Klima

Europa in der Hitzefalle: Hunderte Tote, reihenweise gebrochene Rekorde

Eine ungewöhnlich früh einsetzende Hitzewelle hat rund um die Sonnenwende neue Juni-Rekorde markiert. Spanien führt mehr als 200 Tote auf die Hitze zurück, Frankreich zählt Dutzende Ertrunkene.


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Ein menschenleerer, von der Sonne ausgedörrter Stadtplatz am Mittag mit trockenem Brunnen und flimmernder Hitze über dem Pflaster.
Illustration. Eine Rekord-Hitzewelle im Juni hat Straßen und Plätze in West- und Südeuropa leergefegt.Illustration: KI-generiert — Étude

Der Hochsommer kam in diesem Jahr im Juni — früh, abrupt und tödlich. Eine ausgedehnte Hochdruckzone über West- und Südeuropa ließ die Temperaturen rund um die Sonnenwende um 14 bis 18 Grad über die jahreszeitlichen Mittelwerte steigen und stürzte Rekorde, die mancherorts seit Jahrzehnten Bestand hatten.

Bis Donnerstag war aus der meteorologischen Ausnahme eine humanitäre geworden. In Spanien brachte ein staatliches Überwachungssystem für die Sterblichkeit binnen vier Tagen mehr als 200 Todesfälle mit der Hitze in Verbindung. In Frankreich, wo das nationale Thermometer im Juni nie gemessene Werte erreichte, kam eine zweite, ebenso bittere Gefahr hinzu: das Wasser, in das die Menschen vor der Hitze flüchteten.

Rekorde im Stundentakt

Die Höchstwerte folgten einander in dichter Reihe. Im südwestfranzösischen Pissos wurden am 23. Juni 44,3 Grad gemessen — der heißeste je in Frankreich registrierte Tag; das landesweite Mittel übertraf die Marke von 2019. Im andalusischen Andújar kletterte das Quecksilber auf 45,1 Grad, und Spanien verzeichnete die höchsten Juni-Tagesmittel seit mindestens 1950. Großbritannien überschritt 36 Grad, Italien stellte sechzehn Städte unter die höchste Warnstufe.

Bemerkenswert war die Reichweite des Ereignisses. Auch Regionen, die sonst verschont bleiben, wurden erfasst: Im Norden Spaniens, in Kantabrien und im Baskenland, stieg die Temperatur über 40 Grad. Meteorologen sprachen von einer Hitzeglocke von ungewöhnlicher Ausdehnung und Beständigkeit, die über dem Kontinent verharrte, statt ihn zu durchziehen.

Wenn die Infrastruktur nachgibt

Die Behörden reagierten mit dem Instrumentarium des Notstands. Zwei Drittel Frankreichs standen unter roter Warnstufe, vierundfünfzig Departements auf der höchsten Stufe. Hunderte Schulen blieben geschlossen oder verkürzten den Unterricht. Zehntausende Haushalte verloren den Strom, im italienischen Turin fielen wegen überhitzter Kabel wiederholt Netze aus.

Auch die Krankenhäuser gerieten an ihre Grenzen. In Großbritannien, wo kaum eine Klinik über eine Klimaanlage verfügt, wurden Termine und Operationen abgesagt; in einem Krankenhaus in Norfolk fiel die Kühlung der Kernspintomographen aus. Die „Financial Times“ berichtete von bis zu 4.000 gefährdeten Eingriffen im staatlichen Gesundheitsdienst. Die Weltgesundheitsorganisation und nationale Behörden riefen dazu auf, ältere Nachbarn zu betreuen und die Mittagshitze zu meiden.

Die Abkühlung, die tötet

Die erschütterndsten Todesfälle gingen nicht unmittelbar auf die Hitze zurück, sondern auf die Flucht vor ihr. In Frankreich ertranken binnen weniger Tage mindestens vierzig Menschen in Flüssen, Seen und Baggerseen, viele von ihnen jung und in unbeaufsichtigtem Wasser. Premierminister Sébastien Lecornu nannte die Serie der Ertrunkenen eine „tragische Geißel“. Seine Sportministerin Marina Ferrari mahnte, das Baden an nicht freigegebenen Stellen während einer Hitzewelle sei „nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“.

Hitzewellen wie die jetzige sind etwa dreißigmal wahrscheinlicher als in der Zeit vor dem Klimawandel.

Diese Einschätzung des Geographen Laurie Parsons von der Universität Royal Holloway in London benennt das Unbehagen hinter den Zahlen der Woche. Die Verwundbarsten tauchen in den Temperaturkurven selten auf: Im südfranzösischen Carpentras wurden zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren bewusstlos im Auto der Familie gefunden; sie konnten nicht wiederbelebt werden.

Eine frühe Warnung

Was die Klimaforscher beunruhigt, ist der Kalender. Eine Hitzewelle dieser Schwere Ende Juni, noch vor dem eigentlichen Sommer, deutet auf eine Saison hin, die gefährlicher werden könnte. Das Muster passt zu einem wärmeren Klima, das die Wahrscheinlichkeit von Extremen erhöht und die Phasen verlängert, in denen Europa der Hitze ausgesetzt ist. Eine rasche Entspannung ist nicht in Sicht; auch Luxemburg und seine Nachbarn bleiben von der Gluthitze nicht verschont.

Die eigentliche Frage dieser Woche laute daher weniger, ob solche Sommer wiederkehren, sondern ob die Krankenhäuser, Schulen und Stromnetze des Kontinents darauf vorbereitet sind, wenn es so weit ist.

Warum gilt diese Hitzewelle als außergewöhnlich?
Sie traf Ende Juni ein, Wochen vor dem Hochsommer, und brach in mehreren Ländern langjährige Juni-Rekorde zugleich.
Warum sind in Frankreich so viele Menschen ertrunken?
Viele suchten Abkühlung in Flüssen, Seen und Baggerseen, oft in unbeaufsichtigtem Wasser; binnen Tagen ertranken mindestens 40 Menschen.
Wie sind die Krankenhäuser betroffen?
In Großbritannien, wo kaum eine Klinik klimatisiert ist, wurden Termine und Operationen abgesagt; bis zu 4.000 Eingriffe galten als gefährdet.

Mehr dazu: Spain, Heatwave, Europe, France, Public Health, Climate Change, Extreme Weather

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