Sudan

Vor den Toren von El Obeid

Während die Miliz RSF zum Sturm auf die Hauptstadt Nord-Kordofans aufmarschiert, warnen Washington und eine von Europäern getragene Koalition: Massengräueltaten könnten unmittelbar bevorstehen.


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Eine leere, staubige Straßenkreuzung am Rand einer Sahelstadt unter dunstigem Himmel, Sinnbild einer vom Krieg abgeschnittenen Stadt.
Illustration. El Obeid, Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Nord-Kordofan, liegt am Schnittpunkt der Fernstraßen zwischen Khartum, Darfur und dem Süden.Illustration: KI-generiert — Étude

Eine Warnung, die ausgesprochen wird, ehe das Verbrechen geschehen ist: Das US-Außenministerium hat am 22. Juni erklärt, dass die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) Truppen um die sudanesische Stadt El Obeid zusammenzögen und die Gefahr für die Zivilbevölkerung akut geworden sei.

"Es gibt alarmierende Anzeichen dafür, dass Massengräueltaten unmittelbar bevorstehen könnten und die ohnehin katastrophale humanitäre Lage im Sudan weiter verschärfen würden."

Der Satz ist mit Bedacht gewählt. Die jüngere Geschichte des Landes hat der Sprache der Prävention einen düsteren Maßstab gegeben.

Eine Stadt als Knotenpunkt

El Obeid, Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan, zählt zu den größten Städten des Sudan und liegt am Schnittpunkt der Fernstraßen zwischen Khartum, dem westlichen Darfur und dem Süden. Beide Kriegsparteien betrachten die Region Kordofan als entscheidend — als Scharnier, an dem sich entscheidet, ob das Land zusammenhält oder zerfällt. Die Armee durchbrach Anfang 2025 eine frühere RSF-Belagerung und baute die Stadt zum vorgeschobenen Operationszentrum für die Fronten in Kordofan und Darfur aus. Für die RSF wäre ihre Einnahme der Schlüssel zu einem Nachschubkorridor von den Hochburgen in Darfur bis ins Zentrum des Landes.

Den Preis zahlt schon jetzt die eingeschlossene Bevölkerung. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden binnen zehn Tagen mindestens 50 Zivilisten durch Drohnenangriffe in El Obeid und im weiteren Nord-Kordofan getötet. Ein Angriff auf den zentralen Transformator stürzte die Stadt am Freitag in einen vollständigen Stromausfall; das Netzwerk sudanesischer Ärzte erklärte, der gezielte Beschuss der Strom- und Treibstoffinfrastruktur habe Krankenhäuser zur Schließung gezwungen und Wasserstationen lahmgelegt. Seit mehr als achtzehn Monaten leben die Menschen mit den Bedingungen einer Belagerung.

Eine Warnung auf Vorrat

Rund 500.000 Zivilisten gelten in und um die Stadt als gefährdet. Sowohl der UN-Menschenrechtsrat als auch der Sicherheitsrat warnten vor einer drohenden Bodenoffensive. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk verwies darauf, dass die Gefahr Muster trage, die in diesem Krieg bereits dokumentiert wurden — in el-Fasher und im Vertriebenenlager Zamzam, wo der Vormarsch der RSF im vergangenen Jahr von Ermittlern als mit den Merkmalen eines Völkermords behaftet beschrieben wurde.

Genau dieser Vergleich macht den Kern der Sorge aus. Die Furcht ist nicht abstrakt: dass El Obeid zum nächsten Namen auf einer Liste wird, die es schon gibt.

Europas Stimme

Am 18. Juni verlas Norwegen im Genfer Menschenrechtsrat eine Erklärung im Namen einer Koalition zur Verhütung von Gräueltaten und für Gerechtigkeit im Sudan — getragen im Kern von Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Irland, den Niederlanden und Sierra Leone, unterstützt von 21 weiteren Staaten. "Wir sind zutiefst beunruhigt über die akute Gefahr von Gräueltaten und gezielten Tötungen im Sudan", hieß es darin.

Die Aufzählung liest sich wie ein Verzeichnis europäischer Außenministerien — ein Beleg dafür, dass die diplomatische Energie hinter diesen Warnungen vor allem europäisch ist. Sie legt zugleich die zentrale Ohnmacht des Krieges offen: den Abstand zwischen dem Benennen einer Gefahr und ihrer Abwehr. Der seit April 2023 tobende Konflikt hat bereits Zehntausende getötet und Millionen vertrieben; wirksame Hebel von außen sind kaum vorhanden.

Vorerst häufen sich die Erklärungen schneller, als ein Plan zu ihrer Umsetzung reift. El Obeid wartet — ein Knotenpunkt im Dunkeln, dessen halbe Million Einwohner darauf horcht, was als Nächstes die Straße herunterkommt.

Warum ist El Obeid strategisch so wichtig?
Als Hauptstadt Nord-Kordofans liegt die Stadt am Schnittpunkt der Fernstraßen zwischen Khartum, Darfur und dem Süden; ihre Einnahme verschaffte der RSF einen Nachschubkorridor von Darfur ins Zentrum des Landes.
Was sind die RSF?
Die Rapid Support Forces sind eine sudanesische Miliz, die seit April 2023 gegen die Armee kämpft — in einem Krieg, der Zehntausende getötet und Millionen vertrieben hat.
Was kann die internationale Gemeinschaft tun?
Bislang bleibt es bei Erklärungen und Forderungen nach humanitärem Zugang und Zurückhaltung; direkte Druckmittel gegen die RSF vor Ort fehlen weitgehend.

Mehr dazu: North Kordofan, United Nations, Humanitarian Crisis, Sudan, Rapid Support Forces, El Obeid

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