Erinnerung

Marc Bloch: Frankreich ehrt einen Gelehrten, den die Gestapo erschoss

Der von der Gestapo getötete Wissenschaftler und Widerstandskämpfer wird in Frankreichs nationale Ruhmeshalle überführt — gegen den Anspruch der extremen Rechten.


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Die Kuppel und der Säulengang des Pariser Panthéon im Morgenlicht, mit einer französischen Fahne am Eingang.
Das Panthéon in Paris, in das Marc Bloch am 23. Juni 2026 überführt wurde. Illustration, keine Aufnahme der Zeremonie.Illustration: KI-generiert — Étude

PARIS — Zweiundachtzig Jahre nach seiner Erschießung durch deutsche Soldaten ist der Historiker Marc Bloch am Dienstag in das Pariser Panthéon überführt worden. Als erster Historiker findet er Aufnahme in jener Ruhmeshalle, in der die Französische Republik das Gedächtnis ihrer Nation verwahrt — an der Seite seiner Frau Simonne.

Die Zeremonie unter Vorsitz von Staatspräsident Emmanuel Macron galt einem Mann zweier Berufungen: dem Gelehrten, der mit der Schule der «Annales» die Geschichtsschreibung erneuerte, und dem Soldaten zweier Weltkriege, der sich der Résistance anschloss und 1944 verhaftet, gefoltert und hingerichtet wurde. Macron nannte ihn «einen Mann der Aufklärung in der Armee der Schatten» und hatte die Panthéonisierung im November 2024 angekündigt, zum 80. Jahrestag der Befreiung Straßburgs, mit den Worten, die Republik ehre Bloch «für sein Werk, seine Lehre und seinen Mut».

Gelehrter und Soldat

Bloch wurde 1886 in eine elsässische jüdische Familie geboren, die sich nach der Annexion des Elsass durch das Deutsche Reich 1871 für Frankreich entschieden hatte. Seine Herkunft, so schrieb er, binde ihn an Frankreich durch Dankbarkeit, nicht durch das Blut — im Wissen darum, dass die Mythen der «Rasse» für ihn als Historiker keinen Bestand hatten. Er kämpfte in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs und meldete sich 1939, jenseits der Fünfzig, erneut freiwillig.

Sein Werk veränderte das Fach. Gemeinsam mit Lucien Febvre begründete er 1929 die «Annales» und wandte die Geschichtsschreibung ab von der Chronik der Könige und Schlachten, hin zu den langsamen Bewegungen von Gesellschaften, Wirtschaft und Mentalitäten. Werke wie «Die Feudalgesellschaft», die Studie über die «wundertätigen Könige» oder das unvollendete «Apologie der Geschichte» werden bis heute weit über Frankreich hinaus gelesen.

Die Niederlage von 1940 sezierte er mit kühler Klarheit in «Die seltsame Niederlage». Danach schloss er sich in Lyon der Untergrundbewegung Franc-Tireur an. Am 8. März 1944 verhaftete ihn die deutsche Polizei; im Gefängnis Montluc wurde er gefoltert, am 16. Juni in Saint-Didier-de-Formans im Département Ain erschossen. Er war 57 Jahre alt.

Streit um ein Erbe

Dass die Republik einen jüdischen Widerstandskämpfer ehrt, den die Gestapo ermordete, schien unstrittig. Doch die Tage vor der Feier bestimmte ein Streit darüber, wer sich auf Bloch berufen darf. Seit zwei Jahrzehnten zitiert ein Teil der französischen Rechten ihn, um einem nationalen Geschichtsbild patriotischen Glanz zu verleihen — eine Vereinnahmung, die seine Nachkommen als Schändung empfinden.

Die Familie verlangte, die extreme Rechte «in all ihren Formen» vom Panthéon fernzuhalten. Der Rassemblement National kündigte an, keine Vertreter zu entsenden. Blochs Enkelin Suzette Bloch nannte die Partei die Erben jener Waffen-SS, die ihren Großvater ermordet habe, und beharrte darauf, Bloch sei «Antifaschist» gewesen, «ein Demokrat, ein Mann der Linken».

Den Streit hatte der Historiker auf seine Weise vorweggenommen. In einem Testament von 1941 hielt er fest, wie er sein Judentum und sein Franzosentum verstand:

«Ich bin Jude … Ich berufe mich auf meine Herkunft nur in einem einzigen Fall: einem Antisemiten gegenüber.»

Eine Ehrung mit Gegenwartsbezug

Blochs Aufnahme fällt in eine Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in ganz Europa erstarken und die Frage der nationalen Zugehörigkeit erneut umkämpft ist. Die Zeremonie deutete ihn weniger als Reliquie denn als Argument: dass Patriotismus und Pluralismus keine Gegensätze seien und dass die quellenkritische Erforschung der Vergangenheit selbst ein Akt staatsbürgerlicher Verantwortung ist. Auf seinem Grab sollten zwei Worte stehen: «Dilexit Veritatem» — er liebte die Wahrheit.

Das Panthéon begleitet die Überführung mit der Ausstellung «Marc Bloch, l'esprit de l'Histoire»; Frankreichs Kulturinstitutionen haben 2026 zum Bloch-Jahr erklärt. Erschossen wurde der Historiker, als die Alliierten in der Normandie landeten — sein Manuskript zur «Apologie der Geschichte» blieb Fragment. Am Dienstag stellte ihn die Republik unter jene Gestalten, an die zu erinnern sie ihre Bürger auffordert.

Wer war Marc Bloch?
Ein französischer Historiker, Mitbegründer der Annales-Schule und Widerstandskämpfer, der 1944 von deutschen Soldaten erschossen wurde.
Warum war die Aufnahme umstritten?
Teile der extremen Rechten berufen sich auf ihn; seine Familie und viele Historiker halten seine Werte für unvereinbar mit deren Programm, weshalb der Rassemblement National von der Feier ausgeschlossen blieb.
Ist er der erste Historiker im Panthéon?
Ja, er ist der erste Historiker, der dort beigesetzt wird.

Mehr dazu: Annales School, France, Far Right, Pantheon, Memory, Marc Bloch, French Resistance

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