Stromversorgung im Umbau
Luxemburgs Ökostromanteil steigt auf 23,3 Prozent und bleibt EU-weit drittniedrigster
Trotz eines überdurchschnittlichen Zuwachses liegt das Großherzogtum beim Verbrauch erneuerbaren Stroms weiterhin mehr als 26 Prozentpunkte unter dem EU-Mittel.

Fast jede zweite in der Europäischen Union verbrauchte Kilowattstunde stammte 2025 rechnerisch aus erneuerbaren Quellen. In Luxemburg war es nicht einmal jede vierte. Der Abstand beschreibt das energiepolitische Problem des Landes präziser als die bloße Rangfolge.
Nach vorläufigen Eurostat-Zahlen erhöhte sich der Luxemburger Anteil am Bruttostromverbrauch von 20,5 Prozent im Jahr 2024 auf 23,3 Prozent. Der Zuwachs um 2,8 Prozentpunkte fiel damit sogar etwas stärker aus als im EU-Durchschnitt. Dort stieg der Anteil um 2,4 Punkte auf 49,9 Prozent.
Der Rückstand bleibt dennoch erheblich: Zwischen Luxemburg und dem europäischen Mittel liegen 26,6 Prozentpunkte. Nur Malta mit 11,2 Prozent und Tschechien mit 19,2 Prozent schnitten schlechter ab.
„Malta (11,2 Prozent), Tschechien (19,2 Prozent), Luxemburg (23,3 Prozent), die Slowakei (24,1 Prozent) und Zypern (27,5 Prozent) verzeichneten die niedrigsten Anteile.“
— Eurostat, vorläufige Daten für 2025
Ein Fortschritt, der den Rückstand nicht schließt
Die Jahresveränderung ist relevant. Ein Plus von 2,8 Prozentpunkten zeigt, dass zusätzliche erneuerbare Erzeugung und grenzüberschreitend bezogener Ökostrom im Verbrauch ankommen. Für eine Trendwende reicht ein einzelnes Jahr allerdings nicht. Wind, Sonne und Wasserkraft schwanken mit dem Wetter; zugleich verändert ein höherer oder niedrigerer Strombedarf den Nenner.
Der europäische Vergleich misst den Anteil erneuerbarer Quellen am Bruttostromverbrauch. Berücksichtigt werden der Verbrauch der Endkunden, der Eigenbedarf des Stromsektors und Netzverluste. Die Kennzahl sagt deshalb etwas anderes aus als der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung innerhalb der Landesgrenzen.
Gerade in Luxemburg ist diese Trennung unverzichtbar. Das kleine und eng mit den Nachbarländern verbundene Stromsystem deckt einen großen Teil seines Bedarfs über Einfuhren. Eine relativ grüne heimische Produktion bedeutet somit nicht automatisch einen ebenso hohen Anteil am gesamten Verbrauch.
Zwei Kennzahlen, zwei politische Fragen
Auch die 23,3 Prozent dürfen nicht unmittelbar mit Luxemburgs nationalem Ziel für 2030 verglichen werden. Der Energie- und Klimaplan sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch auf 37 Prozent zu erhöhen. Diese breitere Größe umfasst neben Strom auch Wärme, Verkehr und den Energieeinsatz in der Wirtschaft.
Für 2024 lag dieser Gesamtanteil in Luxemburg bei 14,7 Prozent, während die EU 25,2 Prozent erreichte. Mineralölprodukte stellten zugleich mehr als die Hälfte des Luxemburger Endenergieverbrauchs. Darin zeigt sich vor allem das Gewicht des Straßenverkehrs, das durch Tanktourismus und die große Zahl grenzüberschreitender Pendler zusätzlich geprägt wird.
Die EU verfolgt für 2030 ein gemeinsames Mindestziel von 42,5 Prozent erneuerbarer Energie am Bruttoendverbrauch. Nach den vorläufigen Zahlen wurden 2025 erst 26,2 Prozent erreicht. Eurostat errechnet daraus einen notwendigen durchschnittlichen Anstieg von 3,3 Prozentpunkten jährlich zwischen 2026 und 2030.
Importabhängigkeit als Ausgangslage
Luxemburgs Energieversorgung ist stärker von Einfuhren abhängig als die fast aller anderen EU-Staaten. 2024 wurden nach Eurostat-Berechnung 91 Prozent des Bedarfs durch Nettoimporte gedeckt; nur Malta lag höher. Das ist zunächst eine geografische und wirtschaftliche Realität, kein Beleg für ein funktionsuntüchtiges System.
Die Anbindung an die europäischen Netze ermöglicht Versorgungssicherheit und den Zugriff auf große Wind-, Solar- und Wasserkraftressourcen außerhalb des Landes. Sie macht Luxemburg aber auch empfindlich für regionale Preise, Engpässe und internationale Krisen. Mehr erneuerbare Energie soll deshalb nicht nur Emissionen mindern, sondern zugleich die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten verringern.
Die Europäische Umweltagentur hält das 37-Prozent-Ziel bei unverändertem historischem Trend für unerreichbar. Wegen der begrenzten Fläche und des beschränkten eigenen Potenzials werde Luxemburg zusätzlich zu inländischen Maßnahmen statistische Transfers benötigen. Dabei finanziert das Land im Rahmen europäischer Vereinbarungen erneuerbare Projekte in anderen Mitgliedstaaten und lässt sich einen vereinbarten Anteil anrechnen.
Entscheidend wird die Umsetzung
Der nationale Plan setzt im Inland auf mehr Photovoltaik, die Modernisierung bestehender Windkraftstandorte, kürzere Genehmigungsverfahren, Wärmepumpen, kommunale Wärmenetze und Elektromobilität. Für Industrie und Verkehr, die sich schwer direkt elektrifizieren lassen, sind nachhaltige Kraftstoffe sowie erneuerbarer Wasserstoff vorgesehen.
Damit entsteht kein Weg zur vollständigen Energieautarkie. Ein solcher Anspruch wäre für Luxemburg weder realistisch noch ökonomisch zwingend. Wohl aber entscheidet die Geschwindigkeit des Ausbaus darüber, wie viel fossile Energie künftig importiert werden muss und wie glaubwürdig die 2030-Ziele bleiben.
Die kommenden Zahlen müssen deshalb mehr zeigen als eine bessere Platzierung. Maßgeblich sind neu installierte Leistung, Speicher- und Netzausbau, der Austausch fossiler Heizungen und die Elektrifizierung des Verkehrs. Der Sprung auf 23,3 Prozent ist ein Fortschritt. Gemessen am europäischen Strommix bleibt er vorerst ein bescheidener.
Häufig gefragt
- Beziehen sich die 23,3 Prozent auf den gesamten Energieverbrauch?
- Nein. Die Zahl beschreibt ausschließlich den Anteil erneuerbarer Quellen am Bruttostromverbrauch 2025.
- Hat sich Luxemburg gegenüber 2024 verbessert?
- Ja. Der Anteil stieg von 20,5 auf 23,3 Prozent und damit um 2,8 Prozentpunkte.
- Wie will Luxemburg sein 2030-Ziel erreichen?
- Vorgesehen sind unter anderem mehr Solar- und Windkraft, Wärmepumpen, Elektromobilität sowie europäische Kooperation und statistische Transfers.
Quellen
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