Medienkonzentration

Der letzte Prüfstein steht in Brüssel

Die rund 111 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance hat Washington passiert. In Europa entscheiden zwei Fristen im Juli über das Schicksal des Zusammenschlusses.


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Leerer Kinosaal mit roten Sitzreihen vor einer leeren, schwach leuchtenden Leinwand.
Illustration: Über die Zukunft zweier großer Hollywood-Studios entscheiden nun die Aufseher in Brüssel.Illustration: KI-generiert — Étude

In den Vereinigten Staaten ging es schnell: Bereits am 12. Juni gab die Kartellabteilung des Justizministeriums die rund 111 Milliarden Dollar teure Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance frei. In Brüssel hingegen läuft die Uhr noch. Der von Paramount-Chef David Ellison vorangetriebene Zusammenschluss würde Paramount Pictures, den Sender CBS und ein großes Kabelportfolio mit HBO, CNN und dem Filmstudio Warner Bros. vereinen — und einen der größten Medienkonzerne der Welt schaffen.

Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery hatten dem Verkauf zu 31 Dollar je Aktie bereits am 23. April zugestimmt. Was fehlt, ist das Urteil der Europäischen Kommission. Es ergeht in zwei Teilen — und nach zwei unterschiedlichen Rechtsgrundlagen.

Zwei Fristen, zwei Verfahren

Nach den regulären Fusionsregeln hat die Kommission eine vorläufige Frist bis zum 7. Juli für ihre Entscheidung der ersten Phase gesetzt. Drei Wege stehen offen: die Freigabe ohne Auflagen, die Freigabe unter Bedingungen oder die Eröffnung einer vertieften Prüfung, die das Verfahren um Monate verlängern könnte. Parallel läuft ein zweites Verfahren nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen, mit einer Frist bis zum 14. Juli. Dieses noch junge Instrument soll verhindern, dass staatlich finanzierte Unternehmen den Wettbewerb im Binnenmarkt verzerren.

Die beiden Prüfungen zielen in unterschiedliche Richtungen. Die wettbewerbsrechtliche Bewertung dreht sich um Überschneidungen der Geschäftsfelder. Die Subventionsprüfung fragt, wer die Übernahme bezahlt — und hier werden die europäischen Fragen besonders heikel.

Die Frage des Golf-Kapitals

Rund 24 Milliarden Dollar der Finanzierung stammen von drei Staatsfonds aus der Golfregion: dem saudischen Public Investment Fund, der Abu Dhabier L'Imad Holding Company und der Qatar Investment Authority. Zusammen entfielen auf sie etwa 38,5 Prozent des Eigenkapitals des fusionierten Unternehmens — Teil eines ausländischen Anteils von rund 49,5 Prozent. Für eine Kommission, die staatlichem Kapital aus Golfstaaten und China zunehmend misstraut, ist das ein erklärungsbedürftiges Profil.

Paramount versucht, die Bedenken zu zerstreuen, und betont, das Geld kaufe Einfluss, nicht Kontrolle.

Die Beteiligungen würden "nicht zu einer Übertragung der Kontrolle führen", erklärte Paramount, und die Investoren erhielten "keinerlei Mitspracherechte oder Sitze im Verwaltungsrat".

Nach Darstellung des Konzerns bliebe die fusionierte Gruppe fest in den Händen der Familie Ellison und der US-Firma RedBird Capital Partners; die Golf-Fonds hielten stimmrechtsloses Eigenkapital. Ob Brüssel den Verzicht auf Aufsichtsratssitze für ausreichend hält, um die Hebelwirkung fast der halben Kapitalseite zu neutralisieren, muss die Prüfung im Juli klären.

Der Preis eines Ja

Mit einer Untersagung rechnet kaum jemand. Wahrscheinlicher ist eine Freigabe unter Auflagen. Mehreren Berichten zufolge ist Paramount bereit, im Zweifel einen Kindersender abzugeben, um Überschneidungen auszuräumen — was Marken wie das eigene Nickelodeon und Warners Cartoon Network ins Spiel bringen könnte. Eigentlich, heißt es, hoffe der Konzern, überhaupt nichts verkaufen zu müssen, und habe noch nicht entschieden, ob und wann er förmliche Zugeständnisse einreicht.

Die Tragweite reicht weit über die Vorstandsetage hinaus. Schauspieler, Filmemacher und Kinobetreiber haben lautstark Widerstand angekündigt: Würden zwei der noch sechs großen Studios zu einem verschmolzen, schrumpfe der Markt für Talente, gerieten unabhängige Kinos unter Druck und nehme die Vielfalt des Angebots ab. Auch die britische Wettbewerbsbehörde hat ein eigenes Verfahren eröffnet.

  • Fusionsprüfung: Entscheidung der ersten Phase bis 7. Juli — Freigabe, Auflagen oder vertiefte Prüfung.
  • Subventionsprüfung: Urteil nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen bis 14. Juli.
  • Mögliche Auflage: Verkauf eines Kindersenders zur Lösung inhaltlicher Überschneidungen.
  • Noch offen: ein gesondertes Verfahren der britischen Wettbewerbsbehörde.

Gibt die Kommission im Juli beide Verfahren frei, fällt das letzte große Hindernis für Ellisons erweitertes Imperium. Öffnet sie hingegen eine vertiefte Prüfung, könnte ein Geschäft, das Washington in Tagen durchwinkte, den Rest des Jahres auf Europa warten.

Wer übernimmt Warner Bros. Discovery?
Paramount Skydance unter Führung von David Ellison, in einem Geschäft mit einem Wert von rund 111 Milliarden Dollar einschließlich Schulden, dem die Aktionäre im April 2026 zustimmten.
Warum prüft die EU-Kommission den Deal?
Brüssel bewertet die Fusion nach EU-Wettbewerbsrecht und gesondert nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen, weil rund 24 Milliarden Dollar von Golf-Staatsfonds stammen.
Kann der Zusammenschluss untersagt werden?
Eine Untersagung gilt als unwahrscheinlich; wahrscheinlicher sind Auflagen wie der Verkauf eines Kindersenders oder eine vertiefte Prüfung mit Verzögerung.

Mehr dazu: European Commission, Antitrust, Gulf Sovereign Funds, David Ellison, Media Mergers, Foreign Subsidies Regulation, Warner Bros Discovery, Paramount Skydance

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