Großbritannien

Starmer geht — und Großbritannien sucht den nächsten Regierungschef

Der Rücktritt des Premierministers öffnet Andy Burnham den Weg nach Downing Street und zwingt Brüssel, ein Gipfeltreffen zu verschieben.


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Ein leeres Rednerpult steht auf nassem Pflaster vor der schwarzen Tür von 10 Downing Street unter grauem Himmel.
Illustration. Keir Starmer kündigte seinen Rücktritt am 22. Juni 2026 vor 10 Downing Street an.Illustration: KI-generiert — Étude

Keir Starmer hat am Montag seinen Rücktritt als Vorsitzender der Labour-Partei und damit als Premierminister angekündigt. Es endet eine Amtszeit, die vor knapp zwei Jahren mit einem der größten Wahlsiege der jüngeren britischen Geschichte begann — und fast ebenso rasch zerfiel.

Vor dem Amtssitz in der Downing Street 10 stellte Starmer die Entscheidung als seine eigene dar und band sie an Land und Familie. „Der Gang diese Straße hinauf vor zwei Jahren war der stolzeste Moment meines Lebens“, sagte er, bevor er den Rückzug erklärte.

„Jede Entscheidung, die ich getroffen habe, galt zuerst dem Land, das ich liebe. Deshalb werde ich als Vorsitzender der Labour-Partei zurücktreten.“

Künftig wolle er mehr Zeit als Vater verbringen, sagte Starmer. Bis die Partei einen Nachfolger bestimmt hat, bleibt er im Amt — der Zeitpunkt der Übergabe liegt damit beim internen Fahrplan von Labour, nicht bei den Wählern.

Rücktritt vor der eigenen Tür

Auslöser war ein parteiinterner Aufstand, der nach herben Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai an Wucht gewann. Den entscheidenden Stoß setzte vergangene Woche Andy Burnham, der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester: Er gewann eine Nachwahl im Wahlkreis Makerfield und wurde als Abgeordneter vereidigt — ein Mandat, das eigens den Weg zur Kandidatur ebnen sollte.

Für einen 2024 mit komfortabler Mehrheit gewählten Regierungschef ist das Tempo des Niedergangs bemerkenswert. Das Mandat war gewaltig, der Rückhalt dahinter dünn. Starmer regierte kürzer, als es die Größe seines Sieges einst nahelegte.

Das Kabinett der kurzen Amtszeiten

Wer auch immer folgt, wird der siebte Regierungschef binnen eines Jahrzehnts sein — eine Reihe, die von David Cameron über Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak bis zu Starmer selbst reicht. Für ein Land, das einst auf Kontinuität setzte, ist die Drehtür in der Downing Street zum Wesensmerkmal seiner Politik geworden.

Burnham gilt als klarer Favorit. Die Nominierungen bei Labour sollen am 9. Juli beginnen und mit der Sommerpause des Parlaments um den 16. Juli enden. Tritt nur ein Bewerber an, könnte der Wechsel binnen Wochen erfolgen; andernfalls stünde ein neuer Vorsitzender Anfang September fest.

  • Starmer tritt als Labour-Chef und Premier zurück, bleibt aber bis zur Kür eines Nachfolgers im Amt.
  • Andy Burnham, über die Nachwahl in Makerfield zurück im Parlament, hat seine Kandidatur bestätigt.
  • Die Nominierungen beginnen am 9. Juli; ein neuer Vorsitzender wird spätestens Anfang September erwartet.

Brüssel verschiebt das Wiedersehen

Die Folgen erreichten den Kontinent binnen Stunden. Ein zweites EU-Gipfeltreffen mit London, geplant für den 22. Juli in Brüssel, sollte den behutsamen Neuanfang voranbringen, den Starmer seit Amtsantritt verfolgte: einen Sicherheits- und Verteidigungspakt, ein Abkommen über Lebensmittel- und Pflanzenstandards, die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen und ein Programm zur Jugendmobilität. Mit dem scheidenden Premier verliert diese Agenda ihren Unterzeichner.

EU-Ratspräsident António Costa bestätigte die Verschiebung. „Wir müssen es auf jeden Fall verschieben, aber wir prüfen neu, ob dieses Treffen sinnvoll ist“, sagte er und äußerte die Hoffnung, Starmers Nachfolger werde den „guten Weg“ der Annäherung fortsetzen.

Für die 27 Mitgliedstaaten geht es nun weniger um Termine als um die Richtung. Burnham ist in den EU-Hauptstädten weniger bekannt als der juristisch nüchterne Starmer. Brüssel stellt sich auf eine Pause ein, bis in Westminster geklärt ist, wer am Verhandlungstisch Platz nimmt — ein lange vorbereiteter Neustart, ausgebremst durch eine Führungswahl, an der kein EU-Vertreter teilnimmt.

Warum tritt Keir Starmer zurück?
Nach schwachen Kommunalwahlen im Mai und wachsendem innerparteilichen Druck wurde eine Kampfkandidatur Andy Burnhams nahezu sicher — Starmer zog daraufhin die Konsequenz.
Wer dürfte ihm nachfolgen?
Andy Burnham, früherer Bürgermeister von Greater Manchester und soeben über eine Nachwahl ins Parlament zurückgekehrt, gilt als Favorit und hat seine Kandidatur bestätigt.
Was wird aus dem EU-Gipfel?
Das für den 22. Juli geplante Treffen in Brüssel wurde verschoben; Ratspräsident António Costa erklärte, die EU prüfe Zeitpunkt und Sinn neu.

Mehr dazu: Keir Starmer, Uk Politics, Labour Party, Andy Burnham, Downing Street, Uk Eu Relations

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