China
Leichtflugzeug rast in Pekings höchsten Wolkenkratzer
Eine zweisitzige Maschine traf am Freitag die oberen Etagen des 528 Meter hohen CITIC-Turms. Die Behörden riegelten das Gelände binnen Minuten ab — und im Netz verschwanden die Videos.

Kurz vor 18 Uhr verwandelte sich am Freitag das Herz von Pekings zentralem Geschäftsviertel für wenige Minuten in einen Ort herabstürzender Trümmer und flüchtender Menschen. Ein kleines Flugzeug traf die oberen Etagen des CITIC-Turms — des 528 Meter hohen Wolkenkratzers mit dem Namen China Zun, des höchsten Gebäudes der chinesischen Hauptstadt — und stürzte anschließend nahe dem Eingang zu Boden. Das geht aus Videos hervor, die internationale Medien verifiziert haben, sowie aus Schilderungen von Passanten.
Den Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 zufolge handelte es sich um eine Sunward SA60L Aurora, ein zweisitziges, einmotoriges Leichtflugzeug aus chinesischer Produktion. Gestartet war die Maschine vom Flugfeld Shifosi, rund 50 Kilometer östlich der Stadt. Auf einer deutlich abweichenden Route näherte sie sich dem Zentrum, ehe sie gegen 17.40 Uhr Ortszeit einschlug.
Trümmer über dem Bankenviertel
Die Aufnahmen, die kursierten, bevor sie gelöscht wurden, zeigten die Folgen in Bruchstücken: ein Heckteil auf dem Gehweg, die zerborstene Scheibe eines Taxis, zwei herausgebrochene Glaspaneele weit oben an der Fassade. Auf dem Vorplatz liefen die Menschen auseinander. Wer den Arbeitstag gerade beendet hatte, ließ alles stehen und liegen.
„Ich bin ohne Ausweis und ohne Tasche hinausgerannt“, sagte eine Frau mit Nachnamen Lin am Ort des Geschehens.
Die Polizei sperrte die umliegenden Straßen, das Gebäude wurde geräumt, Rettungswagen rückten an. Der CITIC-Turm ist keine gewöhnliche Adresse: 2018 fertiggestellt und der Form eines antiken chinesischen Weingefäßes nachempfunden, ist er der Hauptsitz der staatlichen CITIC Group, eines der größten Finanz- und Industriekonzerne des Landes, und zählt zu den zehn höchsten Bauwerken der Welt.
Eine Mauer des Schweigens
Stunden nach dem Aufprall hatten die chinesischen Behörden so gut wie nichts mitgeteilt. Es gab keine offizielle Bestätigung, wie viele Menschen verletzt wurden, ob jemand an Bord überlebte oder was den Absturz verursachte. Die Staatsmedien berichteten knapp, und auf den chinesischen Plattformen wurden Videos, Bilder und Suchergebnisse zu dem Vorfall fast ebenso schnell entfernt, wie sie auftauchten.
Dieser Reflex ist in China vertraut: Die Steuerung eines heiklen Ereignisses beginnt oft mit der Steuerung seiner Bilder. Ungewöhnlich ist diesmal, wie sichtbar der Gegenstand des Schweigens ist — ein brennendes Fragezeichen über der Skyline der Hauptstadt, in einem Viertel, das Ordnung und Kontrolle ausstrahlen soll.
Unfall oder Absicht?
Die Frage, die die Behörden nicht beantworteten, war die, die alle stellten: Unfall oder vorsätzliche Tat? Leichtflugzeuge dringen praktisch nie in den streng gesperrten Luftraum über dem Zentrum Pekings ein, und die Abweichung der Maschine von ihrer erwarteten Route fiel sofort auf. Die Financial Times berichtete, die Polizei habe ein am Startflugplatz abgestelltes Fahrzeug durchsucht und dessen Halter ermittelt — ein Hinweis darauf, dass die Ermittler auch vom Boden her rückwärts arbeiten.
Gesichert ist vorerst nur wenig:
- Ein Leichtflugzeug vom Typ Sunward SA60L Aurora traf gegen 17.40 Uhr die oberen Etagen des 528 Meter hohen CITIC-Turms.
- Gestartet war es vom Flugfeld Shifosi östlich von Peking, auf abweichendem Kurs.
- Trümmer fielen in das Geschäftsviertel; das Gebäude wurde geräumt, Straßen abgesperrt.
- Zu Opfern und Ursache schwiegen die Behörden, Aufnahmen wurden aus dem Netz gelöscht.
Was auf dieser Liste fehlt, ist fast alles, was den Vorfall erklären würde. Solange Peking nicht spricht, steht das prominenteste Gebäude der Stadt als Mahnmal einer Geschichte, die die eigene Regierung offenbar im Verborgenen halten will.
Häufig gefragt
- Was ist der CITIC-Turm?
- Der auch China Zun genannte Wolkenkratzer ist ein 2018 fertiggestelltes, 528 Meter hohes Gebäude im Geschäftsviertel von Peking. Er ist das höchste Bauwerk der Hauptstadt und Hauptsitz der staatlichen CITIC Group.
- War der Einschlag ein Unfall oder Absicht?
- Das ist nicht geklärt. Die Behörden nannten keine Ursache. Die Abweichung der Maschine von ihrer Route wirft Fragen auf; Ermittler durchsuchten Berichten zufolge ein Fahrzeug am Startflugplatz.
- Gab es Opfer?
- Die chinesischen Behörden bestätigten nicht, wie viele Menschen verletzt wurden oder ob jemand an Bord überlebte. Gesicherte Opferzahlen lagen nicht vor.
Quellen
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