
Verbot oder Alterskontrolle: Warum Luxemburg den britischen Weg nicht mitgeht
Zwei Regierungen haben Kindheit und soziale Medien für unvereinbar erklärt. Luxemburg, an EU-Regeln gebunden, verzichtet bewusst auf ein eigenes Verbot.

Zwei Regierungen haben Kindheit und soziale Medien für unvereinbar erklärt. Luxemburg, an EU-Regeln gebunden, verzichtet bewusst auf ein eigenes Verbot.

Luxemburg ist das weltweit einzige verbliebene souveräne Großherzogtum und ein Gründungsmitglied der Europäischen Union. Zum 1. Januar 2026 erreichte die Bevölkerung 690.959 Menschen, davon 46,6 % Ausländer. Die Hauptstadt Luxemburg-Stadt zählte Ende 2025 137.696 Einwohner. Das Land umfasst nur 2.586 km2, nutzt den Euro und gehört beim BIP pro Kopf zu den reichsten der Welt. Dieser Überblick bündelt die geprüften Fakten und Zahlen.

Schengen ist ein kleines Winzerdorf an der Mosel, wo Luxemburg, Frankreich und Deutschland zusammentreffen. Am 14. Juni 1985 unterzeichneten dort fünf Länder das Schengener Abkommen an Bord des Schiffes MS Princesse Marie-Astrid, bewusst am Dreiländereck gewählt. Heute erlaubt der Schengen-Raum, rund 29 Länder ohne Grenzkontrollen zu durchqueren. Besucher können das Europäische Museum Schengen besichtigen, das Originalschiff betreten und die sterngekrönten Säulen sehen.

Die Europäische Zentralbank brachte ihren digitalen Euro 2026 von der Studie zum Versuch: Sie lud Banken zu einem Pilotprojekt ein und drängte die Gesetzgeber, die nötige Verordnung zu verabschieden. Ein digitaler Euro wäre öffentliches Geld auf dem Handy - eine Ergänzung zum Bargeld, kein Ersatz -, mit einer Obergrenze fürs Halten und einem bargeldähnlichen Datenschutz im Offline-Modus. Wo das Projekt steht und was es bedeuten würde.

Neue EU-Regeln, die seit dem 21. Mai 2026 gelten, modernisieren die „kombinierte Erlaubnis“ - die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für Nicht-EU-Bürger. Die Neufassung verspricht schnellere Entscheidungen, die Freiheit, den Arbeitgeber zu wechseln, und eine Schonfrist bei Jobverlust. Was sich ändert - und warum es ausgerechnet im so ausländisch geprägten Luxemburg zählt.

Bis Ende 2026 muss jedes EU-Land - auch Luxemburg - seinen Bürgern eine digitale Identitäts-Brieftasche anbieten: eine kostenlose Handy-App, um sich auszuweisen und amtliche Dokumente zu tragen. Sie entspringt der eIDAS-2.0-Verordnung, soll nur das Nötigste preisgeben und wird in Luxemburg von der öffentlichen Agentur INCERT gebaut. So soll sie funktionieren.

Seit dem 9. Oktober 2025 müssen Banken im gesamten Euroraum - auch in Luxemburg - vor jeder Bestätigung einer Überweisung kostenlos prüfen, ob der eingegebene Name zum Kontoinhaber der IBAN passt. Das gehört zur EU-Verordnung über Echtzeitüberweisungen, die Banken zugleich zu Zehn-Sekunden-Zahlungen ohne Aufpreis verpflichtet. Was sich ändert - und warum.

Das Einreise-/Ausreisesystem (EES) der EU ist seit dem 10. April 2026 voll in Betrieb und ersetzt den Passstempel durch biometrische Daten. Sein Gegenstück ETIAS - eine Reisegenehmigung für 20 Euro - wird Ende 2026 erwartet. Was sich ändert und wie man Betrugsseiten meidet.

Das informelle EU-Außenministertreffen in Limassol verband Ukraine, Indien und Saudi-Arabien mit der Frage europäischer Handlungsfähigkeit.

Premierminister Luc Frieden nutzte am 6. Februar 2026 die Bühne der Harvard Kennedy School, um Europa zu mehr Eigenverantwortung bei Wirtschaft, Energie und Sicherheit zu mahnen. Was als Appell an den Kontinent klingt, ist für Luxemburg eine Frage des unmittelbaren nationalen Interesses: Kaum eine Volkswirtschaft ist so offen und so verwundbar gegenüber genau jenen Abhängigkeiten, vor denen Frieden warnt.

Künftig zahlt Luxemburg das Arbeitslosengeld an Grenzgänger aus Frankreich, Belgien und Deutschland, sobald diese 22 Wochen ununterbrochen versichert waren. Die Reform der EU-Verordnung 883/2004 kostet das Großherzogtum laut Arbeitsminister Marc Spautz (CSV) rund 200 Millionen Euro jährlich. Luxemburg erstritt eine Übergangsfrist von fünf bis sieben Jahren, stimmte dem Text aber nicht zu.

Vier EU-Staaten – Deutschland, Griechenland, Irland und Luxemburg – errichten im Projekt TransEuroOGS acht interoperable optische Bodenstationen für abhörsichere Quantenkommunikation per Satellit. Das rund 18 Millionen Euro schwere, auf dreieinhalb Jahre angelegte Vorhaben startete Ende April 2026 in Berlin und Jena und bereitet den Boden für Missionen wie EAGLE-1.

Am 22. September 2025 erkannte Luxemburg in New York den Staat Palästina an, gemeinsam mit über 150 Ländern. Premier Frieden nannte es einen Anfang. Acht Monate später ist die Ernüchterung greifbar: Israel sprach von einem Preis für den Terror, die EU scheiterte erneut am Aussetzen ihres Handelsabkommens. Eine Geste, die das moralische Signal und die praktischen Grenzen zugleich offenlegt.

Brüssel als Bühne: Luxemburg legt eine Ratspräsidentschaft rund um eine neu aufgelegte Kapitalmarktunion, Verteidigungsfinanzierung und eine Verbriefungs-Reform vor.

Berlin hat die internen Schengen-Kontrollen an allen neun Landgrenzen — Luxemburg eingeschlossen — bis zum 15. September 2026 verlängert. Begründet werden sie mit Migrations- und Sicherheitsdruck, auch wenn stationäre Kontrollpunkte abgebaut wurden.

Bei einer Rede am Harvard Center for European Studies fordert Luxemburgs Premierminister ein autonomeres Europa — bei Verteidigung, Energie und Kapitalmärkten — ohne Brücken zu Washington abzubrechen.