Jahreswirtschaftsbericht

Die Bank der Notenbanken warnt vor dem Ende des KI-Booms

Die BIZ sieht in der schuldenfinanzierten Investitionswelle der künstlichen Intelligenz ein Risiko für die Weltwirtschaft – und mahnt zur Vorsorge in ruhigen Zeiten.


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Endlose Reihen dunkler Serverschränke in einer riesigen Rechenzentrumshalle, schwach von einer fernen Türöffnung beleuchtet.
Illustratives Bild: Der KI-Ausbau – Rechenzentren und ihre Chips – ist zu einem wichtigen Treiber des US-Wachstums geworden; die BIZ warnt vor seiner schuldenlastigen Finanzierung.Illustration: KI-generiert — Étude

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), unter Notenbankern schlicht die Bank der Zentralbanken, ist nicht für Optimismus bekannt. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht, der am Sonntag zur Generalversammlung in Basel vorgelegt wurde, zeichnet sie ein ernüchterndes Bild: Die gewaltigen Summen, die weltweit in künstliche Intelligenz fließen, tragen aus Sicht der BIZ die Merkmale eines Booms, der schlecht enden kann – und die Weltwirtschaft hat sich klammheimlich von ihm abhängig gemacht.

Der Vorwurf lautet nicht, KI sei eine Illusion. Er lautet, dass ihre Finanzierung brüchig geworden ist. Ausgaben für Chips, Rechenzentren und die nötige Energie zählen inzwischen zu den wichtigsten Wachstumstreibern der Vereinigten Staaten. Ein plötzlicher Vertrauensverlust – einige enttäuschende Quartalszahlen, eine Phase schwacher Renditen – könnte diesen Motor zum Stottern bringen. Die Ökonomen der BIZ haben dafür einen Begriff: einen langwierigen Investitionseinbruch, dessen Folgen sich nicht auf das Silicon Valley beschränken würden.

Ein Wachstumsmotor auf Pump

Die Zahlen wirken gerade deshalb alarmierend, weil sie bescheiden klingen. Die KI-bezogenen Investitionen entsprechen rund einem Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts – vergleichbar mit dem Schieferöl-Boom der 2010er Jahre und etwa halb so groß wie der Technologieschub zur Hochzeit der Dotcom-Euphorie. Weil die übrige Wirtschaft jedoch schwächelt, trägt dieser schmale Anteil eine große Last: Investitionen in Rechenzentren und Halbleiterwerke steuerten seit 2022 jährlich etwa 0,4 Prozentpunkte zum US-Wachstum bei. Ohne den Bauboom erscheint die vielbeschworene amerikanische Widerstandskraft deutlich dünner.

Beunruhigend ist für die BIZ weniger die Höhe der Wette als die Art ihrer Finanzierung. Bereits Anfang des Jahres hatten die Forscher der Bank festgestellt, dass die mit dem KI-Ausbau verbundenen Anleiheemissionen 2025 die Marke von 100 Milliarden Dollar überschritten. Die kapitalstarken Konzerne der Branche greifen zunehmend zu Fremdkapital und zu „komplexen Finanzierungsstrukturen“, die Technologieunternehmen mit Privatkreditfonds und anderen Nichtbanken verflechten. Je stärker der Boom auf geborgtem Geld ruht, warnt der Bericht, desto leichter springt ein Rückschlag von einer Ecke des Systems auf die nächste über.

Eine neue Bruchstelle bei den Staatsschulden

Die KI-Warnung steht in einem größeren, düstereren Rahmen. Einen erheblichen Teil des Berichts widmet die BIZ einem neuen Geflecht aus Fiskal- und Finanzstabilität: Die Staatsverschuldung liegt in den reichen Ländern auf oder nahe Rekordständen, und die Anleihemärkte, die sie finanzieren, werden zunehmend von großen, hoch fremdfinanzierten Akteuren beherrscht – allen voran Hedgefonds. Deren Präsenz kann aus einem gewöhnlichen Kursrutsch eine Flucht machen. Die Folge, mahnt die Bank, könnten häufigere und heftigere Wertverluste bei Staatsanleihen sein, also bei jenen Papieren, die als Fundament des Systems gelten.

Hinzu kommen eine hartnäckige Inflation, die zuletzt durch Angebotsschocks genährt wurde, und Regierungen, deren Spielraum für die nächste Krise nach Jahren hoher Schulden geschrumpft ist. Das Rezept fällt streng und vertraut aus: Preisstabilität sichern, die öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen, die Aufsicht über die Banken hinaus auf den rasch wachsenden Sektor der Nichtbanken ausdehnen und Strukturreformen vorantreiben, die Wachstum schaffen, ohne neue Schulden aufzutürmen.

Die politisch Verantwortlichen müssen jetzt handeln. Jede Verzögerung verteuert die notwendigen Anpassungen nur.

So fasste es Pablo Hernández de Cos, der Generaldirektor der BIZ, zusammen. Er verstand den Bericht weniger als Untergangsprognose denn als Appell, die gegenwärtige Ruhe zur Vorbereitung auf den Sturm zu nutzen.

Warum Luxemburg genau hinhören sollte

Für ein Land, das von der Verwaltung fremden Vermögens lebt, ist der Bericht alles andere als abstrakt. Luxemburg ist der zweitgrößte Fondsstandort der Welt, Heimat von Vermögen in Billionenhöhe – und dieses Vermögen steckt genau in dem, wovor die BIZ warnt: in amerikanischen Technologieaktien, die von KI-Erwartungen getragen werden, und in jenem weitverzweigten Geflecht der Nichtbanken, das der Bericht als am wenigsten beaufsichtigte Ecke des Systems benennt. Eine langgezogene KI-Korrektur würde sich am Finanzplatz nicht lautstark ankündigen. Sie käme über Fondsbewertungen, über Mittelabflüsse, durch das Innenleben des Systems.

Nichts davon ist die Vorhersage, der Boom werde morgen zerplatzen. Die BIZ betont, dass KI die versprochenen Produktivitätsgewinne noch liefern könnte und die Ausgaben sich als gut angelegtes Geld erweisen mögen. Ihr Punkt ist enger und schwerer abzutun: Eine Wirtschaft, die sich auf eine einzige, schuldenfinanzierte Wette stützt, sollte wissen, worauf sie steht. Nach einem Jahr, in dem die Märkte fast alles abschüttelten, ist Basels alljährliche Übung in Skepsis eine Erinnerung daran, dass der Boden weniger fest ist, als die Kurse vermuten lassen.

Was ist die BIZ?
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in Basel gehört den Zentralbanken und dient ihnen als Forum und Bank; ihr Jahresbericht wird von politisch Verantwortlichen aufmerksam gelesen.
Sagt die BIZ, KI sei eine Blase?
Nicht ausdrücklich. Sie hält Produktivitätsgewinne für möglich, sieht aber in der hohen Schuldenfinanzierung und der großen Wachstumsrolle ein Risiko für einen scharfen, langen Rückgang.
Was bedeutet das für Luxemburg?
Luxemburgs Fondsindustrie hält große Positionen in US-Techaktien und im Nichtbankenkredit; eine Korrektur würde Fondsbewertungen und Anleger treffen.

Mehr dazu: Monetary Policy, Artificial Intelligence, Financial Stability, Public Debt, Bis, Fund Industry, Basel, Markets

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