückgewonnene Souveränität muss sich in tatsächliche Kontrolle über Flughäfen, Häfen und militärische Entscheidungen übersetzen. Erst daran wird sich messen lassen, wie grundlegend die neue Ordnung wirklich ist.

Zieht Russland vollständig aus Syrien ab?
Nein. Russland soll an gemeinsamen Ausbildungszentren beteiligt bleiben, gibt aber die bisherige exklusive Kontrolle über die Standorte auf.
Welche Bedeutung haben Hmeimim und Tartus?
Hmeimim war die Basis russischer Luftoperationen in Syrien; Tartus dient als strategischer Reparatur- und Versorgungspunkt für die russische Marine im Mittelmeer.
Was regelt das Abkommen noch nicht öffentlich?
Unbekannt sind unter anderem Truppenstärke, Kommandostruktur, Waffenbeschränkungen, Zugangsrechte und Laufzeit.

Mehr dazu: Hmeimim, Middle East, Military Bases, Russia, Syria, Tartus

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