Porträt

Jean-Claude Juncker: Luxemburgs Rekord-Premier und Architekt des Euro

Vom Sohn eines Stahlarbeiters aus Belvaux zum am längsten amtierenden Premierminister Luxemburgs und Präsidenten der EU-Kommission: Jean-Claude Juncker stand vier Jahrzehnte im Zentrum der europäischen Macht.


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Jean-Claude Juncker, wearing dark-framed glasses, a grey suit and a red tie, looking toward the camera against a blurred outdoor background at the EPP Summit in Brussels, 2019
Foto: European People's Party / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Kaum ein Politiker hat die Europäische Union so dauerhaft geprägt wie Jean-Claude Juncker. 1954 in eine Arbeiterfamilie im Süden Luxemburgs hineingeboren, stieg er zum am längsten amtierenden Premierminister seines Landes und später zum Präsidenten der Europäischen Kommission auf. Sprachgewandt und ein Meister des Kompromisses, saß Juncker fast vier Jahrzehnte an den Verhandlungstischen, an denen der Euro entworfen, die Eurokrise bewältigt und der Austritt Grossbritanniens verhandelt wurde.

Herkunft und Kindheit

Jean-Claude Juncker wurde am 9. Dezember 1954 in Redingen im Westen Luxemburgs geboren und wuchs in Belvaux auf, einer Ortschaft in der vom Stahl geprägten Gemeinde Sanem im industriellen Süden des Landes. Sein Vater, Joseph "Jos" Juncker, war Stahlarbeiter und christlicher Gewerkschafter; während der NS-Besatzung wurde er zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt. Juncker hat oft betont, dass die Kriegserfahrungen seines Vaters seine lebenslange Überzeugung prägten, die europäische Einigung sei die sicherste Garantie für den Frieden. Aufgewachsen unter italienischen und portugiesischen Einwandererfamilien, führt er sein Gespür für Solidarität auf dieses Milieu zurück.

Ausbildung und Einstieg in die Politik

Juncker besuchte ein katholisches Internat in Clairefontaine in Belgien und legte sein Abitur am Lycée Michel Rodange in Luxemburg ab. Anschliessend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Strassburg, wo er 1979 sein Examen ablegte; 1980 wurde er als Anwalt vereidigt, übte den Beruf jedoch nie aus. Bereits 1974 war er der Christlich Sozialen Volkspartei (CSV) beigetreten. 1982 wurde er Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit, 1984 zog er in die Abgeordnetenkammer ein und wurde im selben Jahr Minister.

Laufbahn und Meilensteine

1989 wurde Juncker Finanzminister Luxemburgs, ein Amt, das er zwei Jahrzehnte innehatte. Während der luxemburgischen Ratspräsidentschaft 1991 war er einer der zentralen Verhandler des Vertrags von Maastricht und gestaltete die Bestimmungen zur Wirtschafts- und Währungsunion mit, aus denen der Euro hervorging. Im Januar 1995 trat er die Nachfolge von Jacques Santer als Premierminister an und führte bis 2013 mehrere Koalitionsregierungen. 2005 wurde er erster ständiger Vorsitzender der Eurogruppe und steuerte deren Antwort auf die Schuldenkrise sowie die Rettungspakete für Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern.

Seine lange Amtszeit endete 2013, nachdem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu Verfehlungen des luxemburgischen Geheimdienstes (SREL) Mängel bei seiner Aufsicht festgestellt hatte; es kam zu vorgezogenen Neuwahlen. Im Jahr darauf führte er die Europäische Volkspartei als Spitzenkandidat in die Europawahl und wurde am 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission.

Wofür er bekannt ist

Juncker gilt als einer der wichtigsten Baumeister der Gemeinschaftswährung und als jener besonnene Vorsitzende, der die Eurogruppe durch die gefährlichsten Jahre des Euro führte. Als Kommissionspräsident war sein Markenzeichen die Investitionsoffensive für Europa, weithin bekannt als "Juncker-Plan", die über den Europäischen Fonds für strategische Investitionen Hunderte Milliarden Euro mobilisierte. Seine Amtszeit war geprägt vom Brexit; seine Kommission führte die europäische Seite der Austrittsverhandlungen nach dem britischen Referendum von 2016. Bekannt war er auch für seine Direktheit. Auf dem Höhepunkt der Krise 2011 sagte er in einer Debatte:

"Wenn es ernst wird, muss man lügen."

Die Bemerkung über die nötige Vertraulichkeit bei geldpolitischen Verhandlungen, um Marktpanik zu vermeiden, wurde zu einem der meistzitierten Sätze der Krisenjahre.

Auszeichnungen und Vermächtnis

Junckers Beitrag zur europäischen Einigung wurde vielfach gewürdigt.

  • Internationaler Karlspreis zu Aachen (2006) für seine Verdienste um die europäische Einigung
  • Grossoffizier der französischen Ehrenlegion
  • Grosskreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • Zahlreiche Ehrendoktorwürden und staatliche Auszeichnungen in ganz Europa

Nicht ohne Kontroversen blieb seine Amtszeit: Die LuxLeaks-Enthüllungen von 2014 brachten Steuervorteile ans Licht, die Luxemburg in seinen Regierungsjahren Konzernen gewährt hatte, und entfachten eine Debatte über Steuergerechtigkeit in Europa.

Heute

Am 30. November 2019 übergab Juncker das Amt des Kommissionspräsidenten an Ursula von der Leyen. Seither ist er als Staatsmann im Ruhestand präsent, kommentiert europäische Angelegenheiten, hält Vorträge und übernimmt beratende sowie akademische Aufgaben. Seit 1979 mit Christiane Frising verheiratet, lebt er weiterhin in Luxemburg.

Wofür ist Jean-Claude Juncker bekannt?
Er ist vor allem als am längsten amtierender Premierminister Luxemburgs (1995-2013), als Präsident der Europäischen Kommission (2014-2019) und als Mitgestalter des Euro bekannt, der die Eurogruppe durch die Schuldenkrise führte.
Wann war Juncker Präsident der Europäischen Kommission?
Er amtierte vom 1. November 2014 bis zum 30. November 2019, danach folgte ihm Ursula von der Leyen nach.
Wo wurde Jean-Claude Juncker geboren?
Er wurde am 9. Dezember 1954 in Redingen (Redange) geboren und wuchs in Belvaux im industriellen Süden Luxemburgs auf.
Warum endete 2013 Junckers Amtszeit als Premierminister?
Nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Verfehlungen des Geheimdienstes SREL und festgestellten Aufsichtsmängeln trat seine Regierung zurück, es kam zu Neuwahlen.

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