Investitionsentscheidung
Luxair bestellt fünf Boeing- und Embraer-Jets für den Flottenausbau
Mit größeren Boeing 737-10 und kleineren E190-E2 legt die Fluggesellschaft die Kapazitätsstruktur für die kommenden Jahre fest.

Für den Luxemburger Luftverkehr ist es eine Weichenstellung bis weit in das nächste Jahrzehnt: Luxair hat fünf zusätzliche Flugzeuge verbindlich bestellt und damit festgelegt, mit welcher Mischung aus Kapazität und Frequenz die Gesellschaft ihr Netz künftig betreiben will.
Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough bestätigte Luxair am Dienstag zwei weitere Boeing 737-10 sowie drei Embraer E190-E2. In beiden Fällen wurden bereits vorhandene Optionen beziehungsweise Kaufrechte in Festbestellungen umgewandelt. Zugleich sicherte sich die Fluggesellschaft neue Rechte auf zwei weitere 737-10 und einen zusätzlichen E190-E2.
Der Schwerpunkt liegt damit nicht allein auf Wachstum. Die Kombination zweier unterschiedlich großer Muster soll Luxair ermöglichen, stark ausgelastete Verbindungen mit mehr Sitzen zu bedienen und auf schmaleren Geschäftsreiserouten dennoch eine hohe Frequenz anzubieten.
Zwölf Boeing-Jets im festen Auftragsbuch
Nach dem neuen Abschluss hat Luxair acht Boeing 737-8 und vier 737-10 fest bestellt. Die beiden jetzt verbindlichen 737-10 waren Teil einer Vereinbarung aus dem Jahr 2024. Durch zwei neue Optionen bleibt eine spätere Aufstockung möglich, ohne dass sie bereits beschlossen wäre.
Die 737-10 soll bei Luxair 213 Sitzplätze erhalten. Damit eignet sie sich insbesondere für Strecken, auf denen die Nachfrage zu Ferienzeiten oder im Geschäftsverkehr gebündelt auftritt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die Luftfahrtberatung IBA den Wert der beiden neu bestätigten Boeing-Jets nach branchenüblichen Rabatten auf rund 124 Millionen Dollar. Einen Vertragspreis nannten die beteiligten Unternehmen nicht.
Die Investition ist allerdings mit einem zeitlichen Vorbehalt verbunden. Boeing meldete Mitte Juli Fortschritte bei der Zulassung der 737-10, doch das größte Modell der MAX-Familie befand sich zum Zeitpunkt der Bestellung weiterhin im Zertifizierungsverfahren. Liefertermine für die beiden Maschinen gab Luxair nicht bekannt.
„Die Boeing 737-10 bietet uns die zusätzliche Kapazität, betriebliche Effizienz und Flexibilität, die wir zur Deckung der künftigen Nachfrage benötigen“, erklärte Luxair-Chef Gilles Feith.
Der E190-E2 schließt eine Kapazitätslücke
Parallel baut Luxair die noch junge Embraer-Flotte aus. Drei Kaufrechte für den E190-E2 wurden zu Festbestellungen; ein weiteres Kaufrecht kam hinzu. Insgesamt stehen nun neun Flugzeuge der E2-Familie verbindlich im Auftragsbuch.
Sechs davon sind E195-E2, von denen vier bereits im Streckennetz eingesetzt werden. Die drei neu bestellten E190-E2 sind kleiner und für Luxair mit 100 Plätzen vorgesehen. Das erste Exemplar soll Ende 2028 zur Flotte stoßen.
Betriebswirtschaftlich liegt der Vorteil in der Abstufung. Ein kleineres Flugzeug kann auf einer Geschäftsverbindung mehrere tägliche Abflüge wirtschaftlicher machen, wenn für eine 737 nicht genügend Passagiere vorhanden sind. Auf nachfragestarken Strecken senkt die größere Boeing dagegen die Kosten je angebotenem Sitz, sofern sie ausreichend ausgelastet ist.
Hinzu kommt die technische Verwandtschaft zwischen E190-E2 und E195-E2. Gemeinsame Systeme und ähnliche Verfahren erleichtern grundsätzlich Einsatzplanung, Schulung und Wartung. Luxair erweitert damit nicht um ein völlig fremdes Muster, sondern differenziert eine bereits eingeführte Flugzeugfamilie.
Modernisierung garantiert noch keine Emissionssenkung
Luxair und Boeing stellen für die neue 737-Generation einen rund 20% niedrigeren Treibstoffverbrauch und entsprechend geringere Emissionen gegenüber den zu ersetzenden Flugzeugen heraus. Diese Angabe beschreibt die Effizienz des einzelnen Flugzeugs beziehungsweise Sitzplatzes; sie sagt nichts Abschließendes über die Gesamtemissionen der Gesellschaft aus.
Wächst das Flugangebot deutlich, kann der absolute Ausstoß trotz effizienterer Technik steigen. Entscheidend wird sein, welche älteren Maschinen tatsächlich ausgemustert werden, wie hoch die Auslastung ausfällt und ob die neuen Flugzeuge vor allem Ersatz oder zusätzliche Kapazität darstellen.
Auch die Lieferfähigkeit der Hersteller bleibt ein Risiko. Engpässe bei Zulieferern und verspätete Programme haben Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren wiederholt gezwungen, ältere Jets länger zu betreiben oder vorübergehend Kapazität anzumieten. Die zeitlich gestaffelte Einführung begrenzt zwar das Risiko eines abrupten Überangebots, erhöht aber die Abhängigkeit von den Produktionsplänen zweier Hersteller.
Für den Findel ist die strategische Richtung dennoch deutlich. Luxair sichert sich knappe Lieferpositionen und bereitet ein Netz vor, das sowohl volumenstarke Verbindungen als auch häufige Flüge zu europäischen Wirtschaftszentren tragen soll. Die Bestellung ist deshalb mehr als ein Einkauf auf einer Luftfahrtmesse: Sie bestimmt, welche Verbindungen Luxemburg gegen Ende des Jahrzehnts wirtschaftlich anbieten kann.
Häufig gefragt
- Welche Flugzeuge hat Luxair bestellt?
- Zwei Boeing 737-10 mit 213 Sitzen sowie drei Embraer E190-E2 mit jeweils 100 Sitzen.
- Wie groß ist der gesamte feste Auftragsbestand?
- Luxair hat zwölf Boeing-Flugzeuge und neun Jets der Embraer-E2-Familie fest bestellt.
- Sind die Boeing 737-10 bereits zugelassen?
- Zum Zeitpunkt der Bestellung lief das Zertifizierungsverfahren noch. Boeing berichtete zuletzt über Fortschritte, Luxair nannte aber keine Liefertermine.
Quellen
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