Katastrophenschutz in Ostindonesien

Erdbeben auf Flores fordert mindestens 47 Tote und blockiert Rettungswege

Nach dem Beben der Stärke 7,7 erschweren Erdrutsche, Stromausfälle und unterbrochene Verbindungen die Schadensaufnahme.


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Eine Bergstraße auf Flores, die nach einem Erdbeben von einem Erdrutsch blockiert ist.
Illustrative Darstellung der Erdrutsche und Straßenschäden, die nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 die Rettungsarbeiten auf Flores erschweren.Illustration: KI-generiert — Étude

Das Ausmaß der Katastrophe auf Flores lässt sich auch Stunden nach dem schweren Erdbeben nur unvollständig erfassen. Mindestens 47 Menschen kamen ums Leben, mindestens 50 weitere wurden in Krankenhäuser gebracht. Doch aus mehreren abgelegenen Orten fehlen weiterhin verlässliche Meldungen: Erdrutsche haben Straßen verschüttet, Stromausfälle beeinträchtigen die Kommunikation, und einige Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Besonders viele Todesopfer wurden nach Angaben der indonesischen Katastrophenschutzbehörde in den Regierungsbezirken Sikka, Manggarai und Ost-Manggarai geborgen. Die Behörden rechnen damit, dass die Bilanz noch steigt, sobald Suchmannschaften die bislang unzugänglichen Gebiete erreichen.

Nach Messungen des US Geological Survey ereignete sich das Beben am Samstag um 5.58 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag rund 68 Kilometer nordnordwestlich von Ende in der Provinz Ost-Nusa Tenggara, der Erdbebenherd nur etwa zehn Kilometer tief. Bei einem derart flachen Beben kann die Erschütterung an der Oberfläche besonders zerstörerisch ausfallen.

Die beschädigte Infrastruktur bestimmt das Tempo

Mindestens 157 Häuser wurden vollständig zerstört, fast 200 weitere beschädigt. Hinzu kommen mehr als 100 öffentliche Einrichtungen, darunter Schulen, Gesundheitszentren und Kirchen. Rund 2.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und befinden sich in Notunterkünften oder höher gelegenen, als sicherer geltenden Gebieten.

Damit stehen die Einsatzkräfte vor zwei Aufgaben zugleich. Sie müssen Verschüttete suchen und Verletzte versorgen, während sie Unterkünfte mit Trinkwasser, Lebensmitteln, sanitären Anlagen und medizinischem Material ausstatten. In der Inselprovinz verlängert jede unterbrochene Straße die Transportwege erheblich.

In Ende blockierten Erdrutsche Abschnitte der Trans-Flores-Straße. Die etwa 700 Kilometer lange Verbindung führt von Labuan Bajo im Westen bis Larantuka im Osten und bildet das Rückgrat des Straßenverkehrs auf der langgestreckten Insel. Wo Geröll und aufgebrochener Asphalt die Strecke versperren, erreichen auch schweres Räumgerät und Krankenwagen die betroffenen Orte nur verzögert.

Wir sammeln weiterhin Meldungen über Schäden und Opfer, doch die Kommunikationsverbindungen sind unterbrochen.

Rudi Darmoko, Polizeichef von Ost-Nusa Tenggara

Die Regierung entsandte drei Hubschrauber und ein Rettungsschiff. Sie sollen Hilfsgüter transportieren und bei Evakuierungen helfen. Luft- und Seeverbindungen können die blockierten Straßen teilweise ersetzen, ihre Kapazität reicht jedoch nicht an einen funktionierenden Landtransport heran.

Entwarnung an der Küste, Unsicherheit im Inselinneren

Unmittelbar nach dem Beben hatte Indonesiens Wetter- und Geophysikbehörde eine Tsunamiwarnung für Teile von Ost- und West-Nusa Tenggara sowie Süd- und Südost-Sulawesi ausgegeben. Bewohner der Küsten wurden aufgefordert, Strände und Flussmündungen zu verlassen und höheres Gelände aufzusuchen.

Die Warnung wurde später aufgehoben. Die Messstationen registrierten keine bedeutende Veränderung des Meeresspiegels, von der eine fortdauernde Gefahr ausgegangen wäre; kleinere Tsunamiwellen wurden allerdings gemeldet. Für viele Menschen auf Flores war die Flucht bergauf dennoch eine naheliegende Reaktion auf die heftigen Erschütterungen.

Das Beben war auf weiten Teilen der Insel zu spüren. Schäden wurden aus Maumere, dem Verwaltungszentrum von Sikka, und aus Labuan Bajo gemeldet, dem Ausgangspunkt für Reisen in den Komodo-Nationalpark. Auch in Bima auf der benachbarten Insel Sumbawa und in Teilen des südlichen Sulawesi wurden Auswirkungen festgestellt.

In einem Priesterseminar in Sikka stürzte während der Morgenmesse ein Teil des Dachs eines Versammlungssaals ein; Studenten und Ordensleute konnten ins Freie fliehen. Am Hafen von Maumere gehörte der Wartebereich des Terminals zu den beschädigten Gebäudeteilen. Die frühen Morgenstunden trafen damit sowohl Menschen in Wohnhäusern als auch Gemeinden, die sich bereits zum Gottesdienst versammelt hatten.

Die Erfahrung früherer Tsunamis prägt die Reaktion

Flores gehört zu einer tektonisch hochaktiven Region. Indonesien liegt am Pazifischen Feuerring, an dem mehrere Erdplatten aufeinandertreffen. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind häufig; die Verteilung des Landes auf mehr als 17.000 Inseln macht großflächige Hilfseinsätze zusätzlich kompliziert.

Die Insel selbst erlitt 1992 ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami, bei dem etwa 2.500 Menschen starben. 2018 verwüsteten ein Beben der Stärke 7,5 und ein lokaler Tsunami die Gegend um Palu auf Sulawesi; mehr als 4.400 Menschen kamen ums Leben. Diese Vorgeschichte erklärt, warum Küstengemeinden Warnungen sofort befolgen, selbst wenn sie später aufgehoben werden.

Auf Flores entscheidet nun der Zugang zu den abgeschnittenen Dörfern über die weitere Bilanz. Schon die bestätigten Zahlen zeigen eine schwere Katastrophe: mindestens 47 Tote, Dutzende Verletzte, Hunderte zerstörte oder beschädigte Häuser und rund 2.000 Vertriebene. Ein abschließendes Lagebild wird es erst geben, wenn Rettungskräfte alle betroffenen Gemeinden erreicht haben.

Wo lag das Epizentrum des Erdbebens?
Es lag rund 68 Kilometer nordnordwestlich von Ende in der Provinz Ost-Nusa Tenggara und etwa zehn Kilometer unter der Oberfläche.
Wie viele Opfer wurden bislang gemeldet?
Bestätigt sind mindestens 47 Tote und mindestens 50 Menschen, die in Krankenhäuser gebracht wurden; die Bilanz ist weiterhin vorläufig.
Besteht noch Tsunamigefahr?
Die indonesische Behörde hat die Warnung aufgehoben, nachdem keine bedeutenden Meeresspiegeländerungen mit fortdauernder Gefahr festgestellt wurden; kleinere Wellen wurden gemeldet.

Mehr dazu: East Nusa Tenggara, Flores, Indonesia Earthquake, Natural Disasters, Search And Rescue, Tsunami Warning

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