Quantenkommunikation
Acht Bodenstationen für ein abhörsicheres Europa – Luxemburg ist dabei
Mit dem 18-Millionen-Euro-Projekt TransEuroOGS bauen vier EU-Staaten ein Netz optischer Bodenstationen für satellitengestützte Quantenkommunikation. Das Großherzogtum rückt damit ins Zentrum der europäischen Souveränitätsagenda.

Europa rüstet seine Kommunikationsnetze für das Quantenzeitalter. Mit dem Projekt TransEuroOGS haben sich vier EU-Mitgliedstaaten – Deutschland, Griechenland, Irland und Luxemburg – zusammengeschlossen, um ein Netz aus acht interoperablen optischen Bodenstationen aufzubauen, über das künftig satellitengestützte, quantensichere Kommunikation möglich werden soll. Für das Großherzogtum bedeutet die Beteiligung weit mehr als ein Forschungsbeitrag: Sie verankert den kleinen Staat im Herzen der europäischen Bemühungen um digitale Souveränität und ein kontinentweites, nicht abhörbares Kommunikationsrückgrat.
Offiziell gestartet wurde das Vorhaben mit einem Konsortialtreffen am 29. und 30. April 2026 in Berlin und Jena. Das Projekt ist auf dreieinhalb Jahre angelegt und mit einem Gesamtbudget von rund 18 Millionen Euro ausgestattet. Finanziert wird es gemeinsam aus dem Programm Connecting Europe Facility (CEF Digital) der Europäischen Kommission sowie aus nationalen Mitteln der vier beteiligten Staaten. Koordiniert wird TransEuroOGS vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) im deutschen Jena, dessen zentraler Koordinator Dr. Torsten Siebert ist.
Optische Bodenstationen als Bindeglied zwischen Erde und All
Die acht Bodenstationen sollen technisch aufeinander abgestimmt und für kommende Quantensatelliten-Missionen vorbereitet werden. Im Zentrum stehen dabei zwei europäische Vorhaben: die von der luxemburgischen SES geführte Mission EAGLE-1 sowie die geplante Konstellation SAGA. Beide setzen auf Quantenschlüsselaustausch (Quantum Key Distribution, QKD), bei dem kryptografische Schlüssel so übertragen werden, dass jeder Abhörversuch unmittelbar erkennbar wird – ein physikalisch garantierter Schutz, der mit klassischen Verfahren nicht zu erreichen ist.
Die Standorte der Stationen sind bewusst geografisch breit gestreut, von Inseln bis zum Festland, von ländlichen bis zu städtischen Lagen, vom Nordwesten bis in den Südosten Europas. Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Programm: Nur unter unterschiedlichen atmosphärischen Bedingungen lässt sich erproben, wie robust quantenoptische Verbindungen zwischen Satellit und Erde tatsächlich sind.
Es ist ein Privileg und eine Freude, mit all meinen Kolleginnen und Kollegen in Irland, Luxemburg, Deutschland und Griechenland zusammenzuarbeiten, um die Herausforderungen anzugehen, die die Verbindung des Welt- und des terrestrischen Segments im EuroQCI mit einem Netz optischer Bodenstationen vom Nordwesten bis in den Südosten Europas mit sich bringt.
So beschreibt Koordinator Torsten Siebert die Aufgabe. Sein deutscher Kollege Christoph Marquardt, Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und nationaler Koordinator für Deutschland, betont den experimentellen Charakter des Vorhabens: „TransEuroOGS ist eine einzigartige Gelegenheit, satellitengestützte Quantenkommunikation unter verschiedenen technischen und atmosphärischen Randbedingungen in ganz Europa zu testen.“ Die FAU untersucht die quantenoptischen Verbindungen an drei Knotenpunkten in Jena, Erlangen und Oberpfaffenhofen.
Luxemburgs Beitrag und der Schulterschluss mit SES
Auf luxemburgischer Seite bündeln mehrere Akteure ihre Kompetenzen. Beteiligt sind das Department für Medien, Konnektivität und digitale Politik, die SIGCOM-Gruppe der Universität Luxemburg, die Restena-Stiftung sowie das Unternehmen HITEC Luxembourg. Diese Konstellation verbindet politische Steuerung, akademische Forschung, Netzbetrieb und industrielle Umsetzung.
Die strategische Bedeutung für das Großherzogtum erschließt sich vor allem mit Blick auf SES: Der in Luxemburg ansässige Satellitenbetreiber führt das Konsortium hinter EAGLE-1, einem europäischen Technologiedemonstrator für die In-Orbit-Erprobung weltraumgestützter Quantenschlüsselverteilung, der für die EU und die ESA entwickelt wird. Damit ist Luxemburg nicht nur Empfänger einer europäischen Initiative, sondern einer ihrer industriellen Treiber. Die Beteiligung an TransEuroOGS knüpft die nationalen Souveränitätsambitionen an ein konkretes, grenzüberschreitendes Projekt – und nicht an abstrakte politische Absichtserklärungen.
Baustein der europäischen Quanteninfrastruktur
TransEuroOGS ist Teil der übergeordneten Initiative EuroQCI (European Quantum Communication Infrastructure), an der alle 27 Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission und die ESA beteiligt sind. Ziel ist es, sensible Daten und kritische Infrastrukturen mit Hilfe der Quantenschlüsselverteilung zu schützen und so zur digitalen Souveränität Europas beizutragen. Bis 2030 will die EU bei den Quantenfähigkeiten an der Spitze stehen – ein Anspruch, der sich in die Ziele der Digitalen Dekade einfügt.
Die politische Rückendeckung ist deutlich. Der deutsche Beitrag wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) getragen, unter der EU-Förderkennung mit der Grant-Agreement-Nummer 101249815. Parlamentarischer Staatssekretär Matthias Hauer ordnete das Vorhaben in einen größeren Zusammenhang ein:
„Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern gestalten wir die Zukunft der Quantenkommunikation. Deutschland engagiert sich deshalb aktiv in der europäischen Quantenkommunikationsinfrastruktur EuroQCI.“
Was TransEuroOGS bemerkenswert macht, ist der Übergang von der Laborvorführung zur einsatzfähigen Infrastruktur. Die Quantenschlüsselverteilung verlässt den Status des wissenschaftlichen Experiments und wird zum förderfähigen, vierstaatlichen Schritt hin zu einem physischen Bodensegment, das künftige Quantensatelliten mit terrestrischen Netzen verbinden soll. Damit positioniert sich Europa an der Schnittstelle von Cybersicherheit, Raumfahrt und industrieller Strategie – mit dem Ziel, Regierungs-, Finanz-, Gesundheits- und Energienetze gegen die Bedrohungen des Quantenzeitalters zu wappnen. Für Luxemburg ist die Beteiligung ein klares Zeichen, dass das Land in dieser Architektur mehr sein will als ein Zuschauer.
Häufig gefragt
- Was ist TransEuroOGS?
- TransEuroOGS ist ein rund 18 Millionen Euro schweres EU-Projekt, in dem Deutschland, Griechenland, Irland und Luxemburg ein Netz aus acht interoperablen optischen Bodenstationen für satellitengestützte, quantensichere Kommunikation aufbauen. Es ist auf dreieinhalb Jahre angelegt und wird vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) koordiniert.
- Welche Rolle spielt Luxemburg in dem Projekt?
- Auf luxemburgischer Seite beteiligen sich das Department für Medien, Konnektivität und digitale Politik, die SIGCOM-Gruppe der Universität Luxemburg, die Restena-Stiftung und HITEC Luxembourg. Zudem führt der in Luxemburg ansässige Satellitenbetreiber SES die Mission EAGLE-1, für die TransEuroOGS die Bodenstationen vorbereitet.
- Was ist Quantenschlüsselaustausch (QKD)?
- Beim Quantenschlüsselaustausch (Quantum Key Distribution, QKD) werden kryptografische Schlüssel so übertragen, dass jeder Abhörversuch physikalisch unmittelbar erkennbar wird. Dadurch lassen sich sensible Daten und kritische Infrastrukturen wirksam gegen Angriffe schützen, auch im Quantenzeitalter.
- Wie hängt TransEuroOGS mit EuroQCI zusammen?
- TransEuroOGS ist Teil der übergeordneten Initiative EuroQCI (European Quantum Communication Infrastructure), an der alle 27 EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission und die ESA beteiligt sind. Ziel ist eine sichere Quantenkommunikationsinfrastruktur in ganz Europa und eine EU-Spitzenstellung bei Quantenfähigkeiten bis 2030.
Quellen
Mehr aus Tech & Wissenschaft
Im Trend bei Étude
Zu Fuß durchs Großherzogtum Wandern in Luxemburg: der Mullerthal Trail und die schönsten Wege
Leitfaden für Neuankömmlinge Wie das Gesundheitssystem in Luxemburg funktioniert - und wie Sie sich bei der CNS anmelden
Europäische Geschichte Robert Schuman: Der Vater Europas kam in Luxemburg zur Welt
Luxemburg im Film Vicky Krieps: Luxemburgs großer Name im Weltkino



