Verteidigung im All
301 Millionen Euro für Luxemburgs zweiten Militärsatelliten
Mit 57 von 60 Stimmen billigt die Abgeordnetenkammer das Finanzierungsgesetz für GovSat-2. Verteidigungsministerin Yuriko Backes setzt bewusst auf europäische Partner – und auf einen Platz am Tisch von EU und Nato.

Ein Land von der Größe des Saarlands, das in der Geopolitik des Weltraums mitredet: Luxemburg hat am 21. Januar 2026 ein Gesetz auf den Weg gebracht, das diesen Anspruch mit einer konkreten Zahl unterlegt. Mit 57 von 60 Stimmen ermächtigte die Abgeordnetenkammer die Regierung, Anschaffung, Start und Betrieb eines neuen Militär- und Regierungssatelliten zu finanzieren. Das Vorhaben mit dem Namen GovSat-2 hat ein Volumen von 301 Millionen Euro.
Verteidigungsministerin Yuriko Backes ordnet die Entscheidung in einen größeren sicherheitspolitischen Rahmen ein. Satelliten seien zu einem bevorzugten Ziel in Destabilisierungsstrategien geworden, der Zeitpunkt der Investition also alles andere als zufällig gewählt. Für das Großherzogtum ist GovSat-2 zugleich ein Beleg dafür, wie ein kleiner Staat über seinen ungewöhnlich starken Raumfahrtsektor außenpolitisches Gewicht gewinnt.
Wie sich die 301 Millionen Euro verteilen
Das Finanzierungsgesetz teilt die Summe in zwei Blöcke. Zum einen sieht es eine Kapitalerhöhung von 101 Millionen Euro vor, die die luxemburgische Verteidigungsdirektion bei der Betreibergesellschaft LuxGovSat vornimmt. Zum anderen sind 200 Millionen Euro für den Erwerb von Satellitenkommunikationskapazität bestimmt. Davon entfallen:
- 180 Millionen Euro auf GovSat-2, gerechnet über zwölf Jahre nach dem Start;
- bis zu 20 Millionen Euro auf zusätzliche Kapazität des bereits aktiven GovSat-1, verteilt über zwei Jahre.
Hinter dem Projekt steht LuxGovSat S.A., ein hälftig vom luxemburgischen Staat und vom Satellitenbetreiber SES getragenes Gemeinschaftsunternehmen. SES, einer der weltweit größten Betreiber geostationärer Kommunikationssatelliten, hat seinen Sitz im Großherzogtum. Die Partnerschaft ist nicht neu: Der erste gemeinsame Satellit, GovSat-1, wurde bereits 2018 in Betrieb genommen.
Eine bewusste Wahl europäischer Partner
Auffällig an der Vergabe ist die Herkunft der beteiligten Unternehmen. Gebaut wird GovSat-2 vom französischen Konzern Thales Alenia Space auf der Plattform Spacebus 4000B2; in die Umlaufbahn bringen soll den Satelliten die europäische Arianespace. Luxemburgische Firmen sind in die Wertschöpfungskette eingebunden. Backes macht aus dieser Entscheidung kein technisches Detail, sondern eine politische Aussage.
Die aktuellen politischen Entwicklungen führen vor Augen, wie wichtig es ist, Europas strategische Autonomie zu stärken. Für das GovSat-2-Programm haben wir deshalb europäischen Partnern den Vorzug gegeben: Der Satellit wird vom französischen Unternehmen Thales Alenia Space gebaut, unter Einbindung luxemburgischer Firmen in die Wertschöpfungskette, und voraussichtlich von der europäischen Arianespace in die Umlaufbahn gebracht.
Damit reiht sich Luxemburg in eine Linie europäischer Beschaffungspolitik ein, die nach dem Krieg in der Ukraine an Schub gewonnen hat: weg von der Abhängigkeit außereuropäischer Anbieter, hin zu einer Stärkung der eigenen Industrie und Lieferketten.
Technik für ein umkämpftes Umfeld
Technisch ist GovSat-2 auf die Anforderungen militärischer Kommunikation zugeschnitten. Der Satellit wird Frequenzen in den Bändern UHF, X-Band und militärisches Ka-Band tragen. Hinzu kommen eine Härtung gegen Störeinflüsse und ein fortschrittliches System zum Schutz vor Störsendern, das sogenannte Anti-Jamming. Positioniert wird GovSat-2 im geostationären Orbit; sein Abdeckungsgebiet entspricht dem von GovSat-1 und umfasst Europa, Afrika und den Nahen Osten.
Backes verknüpft den technischen Anspruch mit dem politischen Ziel. Das Vorhaben erlaube es der luxemburgischen Verteidigung, einen spürbaren Beitrag zu den kollektiven Sicherheits- und Verteidigungsanstrengungen auf Ebene von EU und Nato zu leisten – und biete zugleich einen erheblichen wirtschaftlichen Ertrag für das Land. Mit GovSat-2, so die Ministerin, werde Luxemburg erneut seine bedeutende Wirkung im Bereich des Weltraums unter Beweis stellen.
Der Befund hinter der Abstimmung ist deutlich: Ein grenzüberschreitend finanziertes und gebautes Gut – in Luxemburg bezahlt, in Frankreich gefertigt, von einem paneuropäischen Anbieter gestartet – soll der EU, der Nato und Partnernationen dienen. Für ein Land mit weniger als 700.000 Einwohnern ist das eine ungewöhnlich große Wette auf den eigenen Einfluss im All.
Häufig gefragt
- Was ist GovSat-2 und wer steht dahinter?
- GovSat-2 ist ein geplanter Regierungs- und Militärkommunikationssatellit Luxemburgs und Nachfolger von GovSat-1. Betreiber ist LuxGovSat S.A., ein hälftiges Gemeinschaftsunternehmen des luxemburgischen Staates und des Satellitenbetreibers SES.
- Wie viel kostet das Projekt und wie wird es finanziert?
- Das Budget beträgt 301 Millionen Euro. Davon entfallen 101 Millionen Euro auf eine Kapitalerhöhung bei LuxGovSat und 200 Millionen Euro auf den Erwerb von Kommunikationskapazität (180 Millionen für GovSat-2 über zwölf Jahre, bis zu 20 Millionen für GovSat-1 über zwei Jahre).
- Warum setzt Luxemburg auf europäische Anbieter?
- Verteidigungsministerin Yuriko Backes nennt die Stärkung der europäischen strategischen Autonomie als Grund. Der Satellit wird von Thales Alenia Space in Frankreich gebaut und soll von der europäischen Arianespace gestartet werden, wobei luxemburgische Firmen eingebunden sind.
- Welche militärischen Fähigkeiten hat GovSat-2?
- Der Satellit trägt UHF-, X-Band- und militärische Ka-Band-Frequenzen, ist gehärtet und gegen Störsender geschützt (Anti-Jamming). Vom geostationären Orbit aus deckt er Europa, Afrika und den Nahen Osten ab.
Quellen
Zum selben Thema
Weitere Berichte von Étude mit denselben Themen-Tags wie dieser Artikel.
Mehr aus Welt
Im Trend bei Étude
Zu Fuß durchs Großherzogtum Wandern in Luxemburg: der Mullerthal Trail und die schönsten Wege
Leitfaden für Neuankömmlinge Wie das Gesundheitssystem in Luxemburg funktioniert - und wie Sie sich bei der CNS anmelden
Europäische Geschichte Robert Schuman: Der Vater Europas kam in Luxemburg zur Welt
Luxemburg im Film Vicky Krieps: Luxemburgs großer Name im Weltkino



