Katastrophenschutz

CGDIS erwägt Löschflugzeug in Luxemburg nach Aquarius-Einsatz in Frankreich

Die Brände in der Gironde zeigen, welchen strategischen Wert die kleine Spezialflotte der Cargolux-Tochter inzwischen für Luxemburg und Europa hat.


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Ein illustratives Löschflugzeug nimmt neben einem verrauchten Kiefernwald Wasser auf.
Illustrative Darstellung eines Amphibienflugzeugs, wie es die Luxemburger Gesellschaft Aquarius bei Waldbränden einsetzt.Illustration: KI-generiert — Étude

Eine kurzfristig verfügbare Maschine, rund 300.000 Euro Leasingkosten und ein rascher Einsatz in Frankreich: Luxemburgs Beitrag zur Brandbekämpfung in der Gironde beruhte auf einer günstigen Gelegenheit. Für den CGDIS stellt sich deshalb nun die grundsätzliche Frage, ob das Land künftig einen verlässlicheren Zugriff auf ein Löschflugzeug benötigt.

Generaldirektor Paul Schroeder bestätigte Gespräche mit Aquarius Aerial Firefighting über die Möglichkeit, eine Maschine in Luxemburg zu stationieren. Sollte die Häufigkeit oder Intensität von Wald- und Vegetationsbränden in der Region zunehmen, dürfe auch eine eigene Beschaffung nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Eine politische Kaufentscheidung liegt jedoch nicht vor. Ebenso wenig besteht derzeit ein dauerhafter Vertrag zwischen dem Staat und der Cargolux-Tochter.

Drei Maschinen im französischen Einsatz

Aquarius hat zwei Flugzeuge aus der Türkei nach Frankreich verlegt, wo sie eigentlich im Rahmen eines mehrjährigen Saisonvertrags stationiert sind. Eine dritte, gerade in Luxemburg verfügbare Maschine wurde nach RTL-Angaben für etwa 300.000 Euro von der Regierung angemietet und über das EU-Katastrophenschutzverfahren entsandt. Premierminister Luc Frieden sagte, der Staat habe das verfügbare Flugzeug kurzfristig „gefunden“.

Am Sonntag brannte das Feuer in der Gironde weiterhin, blieb aber innerhalb seines bestehenden Perimeters. In zehn Tagen wurden 42.000 Hektar Wald zerstört. In Frankreich und Spanien mussten wegen der außergewöhnlichen Brandserie zusammen mehr als 300.000 Menschen ihre Aufenthaltsorte verlassen. Diese Gleichzeitigkeit ist entscheidend: Wenn mehrere Staaten dieselben Spezialflugzeuge benötigen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass kurzfristig noch freie Kapazität vorhanden ist.

„Kein Land sollte einer Katastrophe dieses Ausmaßes jemals allein gegenüberstehen. Genau deshalb hat Europa gemeinsame Einsatzkapazitäten aufgebaut: Flugzeuge in der Luft, Feuerwehrleute am Boden und weitere Hilfe, die bereitsteht, sobald sie gebraucht wird“, sagte EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib.

Geschäftsmodell mit knappen Spezialkapazitäten

Aquarius gehört vollständig zu Cargolux und betreibt zehn Maschinen des Typs AT-802 Fire Boss. Neun sind vertraglich für die Brandsaisons 2025 bis 2027 in der Türkei stationiert, die zehnte in Spanien. Bis 2027 soll die Flotte auf zwölf Flugzeuge wachsen. Dass Maschinen aus der Türkei vorübergehend nach Frankreich wechseln konnten, zeigt die operative Beweglichkeit des Modells, sofern Verträge und Einsatzlage dies zulassen.

Der einmotorige Fire Boss fasst 3.104 Liter Wasser. Auf einem geeigneten See, Fluss oder Küstenabschnitt kann er seinen Tank in weniger als 15 Sekunden füllen. Aquarius nennt unter günstigen Bedingungen bis zu 17 Aufnahme- und Abwurfzyklen beziehungsweise 52.768 Liter pro Stunde. Die tatsächliche Leistung hängt von Wind, Rauch, Gelände, sicher nutzbaren Wasserflächen und der Flugsicherung im Einsatzraum ab.

Damit ersetzt der kleinere Fire Boss weder die Bodenkräfte noch die größeren zweimotorigen Canadairs. Seine Stärke liegt in raschen, wiederholten Abwürfen nahe dem Brandherd. Gerade bei Entstehungsbränden oder zum Schutz einer bereits von Feuerwehrleuten gehaltenen Linie kann diese Taktung wertvolle Zeit gewinnen.

Kaufen, mieten oder saisonal bereithalten

Luxemburgs Regierung hält ein eigenes Löschflugzeug gegenwärtig nicht für zwingend erforderlich. Die Gespräche mit Aquarius eröffnen jedoch mehrere Abstufungen zwischen vollständigem Verzicht und Kauf: eine saisonale Bereitschaft, garantierte Einsatzstunden, ein Verfügbarkeitsvertrag oder eine gemeinsam mit Nachbarstaaten finanzierte Lösung. Zu Kosten, Standort und Einsatzführung gibt es noch keine Festlegung.

Auf europäischer Ebene leitet der Katastrophenschutzmechanismus Hilfsersuchen an 37 teilnehmende Staaten weiter. Reichen deren Angebote nicht aus, kann die EU auf die strategische rescEU-Reserve mit 22 Flugzeugen und fünf Hubschraubern zurückgreifen. Bei den jüngsten Bränden wurden Luftfahrzeuge, Feuerwehrleute und Fahrzeuge nach Frankreich und Spanien entsandt.

Die industrielle Grundlage wäre in Luxemburg bereits teilweise vorhanden. Aquarius betreibt hier einen 1,5 Millionen Euro teuren Spezial-Simulator, in dem Piloten Wasseraufnahmen, Tiefflugabwürfe und Störfälle trainieren können. Hinzu kommen Wartungs- und Sicherheitskompetenzen aus dem Cargolux-Umfeld. Die meisten Maschinen verdienen ihr Geld dennoch im Ausland, wo große und planbare Saisonverträge bestehen.

Der CGDIS muss deshalb zunächst das Schutzziel definieren: Soll ein Flugzeug ausschließlich für Einsätze im Land bereitstehen, auch grenzüberschreitend helfen oder nur bei besonders hoher Gefahr abrufbar sein? Frankreichs Feuer liefern noch keine Antwort. Sie haben aber aus einer abstrakten Vorsorgefrage eine konkrete Beschaffungs- und Vertragsdebatte gemacht.

Kauft Luxemburg jetzt ein Löschflugzeug?
Nein. Der CGDIS prüft mit Aquarius mögliche Einsatzmodelle, doch es gibt weder einen Kaufbeschluss noch einen dauerhaften Vertrag.
Wie viele Aquarius-Flugzeuge sind in Frankreich?
Drei. Zwei wurden aus der Türkei verlegt; eine weitere verfügbare Maschine mietete Luxemburg für etwa 300.000 Euro.
Welche Kapazität hat ein AT-802 Fire Boss?
Der Tank fasst 3.104 Liter Wasser und kann auf einer geeigneten Wasserfläche in weniger als 15 Sekunden gefüllt werden.

Mehr dazu: Aquarius Aerial Firefighting, Cargolux, Cgdis, Civil Protection, France, Wildfire Response

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