Kultur
Nationalmuseum holt die vergessene Malerin Berthe Brincour nach 80 Jahren aus dem Depot
Das Nationalmusée um Fëschmaart widmet der luxemburgischen Malerin Berthe Brincour die erste monografische Retrospektive seit fast 80 Jahren – mit rund 80 Werken, die der Staat bislang kaum erforscht hatte.

Fast acht Jahrzehnte lang lagerte das Werk von Berthe Brincour weitgehend unbeachtet in den Beständen des luxemburgischen Staates. In dieser Woche holt es das Nationalmusée um Fëschmaart (MNAHA), Luxemburgs Nationalmuseum für Archäologie, Geschichte und Kunst, ans Licht – mit der ersten monografischen Retrospektive, die der Malerin seit fast 80 Jahren gewidmet ist.
Die Ausstellung trägt den Titel „Berthe Brincour (1879–1947). Une artiste hors normes et hors temps“ – „Eine Künstlerin jenseits von Normen und Zeit“. Sie wird am Donnerstag, dem 4. Juni 2026, um 18 Uhr mit einer Vernissage eröffnet und ist anschließend vom 5. Juni 2026 bis zum 10. Januar 2027 in Luxemburg-Stadt öffentlich zu sehen. Das Museum versteht die Schau als Wiederentdeckung einer modernen Pionierin, die in der nationalen Kunstgeschichte über Generationen hinweg nahezu unsichtbar geblieben war.
Ein Werk, das dem Staat vermacht und dann vergessen wurde
Brincour vermachte ihr gesamtes Schaffen 1947 dem luxemburgischen Staat – in jenem Jahr, in dem sie starb. Doch ein großer Teil dieses Nachlasses blieb nach Angaben des Museums seither unerforscht und wurde bis heute nie in seiner Gesamtheit gezeigt.
Fast 80 Jahre nachdem sie ihr gesamtes Werk dem Staat vermacht hat, bleibt vieles davon unerforscht und wurde nie in seiner Gesamtheit ausgestellt.
Diese vom Nationalmusée um Fëschmaart formulierte Einschätzung beschreibt die ungewöhnliche Anlage des Projekts: Es geht nicht um die Leihgabe eines berühmten Namens, sondern um die Bergung einer Künstlerin, deren Erbe im Prinzip bewahrt, in der Praxis aber übersehen wurde. Zur Vorbereitung der Retrospektive hat das Museum umfangreiche Forschungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, auf denen die rund 80 nun gezeigten Arbeiten beruhen.
Eine Bildsprache, die ihrer Zeit trotzte
Was dabei zum Vorschein kommt, ist nach Lesart des Museums eine Künstlerin, die sich nur schwer in die Konventionen ihrer Epoche fügte. Brincours Bildsprache ist geprägt von grafischen Wirbeln, Pastellfarben und intensiv dargestellten Körpern, die sich einer einfachen Einordnung entzogen und die Erwartungen ihrer Zeit herausforderten – so die Berichterstattung von Chronicle.lu über das Museumsprogramm 2026.
Es ist genau diese Eigenschaft – ein Werk, das weder den Normen noch dem Moment seiner Entstehung entspricht –, die der Ausstellung ihren Titel und ihre These gibt. Die Schau zeigt Brincour nicht als Kuriosität ihrer Epoche, sondern als eine Figur, die ihrem Umfeld voraus war und deren Modernität erst jetzt nach eigenen Maßstäben gelesen wird.
Ein öffentlicher Aufruf, um Lücken zu schließen
Weil so vieles aus Brincours Leben und Schaffen unerforscht geblieben war, wandte sich das Museum an die Öffentlichkeit, um das Bild zu vervollständigen. Vor der Eröffnung rief es die Menschen in Luxemburg dazu auf, sich mit Ölgemälden, Zeichnungen, Dokumenten und weiterem Material zu melden, das mit der Künstlerin in Verbindung steht – per E-Mail an communication@mnaha.etat.lu.
Der Aufruf, der unter anderem von Les amis des musées d'art et d'histoire Luxembourg weiterverbreitet wurde, zeigt, wie dünn die dokumentierte Überlieferung rund um Brincour geworden war – und wie sehr die Retrospektive zugleich zu einem Akt der Rekonstruktion wird, der verstreute Werke und Schriftstücke zusammenträgt, um den bestehenden Staatsbestand zu bereichern.
Praktische Hinweise
Die Ausstellung ist im Nationalmusée um Fëschmaart in Luxemburg-Stadt vom 5. Juni 2026 bis zum 10. Januar 2027 zu sehen, nach der Vernissage am 4. Juni. Ausführliche Programminformationen finden sich auf der Ausstellungsseite des Museums sowie über Visit Luxembourg. Für eine Malerin, die alles, was sie geschaffen hatte, ihrem Land überließ und dann fast 80 Jahre lang ungelesen wartete, bedeutet das eine lange aufgeschobene erste echte Anerkennung.
Häufig gefragt
- Wann und wo findet die Berthe-Brincour-Retrospektive statt?
- Die Ausstellung wird am 4. Juni 2026 um 18 Uhr mit einer Vernissage eröffnet und ist vom 5. Juni 2026 bis 10. Januar 2027 im Nationalmusée um Fëschmaart in Luxemburg-Stadt zu sehen.
- Warum ist diese Ausstellung besonders?
- Es ist die erste monografische Retrospektive über Berthe Brincour seit fast 80 Jahren und das erste Mal, dass ihr 1947 dem Staat vermachtes Werk nach umfangreicher Forschung und Restaurierung in seiner Gesamtheit gezeigt wird. Insgesamt sind rund 80 Werke zu sehen.
- Was war der öffentliche Aufruf des Museums?
- Vor der Eröffnung bat das Museum die Menschen in Luxemburg, Ölgemälde, Zeichnungen, Dokumente und weiteres Material rund um die Künstlerin beizusteuern – per E-Mail an communication@mnaha.etat.lu –, um die dünne Überlieferung zu Brincour zu ergänzen.
- Wodurch zeichnet sich Brincours Stil aus?
- Laut Berichterstattung von Chronicle.lu über das Museumsprogramm 2026 ist Brincours Bildsprache von grafischen Wirbeln, Pastellfarben und intensiv dargestellten Körpern geprägt, die sich einer Einordnung entzogen und die Konventionen ihrer Zeit herausforderten.
Quellen
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