Naher Osten

Waffenruhe am Golf gerät ins Wanken

Nach einem Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus haben US-Streitkräfte Ziele im Iran getroffen. Die erst eine Woche alte Feuerpause droht zu zerbrechen.


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Ein einzelner Öltanker durchquert in der Abenddämmerung die enge Straße von Hormus zwischen dunklen Bergküsten.
Illustration. Rund ein Fünftel des weltweiten Öls passiert die Straße von Hormus, wo ein Drohnenangriff auf ein Frachtschiff die jüngste Eskalation auslöste.Illustration: KI-generiert — Étude

Kaum zehn Tage hatte die Feuerpause am Persischen Golf gehalten. Am Samstag hielt sie nicht mehr. Amerikanische Kampfflugzeuge griffen am Freitag iranisches Gebiet an, und Bahrain — das kleine Königreich, das die fünfte US-Flotte beherbergt — meldete einen Angriff iranischer Drohnen. Eine Waffenruhe, die Präsident Trump gut eine Woche zuvor als Grundstein eines dauerhaften Friedens präsentiert hatte, wirkte nun wie eine Pause zwischen zwei Runden.

Den Anlass bildete ein Zwischenfall im Wasser der Straße von Hormus, jener schmalen Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Nach amerikanischer Darstellung traf eine Drohne der iranischen Revolutionsgarde am Donnerstag das Oberdeck eines unter der Flagge Singapurs fahrenden Frachtschiffs, der Ever Lovely, während es die Meerenge passierte. Das Schiff wurde beschädigt, konnte seine Fahrt aber fortsetzen.

Der Auslöser

Washington wertete den Angriff als „ungerechtfertigte Aggression gegen die zivile Schifffahrt“ und als Bruch der Waffenruhe. Binnen eines Tages erklärte das US-Zentralkommando, seine Streitkräfte hätten „iranische Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradaranlagen“ getroffen. Der Einsatz war nach Angaben des Kommandos nach etwa einer Stunde beendet.

Teheran wies den Vorwurf des Wortbruchs zurück. Ein Vertreter des iranischen Parlaments bestritt, dass der Angriff die Feuerpause überhaupt beende, und deutete ihn als kalkuliertes Druckmittel.

„Das ist kein Bruch der Waffenruhe, sondern ihre Steuerung.“

Der Satz beschreibt die Brüchigkeit der gesamten Vereinbarung. Die von Trump und dem iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian unterzeichnete Absichtserklärung beendete keinen Krieg, sie fror ihn ein — und überließ es beiden Seiten, beinahe täglich auszutesten, wie weit sie gehen können, ohne den Faden zu zerreißen.

Das Nadelöhr der Weltwirtschaft

Dass ein einziger beschädigter Rumpf zum globalen Ereignis wird, liegt an der Geographie. Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls wird auf Tankern verladen, die durch die Straße von Hormus müssen — etwa 20 Millionen Barrel am Tag, und ein einfacher Umweg existiert nicht. Eine Passage von wenigen Dutzend Kilometern befahrbaren Wassers trägt nahezu ein Viertel des gesamten seewärtigen Rohöls.

Deshalb wirkt jeder Vorfall in der Meerenge schneller nach, als die Diplomatie ihn einfangen kann. Versicherer kalkulieren das Risiko neu, Reeder wägen ab, ob sie auslaufen, und die Kosten je Barrel steigen, noch bevor ein Tropfen tatsächlich verloren ist.

Europas Rechnung

Für die Europäische Union ist die Meerenge keine ferne Abstraktion. Die Störung hat bereits die Energiepolitik der Union verbogen: Brüssel legte einen geplanten Rechtsakt für ein dauerhaftes Verbot russischen Öls auf Eis, nachdem die Hormus-Krise die Furcht vor einer Versorgungslücke neu entfacht hatte. Nun drängen die baltischen Staaten in die Gegenrichtung und fordern, den Ausstieg zu beschleunigen, statt Moskau von der Panik profitieren zu lassen.

  • Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs passiert die Meerenge.
  • Die fünfte US-Flotte hat ihren Sitz in Manama in Bahrain.
  • Brüssel stoppte sein geplantes dauerhaftes Verbot russischen Öls aus Sorge um die Versorgung.

Der Konflikt zwingt Europa, zwischen zwei Abhängigkeiten zu wählen. Jeder Preissprung beim Rohöl schlägt bis an die Tankstellen und in die Fabrikhallen des Kontinents durch — ein Krieg in tausend Kilometern Entfernung wird so auch zur heimischen Preisfrage.

Steuerung statt Frieden

Die Gefahr ist nun weniger der eine entscheidende Schlag als das langsame Ausfransen. Bahrains Meldung über Drohnenangriffe auf sein Gebiet deutet darauf hin, dass sich der Konflikt entlang vertrauter Bruchlinien ausbreitet und Golfstaaten hineinzieht, die amerikanische Stützpunkte beherbergen und nicht an der Front eines Krieges zwischen Washington und Teheran stehen wollen. Trump spricht weiter von Frieden, Teheran von Steuerung. Zwischen beiden Wörtern liegt eine Seestraße, auf die die Weltwirtschaft nicht verzichten kann.

Warum griffen die USA den Iran an?
Washington wertete einen iranischen Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus als Aggression gegen die zivile Schifffahrt und als Bruch der Waffenruhe und traf daraufhin iranische Raketen-, Drohnen- und Radaranlagen.
Welche Folgen hat das für die Ölmärkte?
Rund ein Fünftel des Weltöls passiert die Straße von Hormus. Jede Bedrohung der Schifffahrt treibt Versicherungskosten und Rohölpreise — mit Folgen auch für europäische Verbraucher.
Worin liegt die europäische Dimension?
Wegen der Hormus-Krise stoppte Brüssel ein geplantes dauerhaftes Verbot russischen Öls, während die baltischen Staaten auf eine Beschleunigung des Ausstiegs drängen.

Mehr dazu: Energy Security, Oil Markets, Ceasefire, Strait Of Hormuz, Gulf Security, Us Iran, Middle East

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