Luftsicherheit

Risse im Flügel des größten Passagierjets der Welt

Die EASA ordnet die Sofortinspektion von 16 Airbus A380 an, nachdem Risse im tragenden Flügelholm entdeckt wurden — die meisten Maschinen fliegen für Emirates.


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Ein neutrales Doppeldeck-Großraumflugzeug in einer Wartungshalle, unter dem Flügel ein Arbeitsgerüst im Scheinwerferlicht.
Ein Großraumflugzeug in der Wartungshalle. Symbolbild; es zeigt weder ein bestimmtes Flugzeug noch die von der EASA angeordneten Inspektionen.Illustration: KI-generiert — Étude

Die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA hat die dringende Überprüfung der Tragflächen des größten Passagierflugzeugs der Welt angeordnet. Grund sind Risse in einem Holm, der wesentliche Lasten des Fluges aufnimmt. Die als Notfall eingestufte Lufttüchtigkeitsanweisung wurde am 22. Juni veröffentlicht und tritt am 24. Juni in Kraft. Betroffen sind 16 Maschinen vom Typ Airbus A380 — 15 davon im Dienst von Emirates, eine bei Qantas.

Die Behörde reagierte auf die Auswertung früherer Inspektionsdaten. Die Risse in dem betroffenen Bereich könnten, so die EASA, „die strukturelle Integrität des Flügels beeinträchtigen". Eine Stilllegung der weltweiten A380-Flotte wurde nicht verfügt; Hinweise auf eine unmittelbare, flottenweite Gefahr lägen nicht vor.

Die Schwachstelle im Flügelkasten

Betroffen ist der mittlere Flügelholm, eines jener langen Tragelemente, die im sogenannten Flügelkasten über die gesamte Spannweite verlaufen. Diese Holme nehmen einen Großteil der aerodynamischen Belastungen auf, die ein Flugzeug in der Luft erfährt; sie biegen sich bei jedem Flug. Bei einer Maschine in der Dimension des A380 — ein Doppeldecker mit fast 80 Metern Spannweite — gehören sie zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen.

Risse dieser Art sind ein typisches Ermüdungsphänomen, auf das Ingenieure achten, je mehr Flugzyklen ein Flugzeug über die Jahre ansammelt. Die Anordnung der EASA ist das Ergebnis einer Wartungsanalyse, nicht eines Vorfalls in der Luft. Verletzte oder Versagensfälle sind nicht gemeldet.

Zwei Fristen für die Airlines

Die Anweisung kennt zwei Zeitpläne. Fünf der Emirates-Maschinen müssen überprüft werden, bevor sie erneut starten dürfen. Die übrigen elf — zehn weitere Emirates-Jets sowie die eine Qantas-Maschine — haben ein längeres Zeitfenster und sind innerhalb von 25 Flugzyklen zu kontrollieren. Die Betreiber erhalten das detaillierte Prüfverfahren von Airbus und müssen ihre Befunde binnen sieben Tagen melden, unabhängig davon, ob Risse gefunden werden. Jede Maschine mit Schäden ist vor der Rückkehr in den Liniendienst zu reparieren.

Emirates, das stärker als jede andere Gesellschaft auf den A380 setzt, kündigte an, die Arbeiten ohne Stilllegung der Flotte durchzuführen.

Emirates wird die Vorgaben einhalten und die geforderten Inspektionen gemäß der Lufttüchtigkeitsanweisung durchführen. Wir stehen in engem Kontakt mit Airbus und den zuständigen Behörden, um Störungen im Flugbetrieb möglichst gering zu halten.

Ein alternder Riese

Der A380 ging 2007 in Dienst, als Airbus' Antwort auf das Zeitalter der Jumbos — ein Vorzeigemodell für weit über 500 Passagiere zwischen den größten Drehkreuzen der Welt. Wirtschaftlich erfüllte das Flugzeug die Erwartungen nie; 2021 beendete Airbus die Produktion. Die bereits gebauten Maschinen aber sind weit von der Ausmusterung entfernt.

Allein Emirates betreibt 116 A380, die größte Flotte der Welt und mehr als die Hälfte aller noch fliegenden Exemplare. Ohne Nachfolgemodell und bei anhaltend starker Nachfrage auf den Langstrecken hat die Fluggesellschaft aus Dubai darauf gesetzt, den Typ bis weit ins kommende Jahrzehnt in der Luft zu halten. Damit ist der Zustand einer alternden Flotte ebenso eine kommerzielle wie eine sicherheitstechnische Frage.

  • Anweisung am 22. Juni veröffentlicht, gültig ab 24. Juni 2026.
  • 16 Maschinen betroffen: 15 Emirates, 1 Qantas.
  • 5 Jets vor dem nächsten Start zu prüfen, 11 binnen 25 Flugzyklen.
  • Meldung der Befunde an die Behörde innerhalb von sieben Tagen.

Druck auf Airbus

Der Fall trifft Airbus zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Konzernchef hat öffentlich beklagt, die europäische Regulierung sei zu schwerfällig und zu langsam. Hier tut die europäische Aufsicht genau das, wofür sie geschaffen wurde: Sie meldet ein strukturelles Risiko an einem in Europa gebauten Flugzeug, bevor es zur Gefahr wird. Für Passagiere liegt darin eine Beruhigung — das System zur Überwachung der Materialermüdung hat das Problem am Boden erkannt. Für den Hersteller ist es eine Erinnerung daran, dass die für Jahrzehnte gebauten Riesen jede einzelne Maschine zur genauen Beobachtung zwingen.

Ist die gesamte A380-Flotte stillgelegt?
Nein. Die EASA ordnete gezielte Inspektionen von 16 Maschinen an; fünf davon müssen vor dem nächsten Start geprüft werden, der Rest der weltweiten Flotte fliegt weiter.
Was genau ist gerissen?
Der mittlere Flügelholm — ein langer Träger im Flügelkasten, der einen Großteil der aerodynamischen Belastungen des Fluges aufnimmt.
Müssen Passagiere sich Sorgen machen?
Die Aufsicht sieht kein Zeichen einer unmittelbaren Gefahr; die Risse wurden bei einer Wartungsanalyse erkannt, nicht bei einem Vorfall, und beschädigte Maschinen müssen vor dem Liniendienst repariert werden.

Mehr dazu: Aviation Safety, Wing Cracks, Qantas, Easa, Emirates, Airbus A380

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