Brandkatastrophe in Spanien
Waldbrand in Südspanien: Mindestens zwölf Tote bei Almería, überwiegend ausländische Urlauber
Ein Feuer nahe Los Gallardos raste über Nacht durch ausgedörrte Hügel — mehr als zwanzig Menschen werden noch vermisst.

Mindestens zwölf Menschen sind bei einem verheerenden Waldbrand in der südspanischen Provinz Almería ums Leben gekommen, mehr als zwanzig weitere galten am Samstag noch als vermisst. Nach Angaben der Behörden handelt es sich um eine der tödlichsten Brandkatastrophen, die das Land seit Jahren erlebt hat. Unter den Opfern sind überwiegend Ausländer — britische und belgische Urlauber sowie Zuwanderer, die sich im sonnenverbrannten Hinterland Andalusiens niedergelassen hatten.
Das Feuer war am späten Donnerstagabend nahe der Ortschaft Los Gallardos am Fuß der Sierra de los Filabres ausgebrochen und breitete sich über Nacht mit rasender Geschwindigkeit aus, angetrieben von böigem Wind und einem Gelände, das wochenlange Extremhitze staubtrocken hinterlassen hatte. Bis Samstag hatte es mehr als 3.200 Hektar vernichtet. Hunderte Feuerwehrleute, unterstützt von Soldaten der Militäreinheit für Notfälle, kämpften weiter gegen die Flammen und durchsuchten die verkohlte Erde nach den Vermissten.
Ein ausgetrocknetes Flussbett wird zur Falle
Viele der Opfer starben offenbar nicht in ihren Häusern, sondern auf den Straßen — sie hatten sich zur Flucht entschieden, statt an Ort und Stelle Schutz zu suchen, wie es die Behörden geraten hatten. Mehrere verließen mutmaßlich die offizielle Evakuierungsroute und fuhren auf der Suche nach einem Ausweg in ein trockenes Flussbett, wo sie das Feuer einholte. Vier Tote, die gemeinsam in einem Wagen mit Rechtslenkung gefunden wurden, waren vermutlich Briten.
„Es wurde zur Todesfalle“, sagte Antonio Sanz, Leiter des Krisenstabs der andalusischen Regionalregierung, über die Schlucht, in der mehrere Leichen geborgen wurden. Die Einsatzkräfte betonten, das Tempo des Feuers habe den Fliehenden kaum Zeit zum Reagieren gelassen. Acht Menschen wurden verletzt, einige schwer.
Wochen der Hitze, dann ein Feuersturm
Die Katastrophe traf mit dem Höhepunkt einer Hitzewelle zusammen, die die Temperaturen in Südspanien seit Tagen über 40 Grad treibt, die Vegetation austrocknet und die Pinien und das Buschwerk der Region in reinen Brennstoff verwandelt. Juan Manuel Moreno, Präsident der Regionalregierung Andalusiens, erklärte, das Zusammenspiel aus Dürre und Wind habe die Katastrophe nahezu unvermeidlich gemacht.
„Alles ist wegen der Hitzewellen extrem trocken, und das ist der perfekte Brennstoff; zusammen mit dem Wind ist es eine tickende Zeitbombe.“
Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte „unermessliche Trauer und Verzweiflung angesichts der schrecklichen Folgen des Feuers in der Provinz Almería“ und erklärte, staatliche Mittel stünden der Region zur Verfügung. Die Ursache des Brandes wird untersucht.
Eine Region der Zugezogenen
Die Hügel um Los Gallardos und das benachbarte Bédar sind übersät mit Villen und umgebauten Bauernhäusern, die Nordeuropäer erworben haben — angezogen von billigem Land, verlässlicher Sonne und stillen Tälern. Genau diese Abgeschiedenheit — verstreute Häuser am Ende gewundener Feldwege, weitab der Ortszentren — machte viele Bewohner gefährlich verletzlich, als das Feuer in der Nacht heranrückte.
Konsularbeamte mehrerer Länder arbeiteten mit den spanischen Behörden an der Identifizierung der Toten und der Suche nach den Vermissten — erschwert durch den Zustand der Leichen und die Zahl der Besucher, die zur Hochsaison in der Gegend waren. Die Behörden warnten, die Opferzahl könne noch steigen, sobald die Suchtrupps Gebiete erreichten, die während des Höhepunkts des Brandes unzugänglich gewesen waren.
Europas Sommer der Brände
Der Brand von Almería ist das folgenschwerste Einzelereignis eines Sommers, in dem erneut weite Teile Südeuropas brennen, während eine hartnäckige Hitzeglocke über dem Mittelmeer liegt und Wissenschaftler die länger und heftiger werdenden Brandsaisons mit der Erderwärmung verknüpfen. Hunderte Anwohner und Urlauber wurden aus Dörfern, von Campingplätzen und aus abgelegenen Häusern in Sicherheit gebracht, Straßen in der Region wurden gesperrt.
Die Tragödie führt vor Augen, wie verwundbar Europas Bürger fernab der Heimat sein können. Die Toten von Almería waren zumeist gewöhnliche Urlauber und Ruheständler aus dem Norden des Kontinents; belgische Opfer unter ihnen rücken das Unglück nah an die Beneluxstaaten heran. Spanien kann, wie jeder von einer solchen Lage überforderte Mitgliedstaat, das Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union und deren gemeinsame Löschflugzeugflotte anfordern — ein System, das gerade deshalb aufgebaut wurde, weil die Brandsaisons des Kontinents länger und zerstörerischer geworden sind.
Häufig gefragt
- Wo und wann brach das Feuer aus?
- Es entstand am späten Donnerstag, dem 9. Juli, nahe Los Gallardos am Fuß der Sierra de los Filabres in der südspanischen Provinz Almería und breitete sich über Nacht rasant aus.
- Wer waren die Opfer?
- Überwiegend Ausländer, darunter britische und belgische Urlauber und Zuwanderer. Vier vermutlich britische Opfer starben gemeinsam in einem Auto, nachdem sie die offizielle Evakuierungsroute verlassen hatten.
- Was war die Ursache?
- Die Ursache wird noch untersucht. Die Behörden verwiesen auf wochenlange Extremhitze, Dürre und starken Wind, die das Gelände staubtrocken machten und die rasche Ausbreitung begünstigten.
Quellen
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