USA

New Yorks linke Revolte trifft die Demokraten ins Mark

Die von Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützten Sozialisten verdrängen amtierende Kongressabgeordnete — und zwingen die Partei in eine Richtungsdebatte.


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Leere Wahlkabinen aus Pappe und ein Tisch mit Stimmzetteln in einer von Morgenlicht durchfluteten Turnhalle.
Illustration. Die demokratischen Vorwahlen in New York am 23. Juni 2026 machten mehrere sichere Sitze zu den am meisten beachteten parteiinternen Duellen.Illustration: KI-generiert — Étude

Es war ein Abend der Stürze. Bei den demokratischen Vorwahlen in New York verloren am 23. Juni gleich mehrere etablierte Mandatsträger ihre Nominierung an Herausforderer, die kaum jemand auf der Rechnung hatte. Im Zentrum stand kein Programm, sondern ein Name: Zohran Mamdani, der demokratische Sozialist, der im vergangenen Jahr zum Bürgermeister gewählt wurde und seine Koalition seither zur einflussreichsten politischen Maschine der Stadt geformt hat.

Der prominenteste Verlierer war Adriano Espaillat, seit fast einem Jahrzehnt Abgeordneter für das nördliche Manhattan und Wortführer des hispanischen Caucus im Kongress. Er unterlag Darializa Avila Chevalier, einer 32-jährigen Organisatorin der Democratic Socialists of America, die zuerst durch propalästinensische Proteste an der Columbia University bekannt wurde. Sie kam im 13. Wahlbezirk auf knapp die Hälfte der Stimmen, Espaillat auf rund 46 Prozent. Damit ist er der landesweit sechste Amtsinhaber, der in diesem Zyklus seine Renominierung verliert.

Eine Nacht der Niederlagen

Espaillat blieb nicht allein. Im 10. Bezirk, der Teile von Lower Manhattan und Brooklyn umfasst, verlor der Abgeordnete Dan Goldman — gestützt von Gouverneurin Kathy Hochul und vom Fraktionschef der Demokraten, Hakeem Jeffries — gegen den früheren Stadtkämmerer Brad Lander, der nahezu zwei Drittel der Stimmen erhielt. Und in einem frei werdenden Sitz der scheidenden Nydia Velázquez setzte sich die sozialistische Abgeordnete Claire Valdez gegen Antonio Reynoso durch, den das alte Establishment als Nachfolger aufgebaut hatte.

Verbunden waren die Sieger nicht allein durch ihre Ideologie, sondern durch Mamdanis Unterstützung. Wo er sich einmischte, kippten die Rennen mit auffälliger Regelmäßigkeit. Den roten Faden bildete die Israel-Politik: Die Herausforderer warfen den Amtsinhabern vor, beim Gaza-Krieg zu zögerlich und von einer nach links gerückten Wählerschaft entfernt zu sein. Valdez erklärte vor ihren Anhängern, die Bewegung sei „dauerhaft — und sie wächst."

Ein überrumpeltes Establishment

Die Reaktion der Parteiführung fiel ungewöhnlich scharf aus. Generalstaatsanwältin Letitia James, selbst dem linken Flügel zugerechnet, zeigte sich gegenüber CNN „enttäuscht" und stellte die Reife der von Mamdani geförderten Newcomer offen infrage.

„Einige der Kandidaten, die er unterstützt hat, verstehen die Politik New York Citys nicht, die kulturellen Unterschiede von Bezirk zu Bezirk; sie waren nie Teil der Geschichte und der Kämpfe in diesen Vierteln und sind in der Politik noch ganz neu."

Ein vollständiger Triumph war es nicht. Im Bezirk des Veteranen Jerrold Nadler gewann der vom Establishment gestützte Abgeordnete Micah Lasher ohne Mamdanis Segen — ein Hinweis darauf, dass die Revolte Grenzen kennt.

Der Streit um den November

Weil die Bezirke tiefdemokratisch sind, gilt die Vorwahl praktisch als Entscheidung; die Sieger werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Kongress einziehen. Genau das beunruhigt die Mitte der Partei. Da im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus auf dem Spiel steht, fürchten Moderate, ein lauter sozialistischer Block liefere den Republikanern in den umkämpften Bezirken eine Angriffsfläche.

Mamdani wertete das Ergebnis als Bestätigung: „Wir zeigen, dass es einen neuen Weg für die Politik in unserer Stadt und in unserem Land gibt." Jeffries, dessen Wunschkandidat soeben unterlegen war, versuchte zu beschwichtigen.

„Wir haben uns darauf verständigt, entschieden uneins zu sein. Eine Handvoll Vorwahlen, die in dem einen oder anderen Bundesstaat so oder so ausgehen, wird nicht verändern, wer wir sind."

Ob dieser Satz trägt, ist die offene Frage der amerikanischen Linken. Die jungen Sieger verdanken ihre Mandate nicht der Parteiführung, sondern einer Bewegung — und einem Bürgermeister — mit eigenen Vorstellungen davon, wie man Donald Trumps letzter Amtszeit begegnet. New York hat laut geantwortet. Das übrige Land wählt im November.

Warum sind diese Vorwahlen über New York hinaus bedeutsam?
Die Bezirke sind so klar demokratisch, dass die Vorwahl praktisch über den Sitz entscheidet. Die Sieger ziehen also fast sicher in den Kongress ein, stärken den linken Flügel und verschärfen die Debatte, wie die Demokraten Donald Trump vor den November-Wahlen begegnen.
Wer steht hinter den siegreichen Kandidaten?
Der 2025 gewählte demokratische Sozialist Zohran Mamdani, New Yorks Bürgermeister, sprach die Empfehlungen aus; seine Koalition ist zur einflussreichsten politischen Organisation der Stadt geworden.
Gewannen alle von Mamdani unterstützten Kandidaten?
Nein. Im frei gewordenen Sitz von Jerrold Nadler setzte sich der vom Establishment gestützte Abgeordnete Micah Lasher ohne Mamdanis Empfehlung durch.

Mehr dazu: Us Midterms 2026, New York, Democratic Party, American Left, Democratic Socialists, Zohran Mamdani, Primary Elections

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