Mobilität
Tram zum Flughafen: Linie 1 überschreitet 31 Millionen Fahrgäste, doch rund 70 % der Arbeitswege erfolgen weiter mit dem Auto

Am 2. März 2025 ging der letzte Abschnitt von Luxemburgs Tram-Linie 1 in Betrieb und führt seither vom Depot am Rand von Kirchberg ostwärts durch Senningerberg bis zum neuen Endpunkt, dem Flughafen Luxemburg (Findel). Mit dieser 16 km langen Strecke, die nun durchgehend befahren wird, ist die Tram zum Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs der Hauptstadt geworden — und zu einem laufenden Test, ob kostenfreier Nahverkehr Pendelverhalten in der Breite verändern kann.
Die Zahlen
Die Fahrgastzahl ist von 6 Millionen jährlich kurz nach dem Tram-Neustart auf über 31 Millionen im Jahr 2024 gestiegen. Das ist eine Verfünffachung in fünf Jahren in einem Land mit rund 670 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und stellt Luxemburgs Tram pro Kopf unter die meistgenutzten Europas.
Die Flughafenverlängerung ist ein besonderer Erfolg. Reisende, die in Findel ankommen, können nun direkt in die Tram einsteigen und ohne Ticket Stadtzentrum, EU-Institutionen in Kirchberg, Hauptbahnhof und das Geschäftsviertel Cloche d'Or erreichen — Luxemburgs gesamter öffentlicher Nahverkehr ist seit 2020 für Einwohnerinnen, Einwohner und Gäste gleichermassen kostenlos.
Kostenfrei, gemischte Ergebnisse
Der schlagzeilenträchtige Fakt bleibt: Luxemburg war das erste Land der Welt, das den gesamten öffentlichen Nahverkehr landesweit kostenlos machte. Die härtere Tatsache: Sechs Jahre später werden rund 70 % der Arbeitswege immer noch mit dem Auto zurückgelegt. Die Gratis-Politik hat die Fahrgastzahlen klar gehoben und einige marginale Wege verschoben, doch sie hat — für sich allein — den strukturellen Anreiz zum Auto nicht durchbrochen — insbesondere nicht für die Zehntausenden Grenzgänger aus Frankreich, Belgien und Deutschland, die täglich Luxemburgs Arbeitsmarkt füllen.
Was als Nächstes ansteht
Der Staat hat Pläne für eine zusätzliche Tramlinie entlang der Autobahn A4 in Richtung Esch-sur-Alzette, der zweitgrössten Stadt des Landes, bis 2028 vorgelegt — mit einer weiteren Verlängerung in das Belval-Quartier — Heimat des Hauptcampus der Universität Luxemburg — bis 2035. Wenn diese Projekte termingerecht geliefert werden, hätte Luxemburg etwas, das einem nationalen Tram-Netz nahekommt — eine ungewöhnliche Leistung in dieser Grösse.
Die ehrliche Bilanz
Die Tram ist nach den meisten vernünftigen Massstäben ein Erfolg: mehr Fahrgäste, weniger Hürden, ein echtes Bindeglied zwischen Flughafen und Stadt. Doch die Lehre der letzten fünf Jahre lautet: Infrastruktur und Gratis-Tarif sind notwendig, nicht hinreichend. Die Auto-Abhängigkeit in einem um sie herum gebauten Land zu knacken, verlangt härtere Entscheidungen zu Parkraum, Strassenbenutzungsgebühren und grenzüberschreitender Koordination — Entscheidungen, die Luxemburg bislang aufgeschoben hat.
Häufig gefragt
- Wann wurde die Flughafen-Tram eröffnet?
- Am 2. März 2025, mit Vollendung der 16 km langen Linie 1 vom Flughafen Luxemburg (Findel) durch die Stadt.
- Ist die Tram kostenlos?
- Ja. Der gesamte öffentliche Nahverkehr in Luxemburg ist seit 2020 kostenfrei.
- Hat Gratis-Verkehr den Verkehr beseitigt?
- Nein. 2026 werden rund 70 % der Arbeitswege weiterhin mit dem Auto zurückgelegt.
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