Kolumbien · Stichwahl

Kolumbien wählt einen Außenseiter — und rückt scharf nach rechts

Der Anwalt Abelardo de la Espriella, ohne jedes politische Amt, setzt sich denkbar knapp gegen den Linken Iván Cepeda durch. Der Verlierer verlangt eine Neuauszählung.


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Eine kolumbianische Flagge an einem Mast über einem kolonialen Regierungsgebäude in Bogotá in der Abenddämmerung.
Im August wechselt in Bogotá die Macht. Illustration, keine Aufnahme der Wahl.Illustration: KI-generiert — Étude

Kolumbien hat sich für seinen umstrittensten Präsidenten seit einer Generation entschieden. Nach vorläufigen Ergebnissen der Stichwahl vom Sonntag liegt Abelardo de la Espriella hauchdünn vorn — ein schillernder Strafverteidiger und Unternehmer, der nie ein politisches Amt innehatte und dessen Wahlkampf auf einem einzigen Versprechen ruhte: dem kompromisslosen Kampf gegen Kriminalität und Korruption.

Die Schnellauszählung der Wahlbehörde, bei nahezu vollständig erfassten Stimmen, weist de la Espriella 49,65 Prozent zu, gegenüber 48,70 Prozent für den linken Senator Iván Cepeda, den Kandidaten der scheidenden Regierung. Der Abstand liegt bei weniger als 250.000 von mehr als 25 Millionen abgegebenen Stimmen. Mit rund 12,96 Millionen Stimmen wurde de la Espriella zugleich zum meistgewählten Präsidentschaftsbewerber der kolumbianischen Geschichte.

Vom Gerichtssaal in den Präsidentenpalast

De la Espriella, 47 Jahre alt, ist ein unwahrscheinlicher gewählter Präsident. In Bogotá geboren und an der Karibikküste aufgewachsen, gründete er 2002 eine Kanzlei, die zu einer der bekanntesten des Landes wuchs — mit Büros von Barranquilla bis Miami und einer Reihe prominenter, mitunter berüchtigter Mandanten. Lange vor seinem ersten politischen Antritt pflegte er ein betont kämpferisches Auftreten: Er nennt sich selbst "El Tigre", den Tiger, und sammelte eine große Anhängerschaft in den sozialen Netzwerken.

Sein Programm lautete Sicherheit über alles: ein Vorgehen mit harter Hand gegen bewaffnete Gruppen und Drogennetzwerke, verbunden mit offener Sympathie für autoritär auftretende Politiker der Region und für US-Präsident Donald Trump, der ihn unterstützte. Für seine Anhänger ist er der starke Mann, den das Land braucht; für seine Kritiker ein autoritäres Risiko ohne Regierungserfahrung. In der ersten Runde am 31. Mai lag er mit rund 44 Prozent vor Cepedas 41 Prozent.

Ein angefochtenes Ergebnis

Cepeda, einer der Architekten der Friedensverhandlungen "Total Peace" der scheidenden Regierung, erkannte die Schnellauszählung an, will sie aber nicht ungeprüft hinnehmen. Sein Lager ficht die Resultate aus rund 33.000 Wahltischen an und verlangt eine vollständige Neuauszählung.

"Ich verlange eine Neuauszählung aller Wahllokale und aller Stimmen, dazu eine Untersuchung der Schwachstellen in der Wahlsoftware und der betroffenen Wahltische", sagte Cepeda.

Der scheidende Präsident Gustavo Petro, Kolumbiens erstes linkes Staatsoberhaupt und engster Verbündeter Cepedas, ging weiter: Er sprach von Unregelmäßigkeiten und beharrte darauf, dass keiner der beiden Kandidaten "ausgerufen" werden dürfe, ehe die Auszählung bestätigt sei. Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. De la Espriella seinerseits erklärte sich in den sozialen Netzwerken zum Sieger. "Heute beginnt eine neue Etappe für unser Land", schrieb er, "eine Etappe, getragen vom freien und demokratischen Willen von Millionen Bürgern, die an ein großes, sicheres und wohlhabendes Kolumbien voller Chancen geglaubt haben."

Eine Region driftet nach rechts

Sollte das amtliche Endergebnis den Trend bestätigen, endete damit Petros einzige Amtszeit und der erste Anlauf der Linken an die Staatsspitze nach Jahrzehnten konservativer und zentristischer Herrschaft. Zugleich verlängert der Ausgang eine Rechtsbewegung quer durch Lateinamerika und das Muster offen an Washington ausgerichteter Präsidenten. Die Amtseinführung ist für den 7. August vorgesehen.

Für Kolumbiens Institutionen wiegen die kommenden Wochen so schwer wie die Wahlnacht selbst. Ein Präsident, der mit einem Vorsprung von unter einem Punkt antritt, während der amtierende Staatschef von Wahlbetrug spricht und eine Neuauszählung gefordert wird, stellt die Glaubwürdigkeit eines bislang stabilen Wahlsystems auf die Probe. Außer Frage steht allein die Wucht der Beteiligung — und die Tiefe der Spaltung, die sie offenlegte.

Wer ist Abelardo de la Espriella?
Ein 47-jähriger kolumbianischer Strafverteidiger und Unternehmer ohne politische Erfahrung, der sich 'El Tigre' nennt und von Donald Trump unterstützt wurde.
Wie knapp war das Ergebnis?
Die vorläufige Auszählung ergab rund 49,65 % für ihn und 48,70 % für Cepeda — ein Abstand von weniger als 250.000 Stimmen.
Ist das Ergebnis endgültig?
Nein. Cepeda ficht rund 33.000 Wahltische an, Präsident Petro spricht von Unregelmäßigkeiten, und das Ergebnis muss noch bestätigt werden.
Wann tritt er sein Amt an?
Die Amtseinführung de la Espriellas ist für den 7. August 2026 vorgesehen; er folgt auf Gustavo Petro.

Mehr dazu: De La Espriella, Donald Trump, Gustavo Petro, Ivan Cepeda, Latin America, Colombia, Election 2026

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