Ein Konzern, ein kleines Netz

Luxemburg entscheidet über Googles Rechenzentrum in Bissen – Mouvement écologique droht mit Klage

Acht Jahre nach dem Grundstückskauf muss die Regierung über die Genehmigung befinden. Der größte Umweltverband des Landes kündigt den Gang vor Gericht an.


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Ein leeres, eingezäuntes Feld bei Bissen, von Hochspannungsleitungen durchzogen, in der Abenddämmerung – der geplante Standort von Googles Rechenzentrum.
Illustrative Ansicht von Ackerland am Rand von Bissen, wo Google seit 2017 rund 34 Hektar hält. Das Bild ist KI-generiert und zeigt nicht das reale Gelände.Illustration: KI-generiert — Étude

Seit 2017 gehört Google ein Stück Ackerland am Rand von Bissen, erworben für ein Rechenzentrum, das einst mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt wurde. Fast ein Jahrzehnt später steht auf den etwa 34 Hektar keine einzige Serverhalle. Nun, da das Umweltministerium über die Genehmigung der Anlage entscheiden soll, kündigt der größte Umweltverband des Landes an, das Projekt vor Gericht zu bringen, sollte es durchgewunken werden.

Der Mouvement écologique – im Land kurz Méco genannt – nutzte die öffentliche Konsultation zur Umweltverträglichkeitsprüfung, die am 27. März endete, für eine rund dreißigseitige Stellungnahme, gestützt auf ein externes Rechtsgutachten. Der Kern des Vorwurfs: Die Prüfung sei zu intransparent, um eine Genehmigung zu rechtfertigen, und Google halte entscheidende Zahlen unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse zurück.

Der Verband fordert, die Regierung müsse im nationalen Interesse handeln und Googles Vertraulichkeitsklausel zurückweisen. Werde die Genehmigung ohne Antwort auf seine Einwände erteilt, werde man vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Was eine Großanlage verbraucht

Die strittigen Größenordnungen sind für ein Land von der Fläche Luxemburgs beträchtlich. Nach der Analyse des Méco würde die Anlage rund 15 Prozent des nationalen Stromverbrauchs auf sich ziehen – mehr, als alle Haushalte des Landes zusammen verbrauchen. Der prognostizierte Effizienzwert, die sogenannte Power Usage Effectiveness, läge bei etwa 1,3 und damit deutlich über den 1,09, die Google für seinen weltweiten Bestand angibt, und über dem Richtwert von rund 1,15, den die Europäische Kommission für ein Energielabel erwägt.

Weitere Einwände betreffen Abwärme und Wasser:

  • Etwa 1.000 Gigawattstunden nutzbarer Abwärme pro Jahr, die nach den bisherigen Plänen in die Luft entweichen sollen, statt in Fernwärmenetze von Orten wie Ettelbrück und Diekirch eingespeist zu werden.
  • Eine ursprüngliche Wasserkühlung, die nach Schätzung der Umweltschützer 10 bis 15 Prozent des heutigen Wasserverbrauchs des Landes erfordert hätte – in der Größenordnung von 7.500 Kubikmetern täglich.
  • Diesel-Notstromaggregate statt Batterien und eine aus Sicht des Méco minimale Solarproduktion auf dem Gelände.

Google hat wiederholt darauf verwiesen, dass Verträge und Planungen fortgeschrieben würden, und verweist auf seine Effizienz- und Nachhaltigkeitszusagen. Der Streitpunkt sind die konkreten Zahlen für Bissen – gerade weil ein Großteil der zugrunde liegenden Daten nicht öffentlich ist.

Ein leeres Feld und die Frage der Souveränität

Für die Regierung ist das Grundstück auch ein Symbol. Wirtschaftsminister Lex Delles gehört zu den Fürsprechern des Projekts und deutet es als Chance, die sich das Land nicht entgehen lassen dürfe.

„Das Ziel ist, dass wir in Luxemburg die Chance der großen Datenmengen nicht verpassen."

Diesem Argument – Arbeitsplätze, Prestige, ein Standbein in der Infrastruktur der digitalen Wirtschaft – stellt der Méco eine unbequeme Frage entgegen: ob einer der am besten erschlossenen Industriestandorte des Landes, angebunden an Hochspannungsinfrastruktur, überhaupt an einen amerikanischen Konzern gehen solle – oder für luxemburgische und europäische Betreiber reserviert bleiben müsse. Der Verband macht daraus eine Frage der digitalen Souveränität, nicht nur der Kilowatt.

Die Entscheidung liegt nun beim Umweltministerium, dessen Bescheid für Anfang Juli erwartet wurde. Eine Genehmigung würde den Streit nicht beenden: Der Méco hat deutlich gemacht, dass er dann vor Gericht zöge – ein Schritt, der das Projekt um weitere Monate blockieren könnte. Eine Ablehnung oder schärfere Auflagen zu Kühlung, Abwärme und Transparenz würden Google zu einer Planung zwingen, die der Konzern bislang nur ungern ändert.

So oder so ist die Entscheidung größer geworden als ein Feld bei Bissen. Während die künstliche Intelligenz weltweit einen Wettlauf um Rechenleistung antreibt, werden kleine, wohlhabende, netzseitig begrenzte Länder gefragt, ob sie die Maschinerie beherbergen – und was sie an Strom und Wasser kostet. Auf dem Acker am Rand von Bissen gibt Luxemburg seine Antwort.

Wo soll das Rechenzentrum entstehen?
Auf rund 34 Hektar ehemaligem Ackerland am Rand von Bissen in Zentralluxemburg, das Google 2017 erwarb.
Warum ist der Mouvement écologique dagegen?
Er verweist auf Strom- und Wasserverbrauch, ungenutzte Abwärme, Diesel-Notstrom und geringe Solarproduktion – vor allem aber auf mangelnde Transparenz, da zentrale Daten unter Geschäftsgeheimnis zurückgehalten würden.
Wie geht es weiter?
Das Umweltministerium muss über die Genehmigung entscheiden. Wird sie ohne Antwort auf die Einwände erteilt, will der Méco vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Mehr dazu: Data Centre, Digital Sovereignty, Energy Consumption, Google Bissen, Mouvement Ecologique, Water

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