Grenzüberschreitende Mobilität

Doppelstockzüge auf der Linie Metz–Luxemburg: Grand Est und das Großherzogtum zielen auf 21.000 Sitzplätze zur Hauptverkehrszeit

Die Region Grand Est hat in Metz die ersten von 16 kapazitätsstärkeren Doppelstockzügen für die grenzüberschreitende Strecke nach Luxemburg vorgestellt.


Lesezeit · 3 Min.

Ein Doppelstock-Regionalzug wartet im Morgenlicht an einem Bahnsteig unter einem Glasdach.
Ein Doppelstock-Regionalzug wartet im Morgenlicht an einem Bahnsteig unter einem Glasdach. — KI-generierte Illustration.KI-generierte Illustration · Étude

Einer der meistbefahrenen Pendlerkorridore Frankreichs außerhalb der Region Paris bekommt mehr Höhe. Am 4. Mai 2026 hat die Region Grand Est am Bahnhof Metz den ersten von 16 kapazitätsstärkeren Doppelstockzügen offiziell vorgestellt, die nun auf der grenzüberschreitenden Linie des Sillon Lorrain verkehren. Die Strecke verbindet Metz und Thionville mit Luxemburg-Stadt und wird nach Angaben der Region werktäglich von rund 12.000 bis 13.000 Menschen genutzt.

Neu ist das Material nicht im Wortsinn. Wie die Region Grand Est mitteilt, wurden die fünfteiligen Doppelstockgarnituren vom Typ Z26500 gebraucht von der Region Normandie übernommen – für insgesamt 118 Millionen Euro. Ihr eigentlicher Gewinn für die Linie ist schlichte Kapazität: Jede Garnitur bietet 554 Sitzplätze, gegenüber 313 in den bisher eingesetzten Zügen. Der entscheidende Schritt war nach Darstellung der Regionalverantwortlichen jedoch die Zulassung, die Grenze passieren zu dürfen: Seit dem 29. April 2026 sind die Garnituren bis zum Bahnhof Luxemburg-Stadt freigegeben.

Warum die grenzüberschreitende Freigabe zählt

Für die Zehntausenden französischen Grenzgänger, die täglich ins Großherzogtum pendeln, war nie die Frage, ob die Züge existieren, sondern ob sie die Fahrt rechtlich auch zu Ende bringen dürfen. Thibaud Philipps, Vizepräsident der Region Grand Est mit Zuständigkeit für Mobilität, fasste das lange Warten gegenüber L'essentiel deutlich zusammen.

Wir haben einige Zeit auf sie gewartet. Es gab Verzögerungen beim Material, das aus der Region Normandie übernommen wurde. Auf dem französischen Netz konnte es bereits fahren. Jetzt kann es bis nach Luxemburg fahren. Das ist die eigentliche Neuigkeit von heute.

Die Einführung erfolgt in Etappen. Nach Angaben der Region sollen bis Juni 2026 sieben der 16 Züge im Einsatz sein, alle 16 dann bis zum Jahresende.

Die Rechnung mit den Sitzplätzen

Hinter dem Projekt steht ein steiler Anstieg der Sitzplatzkapazität. Zur Hauptverkehrszeit soll diese laut Region von heute rund 8.500 Plätzen bis Anfang 2027 auf etwa 13.500 wachsen; das erklärte Ziel liegt bei rund 21.000 Sitzplätzen zur Hauptverkehrszeit bis 2030. Diese Entwicklung speist sich sowohl aus den größeren Zügen als auch aus dem umfassenderen Ausbauplan, auf den sich die beiden Regierungen verständigt haben.

Entscheidend ist dabei, dass Luxemburg in französische Infrastruktur investiert, damit das Ganze funktioniert. Eine neue Wartungswerkstatt in Montigny-lès-Metz mit Kosten von rund 140 Millionen Euro wird nach Angaben der Region zu 50 Prozent von Luxemburg mitfinanziert. Die Anlage soll im Sommer 2026 in Betrieb gehen, die Einweihung ist für den Herbst vorgesehen – sie ist die Voraussetzung im Hintergrund, um eine größere Flotte überhaupt auf der Schiene halten zu können.

Ein Jahrzehnt Bauarbeiten steht noch bevor

Die Verantwortlichen hüten sich davor, den Zeitplan zu beschönigen. Philipps mahnte, dass der vollständige Ausbau des Korridors auf beiden Seiten der Grenze ein langfristiges Vorhaben bleibe – mit Blick auf die elektrische Leistung, die Beseitigung von Bahnübergängen und eigene Ausweichgleise, auf denen Güterzüge warten können.

Bei der Infrastruktur wurde mit Luxemburg ein Finanzierungsplan aufgelegt, mit der zu verstärkenden elektrischen Leistung, der Beseitigung von Bahnübergängen und Ausweichstellen, damit der Güterverkehr warten kann. Es wird ein gutes Jahrzehnt nötig sein, um den Nutzern des Sillon Lorrain das volle Angebot machen zu können.

Vorerst lautet die Botschaft aus Metz: spürbarer Fortschritt auf einer Strecke, die unter dem grenzüberschreitenden Andrang seit Langem ächzt. Die Doppelstockzüge stehen auf den Gleisen, die Grenze ist für sie geöffnet – und der schwere Tiefbau, der darüber entscheidet, wie weit die Linie am Ende tragen kann, beginnt gerade erst.

Was ist auf der Linie Metz–Luxemburg neu?
Die Region Grand Est hat am 4. Mai 2026 in Metz den ersten von 16 kapazitätsstärkeren Doppelstockzügen vom Typ Z26500 vorgestellt. Diese fassen je 554 statt 313 Fahrgäste und dürfen seit dem 29. April 2026 die Grenze bis Luxemburg-Stadt überqueren.
Woher stammen die neuen Züge und was kosten sie?
Die fünfteiligen Doppelstockgarnituren wurden gebraucht von der Region Normandie übernommen – für insgesamt 118 Millionen Euro. Bis Juni 2026 sollen sieben Garnituren im Einsatz sein, alle 16 bis zum Jahresende.
Welche Rolle spielt Luxemburg bei der Finanzierung?
Luxemburg finanziert die neue Wartungswerkstatt in Montigny-lès-Metz mit Kosten von rund 140 Millionen Euro zur Hälfte mit. Damit zahlt das Großherzogtum in französische Infrastruktur ein, um den Pendlerverkehr zu entlasten.
Wann ist der Korridor vollständig ausgebaut?
Laut Vizepräsident Thibaud Philipps dauert der vollständige Ausbau ein gutes Jahrzehnt. Er umfasst die Verstärkung der elektrischen Leistung, die Beseitigung von Bahnübergängen und Ausweichgleise für den Güterverkehr beiderseits der Grenze.

Mehr dazu: Mobility, Cross Border, Luxembourg, Rail, Frontaliers, Grand Est, Ter, Greater Region

navigierenöffnenescschließen