Erinnerung

„D'Preise sinn do": Aloyse Schartz, 93, erinnert sich an den 10. Mai 1940 in Dudelange


Lesezeit · 2 Min.

Wehrmacht column in Luxembourg, 10 May 1940.
„D'Preise sinn do": Aloyse Schartz, 93, erinnert sich an den 10. Mai 1940 in DudelangePhoto: Wikimedia Commons (public domain)

Auf den Tag genau 86 Jahre nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Luxemburg erinnert sich der Dudelanger Aloyse Schartz, 93, an den Morgen, als sein Vater von der Nachtschicht im Stahlwerk früher heimkam, um den deutschen Einmarsch anzukündigen. Er war sechs. Sein Vater, Schmelzaarbechter (Hochofenarbeiter), sagte schlicht: „D'Preise sinn do" (Die Preussen sind da).

Eckpunkte

  • Datum des Einmarsches: Freitag, 10. Mai 1940.
  • Zeitzeuge: Aloyse Schartz, 93 (2026), sechs Jahre alt im Jahr 1940.
  • Familienkontext: Vater Hochofenarbeiter in Nachtschicht; früher heimgekommen, um Frau und Sohn zu warnen.
  • Lokale Marker in seinem Bericht: die Cellula in Bettemburg (Wehrmacht-Position); die Gegend um Dr Goerens (französisches Maschinengewehr).
  • Die meisten Bewohner flohen; viele kehrten erst Jahre später zurück.

Der Morgen

Schartz, heute 93, erzählt RTL Lëtzebuerg, dass sein Vater früher als gewohnt in der Familienwohnung erschien: „Sie sitzen in Bettemburg, bei der Cellula." Zwischen 14 und 15 Uhr drehte die Botschaft: „Alle in die Häuser. Die Franzosen kommen. Sie liegen schon bei Dr Goerens mit einem Maschinengewehr." Die meisten Nachbarn flohen in die Keller oder aus der Stadt. Die Familie Schartz blieb in der Wohnung am Fenster — eine Haltung, die Aloyse als zugleich tollkühn und alltäglich erinnert.

Was Dudelange erlebte

Dudelange war 1940 eine Stahlstadt von rund 14 000 Einwohnern, geprägt von den ARBED-Schmelzen. Der südliche Vorstoss der Wehrmacht zog am Morgen in die Gemeinde, und viele Bewohner reihten sich in die grosse luxemburgische Fluchtwelle nach Frankreich ein, die Wochen dauerte und zur prägenden Erinnerung des Mais 1940 im Land wurde. Für die Heimkehrer dauerte die deutsche Besatzung bis September 1944.

Warum dieses Zeugnis 2026 zählt

Zeitzeugen, die den 10. Mai 1940 selbst noch erlebten, sind heute mindestens in ihren Neunzigern. Das RTL-Gespräch mit Schartz ist Teil eines stetigen Übergangs vom gelebten Zeugnis zum Dokumentargedächtnis: Oral-History-Projekte unter Federführung der Cinémathèque, Schulprogramme und das Musée national de la Résistance in Esch-sur-Alzette arbeiten daran, diese Berichte zu sichern, bevor die letzten Zeugen verschwinden.

Auf den Punkt

„D'Preise sinn do" — drei Worte, die Aloyse Schartz, 93, seit seinem sechsten Lebensjahr trägt. Zum 86. Jahrestag des deutschen Einmarsches in Luxemburg lässt sein Zeugnis einen der prägendsten Morgen des Landes wie einen Freitagmorgen 1940 erscheinen — plötzlich, alltäglich und ein Leben lang erinnert.

Wer ist Aloyse Schartz?
Ein 93-jähriger Dudelanger, der am 10. Mai 1940 sechs Jahre alt war und an jenem Morgen den Einmarsch der Wehrmacht in seinem Heimatort erlebte.
Was bedeutet „D'Preise sinn do"?
Ein luxemburgisches Idiom aus 1940 — wörtlich „Die Preussen sind da" — als Warnung, dass die deutsche Armee eingetroffen sei.
Warum dies 2026 veröffentlichen?
Zeugen des 10. Mai 1940 sind heute mindestens in ihren Neunzigern. Oral-History-Projekte arbeiten daran, gelebtes Zeugnis zu sichern, bevor es nicht mehr direkt aufgenommen werden kann.

Mehr dazu: Luxembourg History, Wehrmacht, World War Ii, 10 May 1940, Dudelange

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