Unternehmensnachfolge

Luxemburgs Familienunternehmen stehen vor einer Nachfolgeluecke

Eine direkte amtliche Zahl gibt es nicht. Doch verfuegbare Daten deuten darauf hin, dass rund 10.700 Familienunternehmen in zehn Jahren eine Uebergabe brauchen koennten.


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A Luxembourg small-business owner and a younger successor review documents at a table during a company handover discussion.
Eine Unternehmensuebergabe muss oft mehrere Jahre vor dem Rueckzug des Inhabers vorbereitet werden.AI-generated image: OpenAI / Etude

Luxemburg veroeffentlicht keine einzelne amtliche Statistik, die direkt zeigt, wie viele Familienunternehmen nach dem aktuellen Inhaber keinen neuen Eigentuemer haben. Die verfuegbaren Zahlen zeigen aber ein klares Risiko: Mehrere Tausend kleine und mittlere Betriebe koennten in die naechste Dekade gehen, ohne dass die Nachfolge gesichert ist.

Der wichtigste Luxemburg-Hinweis stammt aus Daten der House of Entrepreneurship, die von Entreprises Magazine zitiert werden. Demnach soll rund ein Drittel der Luxemburger Unternehmen innerhalb von zehn Jahren den Besitzer wechseln. Zwei Drittel davon seien Familienunternehmen; ein Viertel dieser Uebergaben werde bereits innerhalb von fuenf Jahren erwartet.

Eurostat zaehlte 2023 in Luxemburg 47.990 Unternehmen in Industrie, Bau und marktnahen Dienstleistungen, ohne oeffentliche Verwaltung und einige weitere Bereiche. Wendet man die genannten Anteile darauf an, ergibt sich eine indikative Groessenordnung von etwa 16.000 Unternehmen, die in zehn Jahren den Besitzer wechseln, darunter rund 10.700 Familienunternehmen.

Schwieriger ist die Frage, wie viele keinen Nachfolger haben. Eine direkte Luxemburger Datenreihe gibt es nicht. Als vorsichtiger Vergleich dient Bpifrance Le Lab mit METI-KPMG-Daten: Nur 38% der Chefs von Familienunternehmen sagen, dass ihre Kinder an einer Uebernahme interessiert sind; 15% sagen, dass sie es nicht sind, und 47% wissen es nicht. Auf Luxemburg uebertragen, koennten damit rund 6.600 Familienunternehmen noch keinen klar bestaetigten Nachfolger aus der naechsten Generation haben.

Diese Schaetzung ist keine Schliessungsprognose. Ein Unternehmen ohne familiaeren Nachfolger kann an Mitarbeiter, Wettbewerber, externe Unternehmer oder Investoren verkauft werden. EY Luxembourg weist aber darauf hin, dass fast 40% der europaeischen Familienunternehmen in der kommenden Dekade einen Fuehrungs- oder Eigentumswechsel erwarten, waehrend nur 30% einen formellen Nachfolgeplan haben.

Eine Uebergabe braucht Zeit. Der House-of-Entrepreneurship-Beitrag nennt etwa fuenf Jahre, um einen Uebernehmer zu finden oder eine Nachfolge aufzubauen. Dazu gehoeren saubere Zahlen, dokumentierte Prozesse, eine realistische Bewertung und ein Betrieb, der nicht vollstaendig vom Gruender abhaengt.

Beginnt diese Arbeit zu spaet, koennen gesunde Unternehmen verschwinden, obwohl Nachfrage und Geschaeftsmodell bestehen. Fuer Luxemburg waere das mehr als ein Familienproblem: Arbeitsplaetze, lokale Dienstleistungen, Lieferantenbeziehungen und technisches Wissen koennten verloren gehen. Auch die Europaeische Kommission nennt mangelnde Vorbereitung, Steuerfragen und Beratungsluecken als Hindernisse bei Unternehmensuebergaben.

Gleichzeitig ist die Nachfolgewelle eine Chance. Junge Unternehmer muessen nicht immer bei null anfangen. Wer einen bestehenden Betrieb uebernimmt, erhaelt Kunden, Umsatz, Mitarbeiter, Genehmigungen und Reputation. Plattformen wie BusinessTransfer.lu und Beratungsangebote der Kammern koennen helfen, wenn Eigentuemer frueh genug aktiv werden.

Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet: Luxemburg koennte in den kommenden zehn Jahren rund 10.000 bis 11.000 Uebergaben von Familienunternehmen erleben. Mehrere Tausend davon haben wahrscheinlich noch keinen bestaetigten Nachfolger. Ob daraus Schliessungen oder Erneuerung entstehen, haengt vor allem von frueher Planung ab.

Wie viele Familienunternehmen in Luxemburg koennten den Besitzer wechseln?
Eine indikative Rechnung mit Eurostat- und House-of-Entrepreneurship-Daten ergibt rund 10.700 Familienunternehmen innerhalb von zehn Jahren.
Wie viele haben keinen Nachfolger?
Eine direkte amtliche Zahl gibt es nicht. Vergleichsdaten deuten darauf hin, dass rund 6.600 keinen klar bestaetigten Nachfolger aus der Familie haben koennten.
Muss ein Betrieb ohne familiaeren Nachfolger schliessen?
Nein. Er kann an Mitarbeiter, Wettbewerber, externe Kaeufer oder Investoren verkauft werden. Ohne fruehe Vorbereitung steigt aber das Risiko einer gescheiterten Uebergabe.

Mehr dazu: Business Transfer, Smes, Family Business, Luxembourg Economy, Succession

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