Alterssicherung

Luxemburgs Rentenreform reicht laut CNAP-Chef nicht für dauerhafte Finanzierung

Die höhere Beitragslast verschafft dem System Luft. Den demografischen Kern des Problems beseitigt sie nach Einschätzung von Alain Reuter jedoch nicht.


Lesezeit · 4 Min.

Eine unbeschriftete Rentenakte und drei Stapel Euromünzen auf einem leeren Schalter.
Symbolische Darstellung der von Beschäftigten, Arbeitgebern und Staat getragenen Beiträge zum Luxemburger Rentensystem.Illustration: KI-generiert — Étude

32 Milliarden Euro Reserve klingen nach einem komfortablen Polster. Für Alain Reuter ist die Zahl jedoch kein Grund, die Luxemburger Rentenfrage als erledigt zu betrachten. Der Präsident der Pensionskasse CNAP sieht in der seit Jahresbeginn geltenden Reform eine finanzielle Atempause, nicht aber die Beseitigung des strukturellen Ungleichgewichts.

Die Reform greift bereits in die Abrechnungen von Beschäftigten und Betrieben ein. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesamte Beitragssatz 25,5 statt 24 Prozent. Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Staat tragen jeweils 8,5 Prozent; zuvor waren es je 8 Prozent. Der erhöhte Satz ist zunächst bis 2032 vorgesehen.

Solide Reserve, sinkende Reichweite

Ende 2025 verfügte das allgemeine Rentensystem über 32 Milliarden Euro. Das entsprach dem 4,24-Fachen der jährlichen Ausgaben und lag damit deutlich über der gesetzlichen Mindestreserve von eineinhalb Jahresausgaben. Zugleich war es der niedrigste Deckungswert seit 2013. Nicht die absolute Summe, sondern ihr Verhältnis zu den wachsenden Verpflichtungen bildet daher den entscheidenden Maßstab.

Im vergangenen Jahr zahlte die CNAP 7,36 Milliarden Euro aus, mehr als dreimal so viel wie 2005. Die reine Umlageprämie, also das Verhältnis der laufenden Ausgaben zur beitragspflichtigen Lohnsumme, stieg 2025 auf 23,7 Prozent. Damit lag sie noch unter dem damals geltenden Beitragssatz von 24 Prozent; ein Eingriff in die lohnbezogene Anpassung der Renten war deshalb nicht angezeigt. Der Abstand war allerdings klein geworden.

Auch gute Kapitalmarktergebnisse lösen dieses Verhältnisproblem nicht. Der Kompensationsfonds erzielte 2025 eine Nettorendite von 4,25 Prozent und verdiente 1,25 Milliarden Euro. Solche Erträge schwanken. Die Ansprüche der Versicherten bestehen dagegen unabhängig von Börsenkursen und Zinsentwicklung fort.

Beitragserhöhung stoppt die Alterung nicht

Seit dem 1. Juli gilt zudem die erste Verlängerung für jene, die mit 60 Jahren und 40 anerkannten Versicherungsjahren vorzeitig in Rente gehen wollen. In diesem Jahr kommt ein Monat hinzu, 2027 sind es zwei, 2028 vier, 2029 sechs und ab 2030 acht Monate. Das gesetzliche Rentenalter bleibt bei 65 Jahren. Die vorzeitige Rente ab 57 nach 40 Pflichtversicherungsjahren wird nicht verändert.

Daneben führt die Reform eine gleitende Rente ein: Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann mit Zustimmung des Arbeitgebers seine Arbeitszeit reduzieren, einen Teil der Rente beziehen und zugleich weitere Versicherungszeiten sammeln. Bis zu neun Studienjahre bleiben anrechenbar; die frühere Altersgrenze von 27 Jahren entfällt.

Nach Berechnungen der Regierung stabilisiert das Paket die Finanzen des allgemeinen Systems bis 2042 und erhält die Reserve bis 2050. Diese Aussage widerspricht Reuters Warnung nicht. Die Reform verschiebt kritische Zeitpunkte. Sie schafft aber noch keinen auf Dauer ausgeglichenen Mechanismus für eine Bevölkerung, in der die Zahl der Rentner schneller steigt als die tragende Erwerbsbasis.

Es muss etwas passieren: Sonst geht der Generationenvertrag kaputt. — Alain Reuter im Gespräch mit dem Tageblatt im April 2025

Die lange Rechnung beginnt nach 2040

Die vor der jüngsten Reform erstellte OECD-Projektion zeigt die Größenordnung. Danach sollten die Bruttoausgaben für Renten von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2024 auf 11,2 Prozent 2040 und 17,5 Prozent 2070 steigen. Selbst im günstigsten langfristigen Wirtschafts- und Bevölkerungsszenario sollte das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern von 2,4 im Jahr 2022 auf etwa 1,1 im Jahr 2070 fallen.

Diese Werte bilden die 2026 in Kraft getretenen Änderungen noch nicht ab und sind deshalb keine exakte Prognose ihres Ergebnisses. Sie erklären jedoch, weshalb 1,5 zusätzliche Beitragspunkte und acht weitere Monate bei einer Variante der Frühverrentung das Problem nicht für mehrere Generationen lösen können. Die OECD empfahl ein breiteres Paket aus zusätzlichen Einnahmen, einem höheren tatsächlichen Renteneintrittsalter und einer gedämpften Leistungsentwicklung, verbunden mit Schutz für niedrige Einkommen.

Hinzu kommt die internationale Struktur des Luxemburger Arbeitsmarkts. 2025 wurden erstmals mehr einzelne Renten ins Ausland als an Empfänger im Inland überwiesen. Das spiegelt die Laufbahnen früherer Grenzgänger wider. Nach Geldwert blieb der Schwerpunkt dennoch im Land: Von den rund 7,3 Milliarden Euro gingen 4,8 Milliarden an in Luxemburg lebende Bezieher.

Die nächste Reformrunde wird zur Verteilungsfrage

Akut gefährdet ist die Auszahlung der Renten nicht. Politisch offen ist vielmehr, wer den langfristigen Mehrbedarf trägt: heutige Beschäftigte über höhere Beiträge, Arbeitgeber über steigende Lohnnebenkosten, Steuerzahler über den Staatsanteil, Rentner über geringere Zuwächse oder künftige Jahrgänge über längere Erwerbszeiten.

Der Zeitgewinn der Reform eröffnet die Möglichkeit, diese Lasten schrittweise und planbar zu verteilen. Wird die Entscheidung vertagt, bis die Reserve an ihre gesetzliche Untergrenze rückt, bleiben nur abruptere Eingriffe. Reuters Warnung richtet sich daher weniger gegen die beschlossenen Maßnahmen als gegen die Vorstellung, mit ihnen sei die Debatte abgeschlossen.

Ist die Luxemburger Pensionskasse kurzfristig zahlungsunfähig?
Nein. Ende 2025 lag die Reserve mit 32 Milliarden Euro deutlich über dem gesetzlichen Minimum, ihre Reichweite nimmt jedoch ab.
Wie verteilt sich der neue Beitragssatz?
Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Staat zahlen seit 2026 jeweils 8,5 Prozent, zusammen 25,5 Prozent.
Wurde das gesetzliche Rentenalter erhöht?
Nein, es bleibt bei 65 Jahren. Nur eine Form der vorzeitigen Rente ab 60 verlangt schrittweise bis zu acht zusätzliche Versicherungsmonate.

Mehr dazu: Cnap, Cross Border Workers, Pension Reform, Public Finances, Retirement, Social Security

Weitere Berichte von Étude mit denselben Themen-Tags wie dieser Artikel.


navigierenöffnenescschließen